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Serie Stadtführungen
Mit einem Lohberger Mädchen auf Tour

Serie  Stadtführungen: Mit einem Lohberger Mädchen auf Tour
Manuela Held (3.v.r.) erzählt vor der Marienkirche aus ihrem Leben und der Historie des Stadtteils. FOTO: Büttner
Dinslaken. Manuela Held eröffnete mit ihrer Führung durch Lohberg das Programm der Lohberg Tours, bei dem Menschen aus dem Stadtteil durchs Viertel führen. Eine Kombination aus Historie und persönlicher Lebensgeschichte für die Teilnehmer. Von Florian Langhoff

Dinslaken Es ist die letzte Station der Tour, an der die Geschichte von Manuela Held eigentlich beginnt. Mit den Teilnehmern ihrer Führung durch den Stadtteil Lohberg steht die Gästeführerin vor dem Ledigenheim. "Das ist mein liebstes Gebäude in der Stadt", verrät sie und erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der nach dem Krieg in das Haus kam, in dem damals ledige Bergleute wohnten. Er lernte eine Frau kennen und schaffte es irgendwie, dass diese - trotz eines strikten Verbotes - mit ihm dort für eine Woche leben konnte. Daraus entstand eine Ehe. "Ich kannte diesen Mann ganz gut. Er war mein Vater und das die Geschichte meiner Eltern", sagt Manuela Held den Teilnehmern ihrer Führung.

Die Familiengeschichte ist es auch, die sich wie ein roter Faden durch die Gästeführung durch den Stadtteil zieht. So ist es kein Zufall, dass die Führung am Pförtnerhaus des ehemaligen Zechengeländes startet. "Mein Vater hat früher auf der Zeche gearbeitet", erzählt Manuela Held. "Wir haben als Kinder allerdings nicht viel davon mit bekommen. Wir durften nur hierhin, wenn wir einen Krankenschein oder Kohlekarten abgeben mussten", erzählt die Gästeführerin, die hauptberuflich als ausgebildete Erzieherin in einem Kindergarten arbeitet.

Dann geht es vom Zechengelände in den Stadtteil. Der Weg führt am früheren Kasino vorbei auf die Straßen, die Gegenüber des Zechengeländes auf der Hünxer Straße liegen. "Das Kasino war für viele Bergleute so verlockend, dass sie ihren Lohn verspielten. Das passierte häufiger", berichtet Manuela Held. Eine Tatsache, die dafür sorgte, dass die Ehefrauen der Bergleute sich etwas einfallen lassen mussten, um ihre Familien zu ernähren.

Das passierte zum Beispiel über die Innenhöfe im Arbeiterviertel, in denen die meisten Familien ihre Gärten pflegten und Hühner hielten, um sich selbst versorgen zu können. "Wissen Sie, was eine Bergmannskuh ist?", fragt Manuela Held. Die Antwort: eine Ziege. Die wurden oft in den Hinterhöfen gehalten. Eine wichtige Rolle spielte auch die Kirche im Stadtteil. "Meine Mutter war hier sehr aktiv", berichtet Manuela Held vor der Marienkirche. "Hier entstanden Freundschaften zwischen den Frauen im Stadtteil, die teilweise die Jahrzehnte überstanden haben." Und Manuela Held spielt in der Lohberger Kirchengeschichte eine besondere Rolle. Denn sie war die erste Messdienerin, die es in der katholischen Kirche Lohberg gab.

Als sie allerdings auf der weiterführende Schule Freunde aus anderen Stadtteilen hatte, wurde ihr bewusst, dass man sie teilweise ausgrenzte und ihren Heimatstadtteil mied. "Lohberg war zu meiner Jugendzeit so verrufen, dass meine Freundinnen sich für Feten herschleichen mussten", berichtet Manuela Held. Diese feierte man seinerzeit im Melanchtonhaus, das als evangelisches Jugendzentrum der Treffpunkt für junge Menschen war. "Da wurde viel gefeiert, es floss auch manchmal einiges an Alkohol und ab und an musste auch mal ein Krankenwagen gerufen werden", erinnert sich die Gästeführerin. Da geht es heute sehr viel ruhiger zu im Stadtteil.

Und so kommen die Gäste nach gut anderthalb Stunden heil an der Endstation der Führung an. Für die gibt es von den Teilnehmern Applaus für Manuela Held, die ihre Premiere als Gästeführerin gut gemeistert hat. In den kommenden Wochen finden weitere Touren im Stadtteil mit unterschiedlichen Gästeführern statt. Wer sich darüber Informieren möchte, wird im Internet auf der Seite der Gästeführer-Gruppe fündig: www.lohbergtours.de.

Quelle: RP
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