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Dinslaken
Nach der Rückkehr fließen Tränen

Dinslaken. 59. Hilfseinsatz des Friedensdorfes in Angola beendet.

Einsatzbesprechung in der Friedensdorf-Zentrale in Dinslaken. Der Charterflug im Rahmen der medizinischen Einzelfallhilfe ist am frühen Morgen aus Luanda in Düsseldorf gelandet. Die jungen Patienten sind versorgt. Schwere Fälle mit zum Teil dramatischen Verbrennungen und schweren Knochenentzündungen sind in kooperierenden Kliniken angekommen oder dorthin auf dem Weg. Die anderen Schützlinge wurden zunächst im Friedensdorf Oberhausen aufgenommen und können sich erst einmal vom anstrengenden Übernacht-Flug erholen. Jetzt kommen die Mitarbeiter aus allen beteiligten Arbeitsbereichen zusammen und sind gespannt auf den ersten Bericht zum 59. Hilfseinsatz in Angola. Es soll ein sehr emotionales Meeting werden.

"Wir kommen mit sehr gemischten Gefühlen zurück", sagt Kevin Dahlbruch vom Einsatzteam. "Die Lage in Angola ist dramatisch schlechter, als beim vorherigen Hilfseinsatz vor sechs Monaten." Das Land leide unter dem Ölpreisverfall, denn 90 Prozent des Staatshaushaltes werden über die Erdölförderung finanziert. "Ein Liter ganz normaler Saft kostet rund 7 Dollar und sogar mitten im besten Viertel der Hauptstadt haben wir Menschen gesehen, die den Müll nach Verwertbarem durchsuchen." Alles, was an leichten Verbesserungen zumindest für die Mittelschicht in Angola zu spüren war, scheint dahin. Eine Packung Windeln kostet 60 Dollar - unerschwinglich für die normale Bevölkerung.

"Der Bedarf für unsere Hilfe ist riesig", bestätigt seine Kollegin Maria Tinnefeld. "Seitens der angolanischen Regierung gibt es aber leider so gut wie gar keine Unterstützung." Ganz anders dagegen die deutsche Botschaft in Luanda. "Es ist einfach nur toll, wie sich alle Botschaftsangehörige für unsere Sache engagieren. Sogar Botschafter Rainer Müller war an seinem Geburtstag persönlich dabei, als wir die Kinder an ihre überglücklichen Eltern übergeben haben."

Als zwei weitere Mitglieder des Einsatzteams von ihren Eindrücken berichten, wird es sehr still im Raum. Die junge Japanerin Miki Kaneko arbeitet seit langem im Friedensdorf. Ihr Landsmann Dr. Yukihisa Yagura ist Orthopädie-Spezialist im Krankenhaus von Hokkaido, seit 2007 beim Friedensdorf engagiert und kommt viermal jährlich nach Deutschland ins Dorf, um den Kindern zu helfen. Beide waren zum ersten Mal bei einem Auslandseinsatz dabei.

"Das waren für mich sehr wichtige, sehr beeindruckende Tage", sagt Dr. Yagura. "Diese wahnsinnige Freude der Eltern, als sie ihre Kinder wieder in den Arm nehmen konnten... ich finde nicht die richtigen Worte". In seinem sympathischen, nicht ganz korrekten Deutsch fasst er zusammen: "Ich kann nicht meine Friedensdorf Tätigkeit aufhören."

Miki Kaneko nimmt mit ihren Schilderungen das gesamte Team mit. Erst werden die Augen bei einem feucht, dann weinen zwei, drei andere. "Ich bin so traurig, aber so glücklich zugleich", sagt Miki. "Ich danke Euch, dass ich das erleben durfte. Ich bin glücklich, dass ich hier arbeiten darf - ohne das Friedensdorf könnte ich nicht so glücklich leben, das gibt meinem Leben wirklich Sinn. Wenn alle Menschen so denken würden wie ihr, dann wäre endlich Frieden auf der Welt."

www.friedensdorf-onlinereport.de

Quelle: RP
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