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Serie Stadtführungen
Mit dem Dinslakener Landrat unterwegs

Serie Stadtführungen: Mit dem Dinslakener Landrat unterwegs
Eduard Sachtje (rechts) weiß als Landrat Heinrich von Buggenhagen viel zu erzählen und die Gäste auf der Führung gut zu unterhalten. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Gästeführer Eduard Sachtje nimmt in seiner Rolle als Julius Heinrich von Buggenhagen seine Führungsteilnehmer mit auf einen informativen Rundgang durch die Innenstadt und erzählt dabei auch so manche Anekdote. Von Florian Langhoff

DInslaken Temperaturen jenseits der 20-Grad-Marke sind nicht das ideale Wetter für eine Tour mit Julius Heinrich von Buggenhagen. Zumindest nicht für Eduard Sachtje, der sich für seine Rolle als ehemaliger Landrat Dinslakens um das Jahr 1820 kostümiert hat. Mit langem, dunklen Mantel und Zylinder auf dem Kopf begrüßt der Gästeführer seine Führungsteilnehmer vor dem Museum Voswinckelshof. Das ist gleichzeitig die erste Station der Tour mit dem ehemaligen Landrat von Dinslaken. Denn direkt am Eingang des Museums findet sich die ehemalige Eingangstür des Mausoleums von Haus Bärenkamp. Und dort ist Julius Heinrich von Buggenhagen beerdigt worden.

Für jemanden, der gerade quasi vor seinem Grab steht, wirkt der von Eduard Sachtje dargestellte Landrat allerdings recht fröhlich und erzählt etwas aus seiner eigenen Lebensgeschichte. "Mein Vater war Präsident in Kleve und später Minister, meine Mutter eine französische Baronesse." Und Haus Bärenkamp, das er bewohnte, hatte damals Ländereien, die bis zum heutigen Standort der Neutor-Galerie reichten oder, wie Eduard Sachtje es ausdrückt "bis auf den ehemaligen Hertie-Parkplatz." Und von Buggenhagen hatte damals als Landrat in Dinslaken ganz andere Befugnisse als sein heutiger Amtsnachfolger. "Wenn mir ein Bürgermeister nicht passte, habe ich den halt ausgetauscht", erklärt Eduard Sachtje. "Ich denke, Dr. Ansgar Müller hätte als Landrat heute seine Probleme damit, so eine Idee in die Tat umzusetzen." Lacher von den Führungsteilnehmern.

Noch im Museum wird die Zeitreise in Richtung Jahrhundertwende vom 18. ins 19. Jahrhundert sehr anschaulich. Denn hier gibt es auch ein Modell der Stadt, wie sie im Jahre 1830 aussah. "Das war ja quasi zu meiner Zeit", sagt der ehemalige Landrat und erklärt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der damaligen und der heutigen Stadt. "An Straßennamen wie Rutenwall und Wallstraße kann man sehr gut sehen, wo früher die Stadtmauer war", sagt Sachtje. Und auch der Verlauf des Rotbaches, mittlerweile an vielen Stellen unterirdisch, lässt sich hier noch erkennen.

Dann geht es aus dem Museum auf eine Tour durch die Stadt. An der Wölle Pomp klärt Eduard Sachtje die Führungsteilnehmer über die Bedeutung der Wasserpumpen für die Stadt auf. "Diese Pumpe hier hatte als einzige weiches Wasser", weiß der Gästeführer zu berichten. Beim nächsten Stopp am früheren Standort des Walsumer Tors erzählt Sachtje etwas über den Mann, dessen Rolle er spielt. "Ich war im Jahre 1804 der letzte Schützenkönig der Sankt Georg Schützengilde", berichtet Julius Heinrich von Buggenhagen. Dann geht es zu den Drei Kreuzen, deren Geschichte der Gästeführer natürlich ebenso kennt, wie die des Hauses Bärenkamp.

Und zwischendurch gibt es immer wieder Informationen und Dönnekes. "Konrad Duden hat mal eine Zeit lang in Dinslaken gelebt", erfahren die Führungsteilnehmer. Außerdem nimmt der ehemalige Landrat für sich auch in Anspruch, die Schülerhilfe erfunden zu haben, indem er einen Lehrer als Nachhilfe für seine Kinder einstellte. Vielleicht nicht ganz richtig, aber doch interessant. Ebenso wie die Tatsache, dass auch die Burg, an der die Gruppe mittlerweile angekommen ist, früher natürlich Eigentum von Julius Heinrich von Buggenhagen war. Dort wohnte die Verwandtschaft des ehemaligen Landrats und zu dieser zählte mit Friedrich Althoff auch der bekannteste Sohn der Stadt. "Althoff war mein Neffe", verkündet von Buggenhagen. "Leider habe ich ihn nicht kennengelernt, weil er erst nach meinem Tod geboren wurde." Dann erzählt etwas aus dem Leben des heimlichen preußischen Kulturministers, der in Dinslaken geboren wurde. Darunter auch die Anekdote, dass Althoff einen Zettel an seiner Bürotür hängen hatte, auf dem zu lesen war: "Sprechstunde nur zwischen 2-3 Uhr. Besuche zu anderer Zeit zwar eine Ehre, aber keine Freude". Wiederum einige Lacher aus dem Kreis der Gäste und am Ende der Führung kräftigen Applaus.

Quelle: RP
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