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Marie-Luise Fasse
Nach intensiver Zeit fällt Abschied aus dem Landtag schwer

Dinslaken. 1995 wurde die CDU-Politikerin aus Rheinberg erstmals in den Düsseldorfer Landtag gewählt. Jetzt kandidiert sie nicht mehr.

Kreis wesel/Düsseldorf Marie-Luise Fasse aus Rheinberg wird dem neuen Düsseldorfer Landtag nicht mehr angehören. Die 69-jährige CDU-Politikerin zieht sich nach 22 Jahren aus der Landespolitik zurück. Der RP hat die Budbergerin einige Fragen beantwortet.

Frau Fasse, Sie wurden 1995 erstmals in den NRW-Landtag gewählt. Das ist 22 Jahre her. Was haben Sie in diesen Jahren über Nordrhein-Westfalen, über Land und Leute, gelernt?

Marie-Luise Fasse Dass sich die Vielfältigkeit und die regionalen Besonderheiten unseres Landes auch in den Temperamenten der Menschen wiederfinden.

Wie haben Sie sich durch die Zeit in der Landespolitik als Mensch verändert?

Fasse Ich bin gelassener geworden, weil ich gelernt habe, dass manchmal viel Wasser den Rhein durchfließen muss, bis politische Entscheidungen fruchten. Und ich habe gelernt, mit Ausdauer und Geduld manch unerreichbar scheinendes Ziel doch zu erreichen.

Wie hat sich die Landespolitik verändert? Es sind inzwischen mehr Fraktionen im Landtag vertreten.

Fasse Die Themen in der Landespolitik - endlich eine ideologiefreie Bildungspolitik, Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, kein Lamentieren über den Strukturwandel, sondern ihn endlich schaffen - haben sich nicht geändert, aber der Aufgabenkatalog ist umfangreicher geworden. Auch nicht geändert haben sich trotz der größer gewordenen Parteienlandschaft allerdings die Koalitionsvorlieben - Mitte versus links.

Was muss sich in NRW verändern, damit das Land zukunftsfähig bleibt?

Fasse Wir müssen die Schulden abbauen - die Niedrigzinspolitik verleitet die rot-grüne Landesregierung dazu, Kredite aufzunehmen. Dafür wird das Land irgendwann einen hohen Preis bezahlen müssen - und notwendige Investitionen in die Bildung, die Verkehrsinfrastruktur, die innere Sicherheit können nicht getätigt werden.

Sie waren unter anderem einige Jahre Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Warum hat Sie dieser Bereich gereizt und wo haben Sie mit Ihrer Arbeit Akzente setzen können?

Fasse Ich komme "vom Land" - aus dem Münsterland nämlich - und auch am Niederrhein ist die Landwirtschaft von Bedeutung. Für mich war es deshalb ganz "natürlich", mich in dem Fachbereich einzubringen, der für und in meinem Wahlkreis wichtig ist für die Menschen. In meiner Zeit als Ausschussvorsitzende von 2000 bis 2010 habe ich vor allem die Themen Verbraucherschutz und Regionalvermarktung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.

Sie kommen ursprünglich aus der Kommunalpolitik und sind in Rheinberg nach wie vor politisch aktiv. Wie wichtig ist diese Anbindung an die Basis für Sie als Landtagsmitglied gewesen?

Fasse Ohne den politischen Rückhalt vor Ort verliert ein Politiker die Erdung. Landespolitik lässt sich nur machen, wenn man die Kommunalpolitik kennt. Da geht es nicht nur um Vernetzung, sondern vor allem darum, die Probleme, Sorgen und Bedürfnisse der Menschen in den Städten und Gemeinden mitzukriegen und in Düsseldorf nach Lösungen zu suchen.

Haben Sie mit Ihren politischen SPD-Mitbewerbern Wolfgang Roth und René Schneider, die ja den gleichen Wahlkreis haben beziehungsweise hatten, gut zusammen gearbeitet?

Fasse Die politische Stoßrichtung war nicht immer, aber überraschend oft dieselbe. Es ging ja bei allen Entscheidungen immer um die beste Entscheidung für die Menschen im Kreis Wesel. Die Vorstellungen, wie welches Problem anzugehen und zu lösen ist, war aber naturgemäß oft konträr, weil wir ja nun mal unterschiedliche gesellschaftliche, bildungs- oder wirtschaftspolitische Anschauungen haben.

Fällt es Ihnen schwer, sich jetzt aus der Landtagsarbeit zu verabschieden?

Fasse Schon - weil die Zeit so intensiv war. Das Miteinander, der politische Kampf, die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen und gestalten zu können.

Welches Ereignis ist Ihnen am besten in Erinnerung geblieben?

Fasse Der 22. Mai 2005 - da habe ich das Direktmandat im Wahlkreis gewonnen. Und dann natürlich die folgenden fünf Jahre, in denen die CDU regiert und wichtige politische Entscheidungen getroffen und Richtungen vorgegeben hat.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Fasse Meine Mitarbeiterinnen Stephanie Riemann und Claudia Gutmann, die Kollegen, den Blick aus meinem Bürofenster, das Gefühl, etwas für die Menschen tun und erreichen zu können.

Und was auf keinen Fall?

Fasse Den Stau auf dem Weg nach Düsseldorf. Und den Terminkalender.

Werden Sie sich weiterhin politisch engagieren? Und wenn ja: wie und in welchem Maße?

Fasse Ich behalte meine Vorstandsämter bei der Kommunalpolitischen Vereinigung und beim KPV-Bildungswerk. Auch im Kreis Wesel engagiere ich mich weiterhin unter anderem als sachkundige Bürgerin.

Wie empfinden Sie die Lage in Rheinberg? Sind Sie mit der Arbeit von Rat und Verwaltung zufrieden?

Fasse Rheinberg ist eine lebens- und liebenswerte Stadt. Auch, weil sich viele Bürgerinnen und Bürger einsetzen in Politik und Gesellschaft. Dass es dabei manchmal hakt im Getriebe, ist ganz klar. Wichtig ist, dass die Verantwortlichen da, wo es nicht ganz rund läuft, nachjustieren. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht immer leicht ist. Klar sein muss denjenigen, die die Schalthebel betätigen, dass von ihren Entscheidungen das Wohl der Bürger und der Stadt abhängt.

Sie sind auch Landesvorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Bleiben Sie in dieser Funktion aktiv?

Fasse Ja, bei der SDW werde ich mich weiterhin als Landesvorsitzende und als stellvertretende Bundesvorsitzende einbringen.

Womit werden Sie künftig Ihre Zeit verbringen?

Fasse Vor allem mit der Familie. Die ist vor einigen Wochen größer geworden - das zweite Enkelkind ist da.

UWE PLIEN FÜHRTE DAS INTERVIEW

Quelle: RP
 
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