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Mord an Dagmar E.
Mutter erdrosselt und verscharrt

Prozess im Mordfall Dagmar E. in Duisburg gestartet
Prozess im Mordfall Dagmar E. in Duisburg gestartet FOTO: dpa, jgu hpl
Dinslaken / Hünxe / Duisburg. Prozessauftakt vor dem Landgericht Duisburg: Drei Freunde bringen Dagmar E. um – der Sohn soll seelenruhig danebengesessen haben. Die Leiche der Frau verscharrten die Männer im Wald nahe dem Flugplatz Schwarze Heide. Von Birgit Lameyer

Unter großem Medieninteresse hat am Dienstag der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder der Dinslakenerin Dagmar E. vor dem Duisburger Landgericht begonnen. Die vier Angeklagten sollen gemeinsam für den gewaltsamen Tod der 58-Jährigen im September vergangenen Jahres verantwortlich sein. Auf der Anklagebank sitzen der Sohn der Angeklagten und drei Brüder, die mit dem 25-Jährigen befreundet sind.

Mord, Anstiftung zum Mord und Totschlag lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Die Angeklagten werden mit zeitlicher Verzögerung von mehreren Wachtmeistern in den Gerichtssaal geführt, um jegliche Kommunikation zwischen ihnen zu unterbinden. Als der Staatsanwalt die Anklageschrift verliest, kann man in den Gesichten der Angeklagten keine deutliche Regung oder gar Erschütterung wahrnehmen. Auch nicht, als der Staatsanwalt das Geschehen schildert, so wie es sich aus den Ermittlungen ergibt.

Alexander E. hatte die beiden mutmaßlichen Mörder am Tattag in die Wohnung an der Sandrastraße in Dinslaken gelassen, in der er gemeinsam mit seiner Mutter lebte. Kurz zuvor hatte einer der Mitangeklagten angekündigt, dass die Frau sterben müsse. Das habe der 25-Jährige nicht ernst genommen. Auch als der zur Tatzeit 17-Jährige aus Dinslaken die Frau von hinten zu Boden rang und sein Bruder ihr bis zur Bewusstlosigkeit Mund und Nase zuhielt, habe er nicht eingegriffen. "Er hätte seine Mutter beschützen müssen!”, sagte der Staatsanwalt. "Sie konnte sich nicht zur Wehr setzen.”

Er sprach weiter von einem gemeinschaftlichen Mord aus Heimtücke, den der 26-Jährige, der zur Tatzeit nicht in der Wohnung war, seinen Brüdern abverlangte. Alexander E. dagegen muss sich wegen Totschlags verantworten. Statt seiner Mutter zu helfen habe er auf Anweisung der beiden Freunde am Computer ein Musikvideo abgespielt, während die Frau um ihr Leben kämpfte.

Es soll sich um einen Song von Dean Martin gehandelt haben. Laut Anklage erklang das Lied "Return to me". Nach der Tat sollen die Männer die Leiche bis auf die Unterwäsche entkleidet, in Plastiksäcke verpackt und anschließend in einem Wald bei Hünxe verscharrt haben. Auch das Motiv für den Mord ist für die Anklage klar: Der älteste der Brüder, der in Wesel lebte, sollte dem Opfer ein Darlehen von 6000 Euro zurückzahlen. Um der Forderung und möglichen Folgen zu entgehen, habe er ihren Tod beschlossen.

Als Nebenklägerin tritt die Mutter der Getöteten auf, die Großmutter des 25-jährigen Alexander E. Der junge Mann wirkt schüchtern, weniger einnehmend und präsent als die drei Brüder. Ein Mann, den man beinahe übersehen könnte. Er selbst war es, der seine Mutter im Oktober vergangenen Jahres als vermisst meldete.

Sieben Monate später führte er selbst die Polizei zu der Leiche. Da hatten sich die Ermittler schon anhand von Telefonüberwachung ein recht deutliches Bild machen können. Die Frau war nach ihrem Tod in der Nähe des Flugplatzes Schwarze Heide vergraben worden.

Drei der Verteidiger kündigten an, dass ihre Mandanten Angaben zur Person und zur Sache machen werden. Nur der zur Tatzeit Minderjährige werde vorerst schweigen. Der jüngste Angeklagte war zur Tatzeit gerade einmal 17 Jahre alt. Der Fall wird vor der großen Jugendstrafkammer des Duisburger Landgerichts verhandelt.

Info Fortsetzung der Verhandlung: Verhandlung wird am 6., 07., 13. und am 21. Januar fortgesetzt. Weitere Termine sind für Februar geplant.

Sehen Sie hier die Bilder vom Prozessauftakt vor dem Duisburger Landgericht.

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