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Dinslaken
Neue Idee: Kreisverkehr für alle

Dinslaken. Verkehrsexperte Dr.-Ing. Frank Weiser plant Ungewöhnliches an der Augustastraße. Lastwagen, Autos und Radfahrer teilen sich die Fahrbahn. Das stößt auf Kritik. Doch Weiser sieht darin einen Fortschritt in Sachen Sicherheit.

Manche Menschen teilen einfach nicht gerne. Doch manchmal bleibt ihnen nichts anderes übrig - demnächst auf der Augustastraße. Wenn die Sanierungspläne zwischen Katharinenstraße und der Straße Zum Fischerbusch umgesetzt werden, gibt es dort bald einen neuen Kreisverkehr, den sich bei der Durchfahrt Autos, Lkw und Radfahrer teilen sollen. Wie auch ein gutes Stück der Augustastraße. In beide Richtungen werden auf der Fahrbahn Radwege markiert: unterbrochene Linien, dazu Piktogramme. Hier müssen alle Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen.

Als die Pläne im Rathaus vorgestellt wurden, zogen Anwesende in Zweifel, dass so etwas im Straßenverkehr funktionieren kann. Insbesondere, dass die Radfahrer vor dem Kreisverkehr auf die Straße geführt werden und sich in den Verkehr eingliedern sollen, sorgte für Kritik. Dies sei gefährlich, hieß es. Dr.-Ing. Frank Weiser ist allerdings überzeugt von dieser Lösung.

In seinem Büro auf dem Gelände der Ruhr-Universität Bochum rollt er eine Karte aus, um die - noch nicht beschlossenen - Maßnahmen im Bereich der Augustastraße veranschaulich zu können. "Befürchtungen wie die der Dinslakener hören wir oft", erzählt Weiser. Aus seiner Erfahrung heraus seien sie unbegründet. Die Verkehrsplaner der Brilon Bondzio Weiser GmbH, die im Auftrag der Stadt Dinslaken das Konzept zur Umgestaltung der Augustastraße erstellt haben, übernahmen Planungsarbeiten für zahlreiche Städte in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus, erstellten beispielsweise das Verkehrskonzept der "Arena Auf Schalke".

An den heute in Deutschland geltenden Richtlinien für Kreisverkehre haben zwei von Weisers Kollegen im Büro mitgearbeitet. Diese Richtlinien sowie Empfehlungen der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen liegen den Plänen für die Augustastraße zugrunde. "Das ist eine klare Sache", sagt Weiser. "Es gibt andere Projekte, wo man dazwischenhängt", räumt er ein und zeigt ein Kurvendiagramm, an dem man abhängig von Geschwindigkeit und Fahrzeugzahl empfohlene Verkehrsführungen ablesen kann. Die Werte für die Augustastraße seien aber eindeutig. Und so kommt Weiser zur Radspur auf der Fahrbahn. Die der Augustastraße ist 7,50 Meter breit. Fünf davon werden den motorisierten Verkehrsteilnehmern zugeschlagen, zwei jeweils 1,25 Meter breite sogenannte Schutzstreifen bleiben den Radfahrern. Aber welchen Schutz kann eine Markierung auf der Straße bieten?

"Unfälle mit Radfahrern passieren nicht einfach auf der Strecke", erklärt Weiser. "Wenn ich als Autofahrer die ganze Zeit eine gestrichelte Linie und Piktogramme neben mir sehe, dann bin ich nicht überrascht, wenn tatsächlich ein Radfahrer auftaucht. Gefährlich wird es, wenn Radfahrer hinter parkenden Autos, hinter Bepflanzungen parallel zu mir fahren. Wenn ich dann abbiege, könnte ich sie leicht übersehen." Vielerorts habe man bereits die für Dinslaken geplante Lösung umgesetzt. Zu gefährlichen Lösungen, führt Weiser weiter aus, könne es auch kommen, wenn Radfahrer einen ausgebauten Radweg auf der falschen Straßenseite benutzen würden. Um demnächst aber eine Spur auf der gemischten Fahrbahn falsch zu benutzen, dafür bräuchten Radler "schon ein dickes Fell". Um Autofahrer in einem Kreisverkehr dazu anzuleiten, Radfahrer nicht zu überholen, haben sich die Verkehrsplaner ebenfalls Lösungen überlegt. "Der Kreisverkehr ist die sicherste Knotenform, die man sich vorstellen kann", betont Weiser. Auf Schutzstreifen, also solche wie auf der Augustastraße, müsse man in Kreisverkehren unbedingt verzichten. "Weil es dort Konfliktpunkte gibt: beim Einfahren und beim Ausfahren." Würde sich Radfahrer im Kreisverkehr am äußeren Rand bewegen, könnten Autos innen vorbeiziehen, dann aber beim Ausfahren mit dem Radler kollidieren. Fährt der Fahrradfahrer in der Mitte der Spur, wird er nicht überholt.

(za)
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