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Dinslaken
Mit Winnetou am Stammtisch

Dinslaken. Karl-May-Freunde luden zum 75. Treffen in die Lohberger Karawane ein. Von Florian Langhoff

Winnetou ist dabei. Der Häuptling der Apatschen ist zwar nur aus Pappe, hat aber alles im Blick. In der Karawane in Lohberg schaut er von einem Tisch über ein Sammelsurium aus Werken, die etwas mit Karl May zu tun haben. Eine Ausgabe von "Der Schatz im Silbersee" liegt auf dem Tisch, Zeitungsartikel, Kataloge und Broschüren. "Wir sind noch nicht ganz vollzählig. Es fehlen noch ein paar Navajo und Sioux", sagt Gastgeber Gerd Hardacker.

Im Juni 2009 hatte er zum ersten Mal zum Karl-May-Stammtisch eingeladen, damals per Anzeige in der Zeitung. "Ich saß dann alleine an der Adler-Apotheke draußen", erzählt er. "Dann habe ich für das nächste Mal alte Freunde und Bekannte eingeladen und daraus hat sich der heutige Stammtisch entwickelt."

Der trifft sich zum 75. Mal, wobei die Treffen stets an unterschiedlichen Orten stattfanden, die aber etwas mit Karl May zu tun hatten. Die Adler-Apotheke hatte sich Gerd Hardacker auch aus diesem Grund ausgesucht, genauer gesagt, wegen der Erzählung "Durch die Wüste". "In dem Buch hatte Kara Ben Nemsi immer eine Reiseapotheke dabei", erzählt Hardacker. Eine solche hatte er in einer Ausstellung in Leipzig gesehen und diese war eine Leihgabe des Apothekers Elmar Sierp aus Dinslaken. Klar, dass er da in der Adler-Apotheke (heute "Zur Alten Apotheke") mit dem Stammtisch starten musste.

Ins Lohberger Casino führte den Stammtisch Karl Mays Tätigkeit als Herausgeber der Zeitschrift "Schacht und Hütte" und auch im China-Restaurant traf sich der Stammtisch schon. Stammtisch-Teilnehmer Rüdiger Herrmann brachte Gerd Hardacker von einer China-Reise extra eine chinesische Ausgabe eines Karl-May-Romans mit. Und das Restaurant Karawane passt mit seinen Bezügen zum Orient natürlich perfekt zu Karl Mays Reiseerzählungen. Die Stammtischbesucher diskutieren jeweils ganz unterschiedliche Themen. "Meistens haben wir einen besonderen Aufhänger", erzählt Gerd Hardacker. So gab es beim Stammtisch schon ein Indianeressen ("Ohne Büffelfleisch, aber trotzdem lecker"), einen Abend mit Verkleidungen ("Silberbüchse und Henrystutzen haben wir heute zu Hause gelassen") und verschiedene Themenabende: Karl May und die Frauen oder die Rittergeschichten des Autors standen auf dem Programm.

"Die Bandbreite an Themen ist eigentlich unerschöpflich", sagt Gerd Hardacker. "Natürlich reden wir auch über andere Sachen, aber ich versuche schon, das Gespräch immer zu Karl May zurückzulenken", berichtet der Gastgeber.

Und da der Stammtisch in Dinslaken der einzige in der Umgebung ist, kommen mittlerweile auch regelmäßig Besucher aus Duisburg, Bottrop, Herne und Oberhausen nach Dinslaken. Auch einen Gast aus Göttingen konnte man schon begrüßen, und mit Dr. Eckehard Koch zählt der Stammtisch auch einen renommierten Karl-May-Forscher zu seinen Stammgästen.

Dann hat Gerd Hardacker, selbst seit seiner Jugend begeisterter Karl-May-Leser und -Sammler, noch einen besonderen Clou parat. Er schlägt die neue Ausgabe von "Der Schatz im Silbersee" auf und findet darin nicht nur seinen eigenen Namen wieder, sondern auch die zahlreicher Stammtischteilnehmer. "Anscheinend wusste Karl May schon vor 125 Jahren, dass wir uns heute in seinem Namen hier treffen", sagt Gerd Hardacker und lächelt.

Quelle: RP
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