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Dinslaken
Nachdenklicher Schmickler

Dinslaken. Wilfried Schmickler gastierte mit seinem Programm "Das Letzte" in der Kathrin-Türks-Halle und analysierte Fragen der Gegenwart. Von David Knapp

Der polternde, scharfsinnige, ewig um Aufklärung bemühte Wilfried Schmickler gastierte am Wochenende mit seinem Soloprogramm "Das Letzte" in der ausverkauften Kathrin-Türks-Halle. Dabei zeigte sich der "Leverkusener Werks-Kabarettist" überraschend nachdenklich über den Zustand der Bundesrepublik, der Demokratie, ach was - der Welt an sich.

Der Kabarettist, seit Jahren eines der prägenden Gesichter der "Mitternachtsspitzen" im Westdeutschen Rundfunk, spannte in seinem siebten Bühnenprogramm einen Bogen von der biedermeierschen Dorfidylle in Dunkeldeutschland bis zur globalen Überwachung durch Barbie-Puppen.

In diesen Tagen fragt sich nicht nur Paris und Europa, wie man jemals wieder zur alltäglichen Normalität zurückkehren kann. Auch Schmickler macht sich seine Gedanken. Doch was heißt schon Normalität? Wenn die Musik der "Sirene des Grauens" alias Beatrice Egli, die Geissens im TV und "selbst ernannte Deutschlandreiniger", die allmontäglich durch die Straßen ziehen, als normal gesehen werden, dann kann man auf Normalität wohl verzichten.

Schmickler avancierte während des zweistündigen Programms zum Ein-Mann-Megafon gegen Kleingeisterei, Konsumgesellschaft und dem "Fachkräftemangel in der Bundesregierung". Ganz zu schweigen vom Wiederaufblühen der FDP und den "kleinmütigen Jammerlappen" der SPD. Ein Rundumschlag.

Wie es sich für einen der größten deutschen Kabarettisten gehört, ließ Schmickler die großen Themen nicht außen vor. Gehört der Islam zu Deutschland? Ja, würde man von der Kanzlerin hören. Nein, würde man wohl von den Pegidisten hören. Schmickler fragt sich da eher: Gehört auch Köttbullar zu Deutschland? Muss man nun eine Köttbullarisierung des Abendlandes fürchten? - frei nach dem Motto: "Nieder mit dem Köttbullar!"

Schmickler versteht sich darauf, dumpfe Ansichten als eben diese zu entlarven, wobei er des Öfteren bewusst polemisch über die Stränge schlägt.

Mal singend, mal aus dem "Tagebuch eines Gradwanderers" rezitierend, mal laut, aber immer scharfsinnig, erörterte er die wichtigen Fragen der Gegenwart. "Der Mensch von heute lebt nicht mehr. Er hechelt. Und er hechelt hinterher." Aus sinnsuchenden Individuen sind Wesen geworden, die "Stimulation durch Simulation" erleben, deren größtes Problem die Versandzeit für die online bestellte Unterhose ist, die nach einmaligem Tragen sowieso wieder zurückgeschickt wird. Wilfried Schmickler schaffte es, die Bühne der Kathrin-Türks-Halle für sich einzunehmen. Das Publikum hinterließ er belustigt, nachdenklich und vielleicht - und das war sicherlich die Absicht Schmicklers - ein wenig aufgeklärter als es das zwei Stunden zuvor gewesen war.

Ein Hoch auf den "Werks-Kabarettisten" Schmickler. Es wäre wirklich das Letzte, sollte er sich nicht mehr in Dinslaken blicken lassen!

Quelle: RP
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