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Dinslaken
Neues Lungen-Verfahren am Hospital

Dinslaken: Neues Lungen-Verfahren am Hospital
Auf der Intensivstation des Marien-Hospitals haben Chefarzt Marc Achilles (links) und Stationsleiter Simon Körner den ersten Einsatz eines neuen Lungen-Verfahrens eng überwacht. FOTO: Lisa Quick
Dinslaken. Eine 51-jährige Patientin überlebt schweres Versagen der Lunge dank moderner Dialyse auf der Intensivstation. Von Fritz Schubert

Es sah nicht gut aus für die Frau, die Anfang Februar keine Luft mehr bekam. ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome) hatte der Notarzt festgestellt. Lungenversagen. Im Marien-Hospital Wesel handelten die Verantwortlichen schnell und vor allen Dingen erfolgreich. Noch keine zwei Wochen später war die 51-Jährige jetzt über den Berg. Sie wird zwar noch eine ganze Weile im Krankenhaus bleiben und lernen müssen, mit ihren Beschwerden umzugehen. Aber sie hat überlebt. Zu verdanken hat die Patientin dies einem modernen Dialyse-Verfahren. Es war das erste Mal, dass die Mannschaft der Intensivstation es an anwenden konnte.

Das Verfahren mit der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) wird seit rund 25 Jahren in der Intensivmedizin genutzt. In erster Linie sind es Universitätskliniken, die über die nötigen Voraussetzungen verfügen, mit dieser Dialyse Kohlendoxid aus dem Blut herauszuziehen. Seit den umfangreichen baulichen und technischen Veränderungen im Marien-Hospital, zu denen auch der Neubau der Intensivstation gehörte, setzt das Marien-Hospital mit der extrakorporalen CO2-Elimination, kurz ECCO, diese ECMO-Sonderform ein.

Laut Marc Achilles (45), Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, ist das Hospital in den Kreisen Wesel und Kleve das einzige Haus mit diesem Angebot. Denn nötig seien neben der Apparatur eine spezielle Rund-um-die-Uhr-Betreuung auf der Intensivstation und genügend Fachpersonal an Ärzten und Pflegern. Achilles und sein Team haben Erfahrung mit ECCO und ARDS, der Chefarzt selbst vor allem aus seiner Zeit am Uniklinikum Essen. Zudem seien die Geräte heute ausgereift und klein sowie mit einer leichten Umrüstung an den bekannten Apparaten zur Nieren-Dialyse zu verwenden. Achilles: "Die Kunst ist es, den richtigen Patienten mit der richtigen Indikation zum richtigen Zeitpunkt anzuschließen."

Im Fall der geretteten Patientin ist dies im Zusammenspiel mit Frank Melkus (45), Oberarzt der Pneumologie, offensichtlich gelungen. Nicht jeder Lungenkranke ist für das ECCO-Verfahren geeignet. Chefarzt Marc Achilles schätzt, dass pro Jahr etwa fünf bis sieben Betroffene am Weseler Marien-Hospital dafür geeignet sind. Hauptsächlich in der Grippe-Saison. Also genau jetzt. Melkus berichtet, dass derzeit täglich zwei bis drei Menschen mit Lungenbeschwerden ins Haus kommen.

Die Art der Behandlung ist verschieden. Sie hängt von Vorerkrankungen, genetischen Besonderheiten und weiteren Faktoren ab. Entscheidend für das Überleben der 51-Jährigen war laut Marc Achilles das volle Programm: Mit Medikamenten wurde nicht nur früh gegen das Virus H1N1 (Schweinegrippe) vorgegangen, sondern auch gegen Pilze und Bakterien.

Lange, so Achilles, habe man in der medizinischen Fachwelt zum Beispiel gerätselt, warum ein 18-Jähriger plötzlich an Schimmelpilz stirbt. "Wir wissen aus der Pandemie von 2009, dass Schweinegrippe starke Immundefekte verursacht", sagt Achilles. Da die Viren sich Jahr für Jahr verändern, bleibt die Anfälligkeit gegeben. Die Erforschung der patientenbezogenen individuellen Zusammenhänge dauere an, wie auch die Grippe überhaupt die Mediziner noch 20 Jahre beschäftigen werde, sagt der Fachmann. In der zweiten Februar-Woche wurden deutschlandweit übrigens rund 16.000 Fälle von Influenza im Labor diagnostiziert.

Quelle: RP
 
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