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Voerde
Mit Witz gegen die Tücken der Kommunikation

Voerde. Zur VHS-Semestereröffnung in Voerde begeisterte Kabarettist Hennes Bender mit seinem neuen Programm "Klein/laut".

"Klein/laut" heißt Hennes Benders neues Programm und mit dem Titel liefert er eine treffende Selbstbeschreibung, denn Bender ist weder hochgewachsen noch still, eher ein "Hobbit auf Speed". Rasant betrachtete der Kabarettist mal aktuelles Zeitgeschehen, mal die alltäglichen und gesellschaftlichen Befindlichkeiten. Ein Feuerwerk an Pointen, von Bender mit Ironie, scharfem Blick und perfektem Timing gezündet.

Das Publikum hat der sympathische Bochumer dabei von Anfang an auf seiner Seite, sucht immer wieder die Interaktion, denn schließlich möchte er wissen, wer da so vor ihm sitzt. Denn oft würden falsche Erwartungen geweckt, das weiß Hennes Bender aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie er erzählt: Bei einem Auftritt habe in der ersten Reihe ein Königspaar mit Schärpe "wie aus dem Märchen" gesessen und er habe gefragt, ob die beiden vorher noch bei Burger King gewesen seien, dabei habe es sich um das Weinkönigspaar des Ortes gehandelt. "Wir trinken in Bochum keinen Wein", meinte Bender entschuldigend. Der Abend sei danach etwas schwierig gewesen. Solche Probleme hatte der Kabarettist am Samstag nicht - der Funke war direkt auf die Zuschauer übergesprungen.

Mit Charme und Witz entlarvte Bender vor allem die Tücken der deutschen Sprache und der modernen Kommunikation. "Früher hätten wir nicht unser Essen fotografiert und uns gegenseitig gezeigt - wir mussten ja erstmal den Film voll kriegen", sinnierte der Bochumer über die weit verbreitete Angewohnheit, in sozialen Netzwerken jederzeit über seine aktuelle Tätigkeit zu informieren. Auch vor dem Werbefernsehen machte er nicht Halt. Dem Satz "Viel Spaß beim Brot aufbewahren", den ein Shoppingsender seinen Zuschauern hinsichtlich einer Brottrommel wünschte, bescheinigte er: "Das macht vorne und hinten keinen Sinn." Besonders kryptisch sei auch mal eine Nachricht seiner Frau auf dem Küchentisch gewesen: "Schatz, ich habe den Mann mit der Schnur kaputt gemacht." Daneben lag die ramponierte streng limitierte Indiana-Jones-Figur. "Harrison Ford sah noch nie so schlecht aus", bedauerte Bender und brauchte erstmal eine Pause.

Pausenlos unterhaltsam war auch der zweite Teil. Von komplizierter Mediziner-Sprache - "keine Auffälligkeiten in der Silhouette, meinem Schatten geht's also gut" - über Konsumverhalten: Die Leute regten sich immer mehr auf, es gebe keine sachliche Diskussion mehr und man spreche nicht mehr miteinander, sondern darüber, dass man sich nicht erreicht habe, stellt Bender fest. Auch die Fragen seien andere, dabei sei "Kannst du sprechen?" eigentlich noch nicht einmal so doof. Überhaupt sei es nur dem Umstand, dass der Kehlkopf so hoch im Hals sitze, zu verdanken, dass der Mensch sprechen könne, denn beim Schimpansen sitze er zu tief.

(cm)
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