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Dinslaken
Mit dem Wasser kam die Bildung

Dinslaken: Mit dem Wasser kam die Bildung
Renate Posth hat schon viel bewirkt in Tansania. FOTO: privat
Dinslaken. Verein fördert seit 20 Jahren die Partnerschaft zwischen der Kimashuku Primary School und der Moltkeschule. Von Bettina Schack

Es gibt immer wieder Neues zu tun. Die Kimashuku Primary School in Tansania ist für Renate Posth zur Lebensaufgabe geworden. Erst vergangene Woche hat sie in Düsseldorf die Unterstützung der Engagement Global, einer Organisation der Staatskanzlei NRW beantragt.

Um einen gestaffelten Betrag von 40.000 Euro geht es, die Finanzierung des bislang größten Projektes, das der Verein zur Förderung der Partnerschaft zwischen der Kimashuku Primary School und der Moltkeschule in Dinslaken in den kommenden zwei Jahren realisieren wird: der Bau einer Werkstatt für Schneiderinnen, Schneider und Schreiner als Berufsperspektive für diejenigen, die nach dem Abschluss der siebten Klasse nicht auf eine Secondary School wechseln.

20 Jahre wurde der "Kimashuku"-Verein in diesem Jahr. Er selbst wächst, wie die Schule, die er unterstützt, mit seinen Aufgaben. Und noch heute spricht seine Vorsitzende, Renate Posth, von "Fügungen". "Wenn mir jemand vor 25 Jahren gesagt hätte, ich würde mich einmal in Afrika engagieren, ich hätte es nicht geglaubt."

Renate Posth selbst kam auch über einen Umweg zu ihrer Aufgabe. Es war Marita Schwan, Lehrerin an der Moltkeschule, an der Renate Posth Schulleiterin war, die 1995 durch einen Kontakt über ihren Sohn die Kimashuku Primary School in Tansania besichtigte. Zurück in Hiesfeld zeigte sie Fotos, darunter eines von einem Schlammloch, das zuvor das einzige, unbefestigt in den Boden ausgeschachtete und in der Regenzeit unterspülte Trinkwasserbecken der Schule war. "Wir erfuhren, dass die unterversorgten Kinder im Unterricht dehydrierten", erinnert sich Renate Posth. "Wasser und Bildung" sind seitdem für sie die Schlüssel der Hilfe zur Selbsthilfe.

Die Moltkeschule sammelte Spenden, startete einen Sponsorenlauf. Mit dem Geld wurde ein gemauertes Regenwasserauffangbecken gebaut, der Anfang einer Schulentwicklung, die heute längst auch pädagogische Maßnahmen beinhaltet. 2013 wurde die Primary School vom Schul- und Ausbildungsministerium der Vereinigten Republik Tansania als am stärksten verbesserte Schule des Landes ausgezeichnet. Im Ranking liegt sie nun unter den ersten 1000 von 16.000 Schulen im Land.

2003 waren Renate und ihr Ehemann, der mittlerweile verstorbene Klaus Posth, erstmalig persönlich in Tansania. Bei jedem weiteren Besuch bot sich ein neues Bild. "2003 fragte ich mich, wie kann man dieses Land voranbringen?" Heute - Renate Posth besuchte die Schule das letzte Mal 2014 mit Lilo Wallerich - habe sich die ganze Atmosphäre verändert. "Das Grau, die Melancholie sind verschwunden." Dazu trugen nicht nur der Ausbau bei, die neuen pädagogischen Konzepte, die im Lehrerzimmer stets auf offene Ohren stoßen, der vom Verein bezahlte Montessori-Lehrer und der gegenseitige Förderunterricht, der die Solidarität der Kinder untereinander stärkt, sondern auch die heute 30 Patenschaften, mit denen Dinslakener die individuelle Schul- und Weiterbildung von Mädchen und Jungen aus den Dörfern und Hütten bei Moshi ermöglichen.

Im Februar wird Renate Posth nach Tansania fliegen und sich Schulen ansehen, die bereits eigene Werkstätten haben. Berufsausbildungen wie in Deutschland gibt es in Tansania nicht. Sie sind an einen Collegebesuch geknüpft, also nur für die erreichbar, die zur Secondary School wechseln. Der Rest steht ohne berufliche Perspektive da. Für diese Kinder der Kimashuku Primary School wird es in Zukunft die Möglichkeit geben, sich in zwei Jahren zur Schneiderin oder zum Schreiner ausbilden zu lassen. Dafür gibt es keine staatliche Prüfung, aber die Kinder lernen alles, was sie brauchen, um sich selbstständig machen zu können.

Renate Posth steckt noch voller weiterer Pläne. Und ein Wunschtraum, den es zu verwirklichen gilt, macht auch deutlich, wie bei allem Fortschritt die Lage in Tansania tatsächlich noch ist: "Ich wünsche mir, dass die Schule irgendwann einmal auch Strom bekommt."

Quelle: RP
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