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Dinslaken
Organisationstalent mit Hut und Gitarre

Dinslaken: Organisationstalent mit Hut und Gitarre
Auch in der Neutor-Galerie macht Cesare Siglarski einmal in der Woche Musik. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Der 27-jährige Cesare Siglarski ist in Dinslaken und Umgebung nicht nur als (Straßen-)Musiker unterwegs, sondern startet an unterschiedlichen Orten immer wieder neue Konzerte und Veranstaltungsreihen. Von Florian Langhoff

Wenn man bei gutem Wetter durch die Dinslakener Innenstadt läuft, hat man gute Chancen, Cesare Siglarski zu begegnen. Mit Hut auf dem Kopf und Gitarre in der Hand steht der 27-Jährige meistens in der Nähe der Neutor-Galerie und spielt, alleine oder mit einem Mitmusiker, seine Stücke. "Ich möchte nicht aufdringlich sein. Ich stelle mich einfach irgendwo hin, spiele ein paar Lieder und freue mich, wenn ich Menschen damit begeistern kann", sagt er über sein Hobby.

Musik machen auf der Straße. Das klingt für viele Menschen eher nach einer Beschäftigung für wenig talentierte Instrumentalisten, die damit ein wenig Geld verdienen möchten. "Manche Menschen haben auch das Vorurteil, dass Straßenmusiker eher Penner sind. Das verstehe ich überhaupt nicht", sagt Cesare Siglarski. Denn unter den Straßenmusikern ließen sich durchaus einige Perlen entdecken. So startete der bekannte Singer und Songwriter Ed Sheeran seine Karriere als Straßenmusiker.

Cesare Siglarski kam eher über Umwege zur Straßenmusik. Er startete mit klassischem Gitarrenunterricht, entschied sich dann aber doch eher für Band und E-Gitarre. Ein Projekt, das nicht ganz so lief wie ursprünglich geplant. "Da habe ich beschlossen, wieder zur Akustikgitarre zu greifen und selbst zu singen", erklärt der 27-Jährige, der an der Universität Duisburg-Essen Englisch und Sozialwissenschaften auf Lehramt studiert.

Seinen ersten Auftritt absolvierte er beim Late-Night-Shopping in Dinslaken vor dem Geschäft Kir Royal. "Die Menschen fanden gut, was ich gemacht habe, und das hat mich dazu motiviert, weiter am Ball zu bleiben", berichtet er. Und so macht er seitdem Musik auf der Straße, auf Bühnen und spielt auch auf gern auf Hochzeiten oder Geburtstagen.

Allerdings muss er nicht unbedingt auf der Bühne stehen. Er organisiert auch gerne Konzerte und Veranstaltungen. Und das nicht zu knapp. "In Dinslaken waren zu meiner Jugendzeit die Konzerte im ND-Jugendzentrum immer recht angesagt", erzählt er. "Außerdem war ich inspiriert von Irish Pubs, in denen es ja eigentlich immer Musik gibt. Ich dachte mir, es wäre schön, so etwas auch in Dinslaken zu haben", erklärt der 27-Jährige seinen Einstieg in die Welt der Veranstaltungsorganisation. Die begann mit der Open Stage im Hubert's, die Cesare Siglarski gemeinsam mit Tim Mithöfer vom Team der Jugendkneipe ins Leben rief. Junge Talenten eine Plattform für Auftritte verschaffen - das kam bei den jungen Menschen in der Stadt gut an. "Wenn es wirklich voll wurde, hatten wir gut 300 Besucher vor Ort", erzählt Cesare Siglarski. Weiter ging es mit den Akustik-Abenden im Ulcus (heute Der Club). "Ich habe nachgefragt, ob ich dort nicht mal spielen könnte", erzählt Siglarski. Nach Weihnachtskonzerten startete dort eine monatliche Konzertreihe mit Singern und Songwritern aus Dinslaken und Gästen aus der Umgebung.

Als Nächstes sprach ihn Thomas "Rutte" Ruttkowski von der Szenekneipe Congaz an. In der Musikkneipe sollte es auch mal wieder eine regelmäßig stattfindende Plattform geben und so wurde die Reihe Congakustik geboren. Seit dem vergangenen Sommer kommt noch die Acoustic-Lounge am Strandbad Tenderingssee dazu. "Ich kenne die Betreiber ganz gut und wir dachten uns, wir probieren dort mal etwas aus", berichtet Cesare Siglarski. Und so stellte er sich mit kleinem Verstärker vor die Strandkulisse. "Wir waren echt überrascht, dass auf einmal mehrere Hundert Gäste kamen." Auch diese Konzertreihe läuft bis heute erfolgreich weiter.

Neuerdings spielt Cesare Siglarski auch einmal wöchentlich in der Neutor-Galerie. Während er neben dem Einkaufszentrum spielte, wurde er vom Management der Galerie angesprochen, ob er sich nicht eine Konzertreihe vorstellen könnte, nachdem er schon einige Male beim Piano-Abend in der Weinbar als Ersatzmusiker eingesprungen war. Nun tritt er regelmäßig mit dem Flamenco-Gitarristen Mohamad Habal dort auf.

Ansonsten bemüht sich Cesare Siglarski auch, lokale Bands zu fördern. "Ich habe ein Netzwerk aus Musikern, die ich auch gerne weiterempfehle", sagt der 27-Jährige. So verhalft er Bands mit lokaler Beteiligung wie The McDonaghoughs, MasterMove und Ungekämmt zu Auftritten und tritt selbst gerne mit Sängerin Jasmin Frickel auf.

Und zwischendurch begleitet er auch noch Rezitator Werner Seuken durch ganz eigene Programme, bei denen es neben ausgewählten Texten ebenso ausgewählte Gitarrenstücke zu hören gibt.

"Das geht von Klassik bis zu Eigenkompositionen, aber immer auf das Thema der Lesung abgestimmt", sagt Cesare Siglarski. Trotz der Terminvielfalt wirkt der Tausendsassa immer entspannt. "Ich mache eben, was mir Spaß macht", sagt der 27-Jährige.

Quelle: RP
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