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Nach Morddrohungen
Dinslakener Islamwissenschaftlerin Kaddor beurlaubt

Morddrohungen: Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor beurlaubt
Lamya Kaddor sagt, seit dem Erscheinen ihres Buches habe sie Morddrohungen und so viele Hassbriefe wie noch nie erhalten. FOTO: epd
Köln. Die muslimische Autorin und Religionspädagogin Lamya Kaddor hat seit Erscheinen ihres Buches zahlreiche Morddrohungen erhalten. Jetzt hat sie sich aus Sicherheitsgründen bis zum Sommer 2017 vom Schuldienst in Dinslaken beurlauben lassen.

Sie sagte am Donnerstag im Deutschlandfunk, seit dem Erscheinen ihres Buches über Einwanderung vor zwei Wochen habe sie Morddrohungen und so viele Hassbriefe wie noch nie erhalten - vor allem aus rechten Kreisen.

Sie sei zwar seit einigen Jahren daran gewöhnt, Hassmails zu erhalten. Aber seit dem Erscheinen ihres Buches gebe es "anscheinend kein Halten mehr". Es sei ziemlich offensichtlich, dass es sich dabei um Menschen aus dem rechten Spektrum handle.

Wenn sie in ihrem Buch zum Beispiel fordere, dass Deutsche eine Bringschuld bei der Integration hätten, werde sie als Muslimin gesehen, die sich anpassen müsse. Kaddor ist in Deutschland geboren und hat syrische Wurzeln. Sie unterrichtet an einer Hauptschule in Dinslaken Islamkunde.

Renommierte Journalisten wie Henryk M. Broder beteiligten sich daran, Stimmung gegen sie zu machen, sagte Kaddor, die Mitbegründerin des Liberal-Islamischen Bundes ist. Viele der Hassmails bezögen sich auf ihn. Die Menschen seien in der aktuellen Debatte "vollkommen enthemmt" und glaubten, dass sie alles sagen dürften - unter anderem, dass Kaddor "vergast werden soll" oder dass man sie "nachts abholen" werde.

Vorwurf: Nur Drohungen von Islamisten werden ernst genommen

Die Muslimin kritisierte außerdem die Sicherheitsbehörden. Drohungen von Rechten würden oft mit dem Verweis auf Meinungsfreiheit heruntergespielt. Drohungen von Islamisten, denen sie auch bereits ausgesetzt gewesen sei, würden hingegen ernst genommen. In früheren Publikationen hatte Kaddor sich mit Islamismus auseinandergesetzt.

Ihr gehe es nicht darum zu sagen, was mit ihr passiere, sondern was in der Gesellschaft passiere: Es gebe rassistische Netzwerke, die versuchten, Menschen zu verunglimpfen - ob sie nun muslimische, russische oder jüdische Hintergründe hätten.

Die 38-jährige Kaddor mischt sich regelmäßig in die Debatten um Einwanderung und Islam ein und gehört zu den Sprecherinnen für das muslimische "Forum am Freitag" des ZDF. Für ihre Aktivitäten erhielt sie 2011 von der Bundesregierung die Integrationsmedaille.

(csr/KNA)
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