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Dinslaken/Duisburg
Mordprozess gegen Murat D. beginnt

Dinslaken/Duisburg: Mordprozess gegen Murat D. beginnt
Am Abend des 28. Februar sichert die Polizei Spuren an der Grabenstraße. Hierhin hatte Murat D. einen Nachbarn gelockt und niedergestochen. FOTO: Christoph Reichwein
Dinslaken/Duisburg. Dem 27-Jährigen wird vorgeworfen, Mitte Februar seinen 51-jährigen Nachbarn in Lohberg niedergestochen zu haben. Die Staatsanwaltschaft lastet ihm zudem zwei Mordversuche und gefährliche Körperverletzung an. Von Jörg Werner

Zunächst war die Polizei von einem tragischen Unfall ausgegangen. Doch die Obduktion ergab, dass der 51-Jährige, den Nachbarn am 15. Februar dieses Jahres tot vor seinem Haus gefunden hatten, Opfer eines Verbrechens geworden war. Murat D. hat die Tat gestanden. In der übernächsten Woche beginnt vor dem Duisburger Landgericht der Prozess gegen den 27-Jährigen, dem die Staatsanwaltschaft eine ganze Reihe weiterer Bluttaten vorwirft. Sie will, dass Murat D., den sie für schuldunfähig hält, dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen wird.

Dem Täter auf die Spur kam die Polizei, als Murat D. ein zweites Mal zustach. Opfer war wieder ein ebenfalls 51-jähriger Nachbar. Wie die Polizei ermittelte, klingelte der 27-Jährige am Abend des 28. Februar bei seinem Nachbarn und lockte ihn unter einem Vorwand aus dem Haus. Gemeinsam gingen die beiden über die Grabenstraße. An der Ecke Dorotheenstraße geschah dann die Tat. Der 27-Jährige stach seinem Nachbarn in den Hals. Dann entfernte er sich vom Tatort, soll aber wieder zurückgekehrt sein und ein zweites Mal - diesmal ins Gesicht des Opfers - zugestochen haben. Der Verletzte schleppte sich nach Hause, von wo aus seine Frau den Rettungsdienst alarmierte.

Bei der Suche nach der Tatwaffe, war das Technische Hilfswerk im Einsatz. FOTO: thw

Murat D. geriet in Verdacht, eine Richterin erließ Haftbefehl und die Polizei veröffentlichte ein Fahndungsfoto, das einen schlanken Mann mit schwarzem Haar, das er zum Zopf gebunden hatte, Bart und braunen Augen zeigte. Die Fahndung war erfolgreich. Die Flucht des mutmaßlichen Messerstechers dauerte nur 25 Stunden. Murat D. besuchte einen Imbiss an der Hünxer Straße, wo er in aller Ruhe aß. Ein Zeuge erkannte ihn und alarmierte die Polizei. Die umstellte das Gebäude. Der Verdächtige ließ sich widerstandslos festnehmen.

Die Tatwaffe hatte die Polizei zu diesem Zeitpunkt schon sichergestellt. Der 27-Jährige hatte sie in einen Teich an der Grabenstraße, der zum Lohberger Entwässerungsgraben gehört, geworfen. Mit Hilfe des Technischen Hilfswerks, das das Wasser abpumpte, spürte die Polizei sie auf. Diese zweite Tat wertet die Staatsanwaltschaft als versuchten Mord und schwere Körperverletzung. Tötungsabsicht unterstellt sie Murat D. auch bei einer weiteren Tat, die er - bereits in Untersuchungshaft - in der Nacht zum 3. März beging. Damals hatte der Dinslakener einen Mithäftling in der Hamborner Justizvollzugsanstalt angegriffen und mit einem Stich in den Hals verletzt. Als Tatwaffe verwendete er ein sogenanntes Schmiermesser, das den Gefangenen für die Zubereitung von Mahlzeiten zur Verfügung steht. Dieses Messer hatte Murat D. zuvor am Bettgestell scharf geschliffen. Das hatte sein Mithäftling zwar beobachtet, dem offenbar aber keine Bedeutung beigemessen und sich zum Schlafen in sein Bett gelegt. Er wachte zwar rechtzeitig auf und konnte die Attacke abwehren, erlitt aber dennoch Verletzungen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Im Zuge seiner Vernehmungen gestand Murat D. dann auch den Mord an dem 51-Jährigen am 15. Februar. Er soll sich in einem Busch versteckt haben und dann auf sein überraschtes Opfer eingestochen haben.

Nach einer Vernehmung des 27-jährigen Dinslakeners kam es zu einer weiteren Gewalttat. Zwei Justizbeamte hatten Murat D. zurück in eine Zelle gebracht. Dort ging er auf die beiden los. Einem der Männer brach er bei der Rangelei den Daumen, der andere erlitt Schürfwunden und Prellungen.

Prozessauftakt ist am Mittwoch, 30. August, 8.30 Uhr. Die Verhandlung ist auf insgesamt sechs Tage angesetzt.

Quelle: RP
 
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