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"Typisch Ruhrpott"
Mit einem Original durch Lohberg

"Typisch Ruhrpott": Mit einem Original durch Lohberg
Im "Kraftwerk" dürfen sich die Führungsteilnehmer davon überzeugen, wie schwer es ist, mit der eigenen Muskelkraft genügend Strom zu erzeugen, um eine Lampe zum Leuchten zu bringen. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Unter dem Motto "Typisch Ruhrpott" führt mit Jasmin Schneidewind ein echtes Kohlenrevier-Original durch den Stadtteil. Mit fürs Revier typischer Sprache, aber auch jeder Menge Humor und Charme geht es durch Bergpark und Gartenstadt. Von Florian Langhoff

Mit tarnfarbener Hose und in Jeansjacke begrüßt Jasmin Schneidewind die Teilnehmer ihrer Stadtführung am Wasserturm im Bergpark. "Normalerweise dauern die Führungen bei mir immer ein bisschen länger. Heute mach ich aber pünktlich Schluss. Heut' Abend spielt Schalke." Geradlinig auf den Punkt. Typisch Ruhrpott eben. Vom Bergpark, wo sich das Grün der Rasenflächen mit dem braunen Blätterwerk der Bäume vermischt, geht es dann erstmal in Richtung der Überreste des ehemaligen Bergwerks. Hier gibt es zunächst einen kleinen Überblick über die Geschichte der Zeche Lohberg und die Arbeit unter Tage.

Die Förderräder, die früher benötigt wurden, um die Kumpel in die Stollen zu bringen, geben direkt Anlass zu einem kleinen Ausblick in die Welt der Bergleute. "Der Maschinist, der die Kumpel runtergefahren hat, war der wichtigste Mann. Wenn der Scheiße gebaut hätte, wäre da Schicht gewesen", sagt Jasmin Schneidewind den Führungsteilnehmern. Dann geht es noch eine Runde in den Bergpark und zwar zu den Kunstwerken, die in die Fläche integriert wurden. Da wäre zum einen der unter Federführung von Künstlerin Jeanne van Heeswijk zum "Parkwerk" umgewandelte Wasserturm. Und dann natürlich der rote "Hase" von Thomas Schütte. "Zu dem Kunstwerk habe ich schon alles gehört. Teufel, Ziege und kürzlich hat ein Kind es als Butzemann bezeichnet", erklärt Jasmin Schneidewind.

Am Förderrad im Bergpark erklärt Jasmin Schneidewind (links) den Führungsteilnehmern die Historie der Zechenanlage. FOTO: Martin Büttner

Am "Kraftwerk", das die Künstler Folke Köbberling und Martin Kaltwasser in den Bergpark setzten, hängt ein wenig Jasmin Schneidewinds Herz. Natürlich hat die Stadtteilführerin einen Schlüssel. Und so können die Tourteilnehmer selbst mal ausprobieren, wie schwer es ist, mit den hier stehenden Fahrrad-Apparaten selbst Strom zu erzeugen. Wenn zehn Leute hier in die Pedale treten, reicht der Strom für Laptop und Leinwand, so dass man Filme schauen könnte. "Ich glaube, wenn man dazu immer in die Pedale treten muss, schaut man nicht mehr viele Filme", kommentiert eine Teilnehmerin. Kurzer Halt auch am von Jacob Kolding im Park verstecktem "Kohlenstück", das einer der Tourteilnehmer spontan mit einem Hundehaufen vergleicht. Jasmin Schneidewind lacht darüber schallend mit rauchiger Stimme. "Das habe ich ja noch nie gehört", lautet der Kommentar der Stadtteilführerin.

Dann geht es auf in Richtung Gartenstadt. Hier geht der Blick kurz auf die Überreste der Mauer, die früher Wohnquartier und Zechengelände trennte. "Es gibt zwei berühmte Mauern in Deutschland: Die Lohberger Mauer und die Berliner Mauer", sagt Jasmin Schneidewind. Nun, da Erstere weg ist, können und sollen Bergpark, neues Wohnquartier und Gartenstadt zusammenwachsen. "Es gibt nur ein Lohberg", erklärt die Stadtteilführerin.

In der "Kolonie", wie Jasmin Schneidewind die Gartenstadt nennt, führen alle Wege auf den Marktplatz. "Hier am Kiosk braucht man keine Zeitung. Man kauft sich einen Kaffee, bleibt hier stehen und erfährt automatisch, was es Neues gibt", erklärt die Stadtteilführerin. Einen besonderen Kommentar gibt es zur Koksstraße. "Nicht das zum Schnupfen, sondern das, was man zum Heizen im Keller hatte." Die Tourteilnehmer können sich zumindest ein Schmunzeln nicht verkneifen.

In einem der Innenhöfe der Gartenstadt gibt es dann auch etwas Persönliches zu erfahren. In einem ähnlichen Hinterhof, wo man hinter der Wohnung einen kleinen Garten hatte und Tiere hielt, ist auch Jasmin Schneidewind aufgewachsen. "Mein Opa hatte ein Schaf namens Hansi. Zu Weihnachten gab es immer Hansi-Socken und Hansi-Pullover aus der Wolle", erzählt sie. Und im Garten und im Haushalt blieb die Arbeit oft an den Kindern hängen. So war das eben, vor einigen Jahrzehnten im "Pott". Mit weiteren kurzweiligen Anekdoten und Sprüchen geht es so durch den Stadtteil. Und man behält, dank Jasmin Schneidewinds Art zu Erzählen, alles gleich im Kopf.

Quelle: RP
 
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