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Dinslaken
Musik wie aus der Welt der Elfen

Dinslaken: Musik wie aus der Welt der Elfen
Gjertrud Lunde präsentierte eines der ätherischsten Konzerte, die das Publikum der Jazz Initiative bislang erlebt hat. FOTO: Kempken
Dinslaken. Das Gjertrud Lunde Quartett eröffnete die Aboreihe 2016/17 der Jazz Initiative mit ätherischen Klängen.

Bodek Janke ist ein brillanter Schlagzeuger. Ein Einser-Student, mehrfach ausgezeichnet und auf der ganzen Welt aktiv. Doch jetzt lässt er die Trommeln schweigen. Stattdessen produziert er an der Eingangstür des abgedunkelten Saals des Ledigenheims Vogelgezwitscher. Ambiente für eine Vokalise eines der ätherischsten Konzerte, die das Publikum der Jazz Initiative bislang erlebt hat. Die Norwegische Sängerin Gjertrud Lunde verschmolz mit ihrem Quartett am Samstagabend zum Start der Abo-reihe mit Ethno-Klängen, sphärischen synthetischen Sounds und einer feenhaften Stimme Weltmusik, Jazz, Klassik und die Mystik Skandinaviens zu einer schwerelosen, fast unwirklichen und dabei virtuosen Mischung.

Dass Kristjan Randalu dabei den auf Asien-Tour befindlichen Wolfgang Brederode am Flügel vertrat, erwies sich als Bereicherung. Randalu, der schon mit dem London Symphonie Orchestra spielte, trat zum ersten Mal in Lohberg auf, aber hoffentlich nicht zum letzten Mal. Mit welchen klanglichen Nuancen er auf dem Flügel Stimmungen erzeugt und wie leicht und schwebend er Dissonanzen zu spielen vermag ist brillant.

Florian Zenker spielt Gitarre, schickt einzelne Töne oder komplette Riffs und Melodiebögen durch die Chips seines synthetischen Equipments. Bodek Jahnke trommelt auch mal komplette Schlagzeugsoli mit den bloßen Händen, setzt sich aber auch immer wieder auf den Boden, um mit seinen Fingerspitzen die Tablas zu schlagen. All dies erzeugt die Klangkulisse, in die sich Gjertrud Lundes Sopran als atmendes, oft nur hauchendes Instrument einfügt.

Lange blonde Haare, ein weich fließendes, hellgraues, schulterfreies Kleid und dazu grobe graue Stiefel und eine schwere Wollstola. Schon optisch wirkt Lunde, als sei sie der skandinavischen Elfenwelt entstiegen. Ein Eindruck, der sich in vielen ihrer Stücken bestätigt. "Speachless" macht mit einer Generalpause von Stimme und Klavier die Stille hörbar, bevor sich die Ballade zu "Can I feel myself, can I see me" verdichtet und steigert, als müsse die Sängerin sich erst noch in der Musik materialisieren.

Dazu Überraschungen, zu dem nicht nur ein norwegischer Elfenreigen zu Latinrhythmen, eine Ethnopop-Version von Dvoraks indianischem Satz aus dessen 9. Symphonie und fast typische Jazz-Balladen gehören. Wenn Gjertrud Lunde zum Megafon greift, hört man in den Sonnenaufgang hinein den entfernten Ruf des Muezzins oder klassischen indischen Gesang.

Das Quartett setzt sich keine Grenzen. Gjertrud Lunde führt mit Kristjan Randalu Henry Purcells "Music for a while" ins 20. Jahrhundert, sie singt ihre Lieder auf Englisch, Französisch, Portugiesisch und immer Norwegisch. "Hjemklang", "Heimatklang" als eine Nachschöpfung des norwegischen Etterklang für Nachhall, nennt sie Konzert und CD. Der Klang einer Heimat, die die ganze Erde und deren Klänge umfasst.

(bes)
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