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Voerde
Neues Bad an der Allee stößt auf Kritik

Voerde. SPD Fraktion sieht in einem Kombibad einen Fortschritt, der die Stadt am Ende finanziell entlasten würde. CDU hält den Zeitpunkt für schlecht gewählt. WGV fürchtet eine Benachteiligung Friedrichsfelds. Von Petra Keßler

Der Vorschlag der SPD, an der Allee in Voerde-Mitte ein Kombibad zu bauen und das Hallenbad in Friedrichsfeld aufzugeben, trifft bei den anderen Fraktionen teils auf große Vorbehalte. Eine zentrale Frage bei den Kritikern ist die Suche nach einem Investor für ein solches Projekt. Bislang sei keiner gefunden worden, konstatierte CDU-Fraktionschef Georg Schneider in der Sitzung des Stadtrates vor vier Wochen. Der SPD wirft er vor, Träume zu verbreiten. Nach dem gültigen Stadtratsbeschluss soll das Hallenbad in Friedrichsfeld saniert, um ein Außenbecken erweitert und das Saunaangebot aufgewertet werden. Zugleich soll das Freibad so lange betrieben werden, wie dies mit "Bordmitteln möglich ist", Investitionen dagegen soll die Stadt nicht tätigen.

Die WGV sieht in der Idee der SPD-Fraktion eine Benachteiligung des Stadtteils Friedrichsfeld. Fraktionschef Christian Garden lässt das Argument der umliegenden Schulen pro Standort Voerde-Mitte nicht gelten und verweist auf die Raumüberhänge am Gymnasium. Dort könne später die Oberstufe der noch im Aufbau befindlichen städtischen Gesamtschule angesiedelt werden. Für Garden spricht alles für eine Kooperation zwischen den beiden Schulen - was für ihn ein Argument pro Bäderkonzentration in Friedrichsfeld wäre. Außerdem argumentiert er, dass das Hallenbad noch seinen Wert habe. Garden schätzt diesen auf 1,2 bis 1,5 Millionen Euro - ohne das Blockheizkraftwerk. Er fragt sich, ob das Hallenbad einfach abgerissen werden soll, ihm fehlt ein Konzept zur Nachnutzung wie auch zum Bedarf.

Wie Garden hält auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Schneider zudem den Zeitpunkt des Vorschlags für den Bau eines neuen Kombibades für ganz schlecht gewählt. "Das Planungsamt hat genug zu tun", betont der Christdemokrat. Garden bekräftigt: In Voerde gebe es momentan genügend große Baustellen.

Mit Blick auf Gardens Einwand stellt sich für den stellvertretenden SPD-Fraktionschef Bastian Lemm die Frage, wie hoch das Anlagevermögen des Hallenbades noch aktuell ist. Und: "Wann ist denn ein Hallenbad null Euro wert?" Kämmerin Simone Kaspar nannte den Wert, mit dem die Liegenschaft in der Eröffnungsbilanz zum Neuen Kommunalen Finanzmanagement (mit Stichtag 1. Januar 2008) aufgeführt ist: 770. 000 Euro. Dieser Bilanzwert entspreche jedoch nicht unbedingt dem Marktwert, betonte Kaspar. Irgendwelche Rückschlüsse daraus zu ziehen, sei noch nicht zulässig. Das Thema müsse seitens der Verwaltung zunächst fundiert aufbereitet werden.

WGV-Fraktionschef Garden bezeichnet den Bilanzwert als "nicht" realistisch, der Marktwert des Hallenbades sei entscheidend. Um ein neues gleichwertiges Bad zu bauen, müsse die Stadt ein Vielfaches mehr an Geld investieren. Zudem argumentiert Garden mit dem Aspekt der Förderfähigkeit: "Der Bund fördert Sanierungen, nicht Neubauten." Auch verweist er auf den "höheren Grundstückswert" an der Allee, der mit berücksichtigt werden müsse.

Was die Bäderkonzentration auf den Standort an der Allee in Voerde-Mitte betrifft, argumentieren die Sozialdemokraten auch mit der aus ihrer Sicht höheren Attraktivität des Freibadgeländes. Dass sie die Debatte um die Bäderlandschaft zu diesem Zeitpunkt neu entfacht haben, begründet Lemm damit, das Thema "nicht auf x Jahre" nach hinten verschoben sehen zu wollen. In dem Neubau eines Kombibades sehe die SPD einen Fortschritt, der die Stadt am Ende finanziell entlasten würde. Lemm führt den "deutlich geringeren Unterhaltungsaufwand" an. Grundsätzlich begrüßt wird der SPD-Vorstoß von den Grünen. Der Betrieb des Hallenbades und des Freibades laufe derzeit unter der Prämisse, dass nichts schief geht, erklärt Fraktionssprecher Stefan Meiners. "Aus der Situation müssen wir 'raus." Auch seine Fraktion sieht am heutigen Freibadstandort ein attraktiveres Umfeld für ein Kombibad.

Meiners ist überzeugt, dass es eine einvernehmliche Lösung geben wird. Nicht nur seiner Meinung nach bedarf es in der Bäderfrage einer großen Mehrheit im Stadtrat. Das sieht auch die SPD so, wie Fraktionsvize Lemm betont. Ansonsten, befürchtet sein Kollege Meiners, droht ein Jahre langer Stillstand wie beim Projekt Sportplatzverlagerung in den Babcockwald. Auch argumentiert der Grünen-Fraktionssprecher mit der Signalwirkung, die der Stadtratsbeschluss in Richtung eines potenziellen Investors hat. Da sei eine breite Mehrheit wichtig.

Quelle: RP
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