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Dinslaken
Papierhersteller in Walsum droht das Aus

Dinslaken: Papierhersteller in Walsum droht das Aus
Stop: Dem traditionsreichen Walsumer Unternehmen Norske Skog (früher Haindl) droht die Schließung. FOTO: Christoph Reichwein
Dinslaken. Der norwegische Papierhersteller Norske Skog beantragt Insolvenz für das Werk in Walsum. 291 Mitarbeiter sind davon betroffen. Schon 2013 hatte das Unternehmen wegen sinkender Auftragslage eine Anlage schließen müssen. Von Cornelia Brandt und Oliver Schmeer

291 Mitarbeiter des Papierherstellers Norske Skog in Walsum müssen um ihre Arbeitsplätze bangen. Das norwegische Unternehmen hat gestern den Beschluss gefasst, seine Produktionsstätte in Walsum nicht weiter fortzuführen. Aufgrund dieser Entscheidung hat die Walsumer Geschäftsleitung den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens am Duisburger Amtsgericht gestellt. Dieser Antrag musste wegen der Überschuldung der Norske Skog Walsum GmbH eingereicht werden. Im Werk Walsum werden so genannte gestrichene Papiere produziert, die hauptsächlich für hochwertige Magazine, für die Werbung und für Kataloge gebraucht werden.

Mit der Beantragung des Insolvenzverfahrens wird vom Amtsgericht Duisburg ein Insolvenzverwalter bestellt. Er wird das Unternehmen zunächst drei Monate fortführen. Zu seinen vorrangigen Aufgaben gehört in dieser Zeit, nach Lösungen für eine Fortführung des Werkes Walsum zu suchen.

Seit dem 1. Dezember 2001 gehört der Standort Walsum zum weltweit tätigen Papierkonzern Norske Skog. Seit mehr als 50 Jahren wird an diesem Standort Papier für Druckereien und Verlage in der ganzen Welt hergestellt. Doch die Papierindustrie ist schon länger einem gewaltigen Druck ausgesetzt. Schlechte Preise durch Überkapazitäten und hohe Kosten hatten bereits 2013 dazu geführt, dass eine der zwei Produktionsstraßen in Walsum geschlossen werden musste, um das Überleben des Werkes zu sichern. Damit war die Produktionsmenge auf rund 205 000 Jahrestonnen halbiert worden.

Die Nachfrage für Publikationspapiere ist in den vergangenen Jahren stark eingebrochen. Durch die zunehmende Digitalisierung wird immer weniger Papier gebraucht. Heute gibt es in Europa immer noch eine Überkapazität von 1,4 Millionen Tonnen Magazinpapier.

Im Laufe des Jahres 2015 habe das Werk Walsum das Ergebnis von Norske Skog mit einem negativen Cashflow von bis zu zehn Millionen Norwegischen Kronen pro Monat belastet, wie der Konzern jetzt mitteilte. Der Aufsichtsrat von Norske Skogindustrier ASA habe daher beschlossen, den Betrieb des Werkes Walsum einzustellen, um weitere Verluste des Konzerns zu verhindern. "In den letzten Jahren wurde eine Reihe von Verbesserungsmaßnahmen im Bereich Energie und Rohstoffe durchgeführt, außerdem wurde die Belegschaft deutlich reduziert und es wurden Maßnahmen ergriffen, um den Bedarf an Arbeitskapital zu reduzieren", sagt der Vorstandsvorsitzende Sven Ombudstvedt. Dennoch habe die Niederlassung in Walsum keine Wirtschaftlichkeit erreicht. Die Walsumer Geschäftsleitung und der Betriebsrat wollen nicht so schnell aufgeben. "Es gibt eine kleine Chance", sagen sowohl Werksleiter Flaten als auch der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Strauß. Am Montag gibt es eine Belegschaftsversammlung, an der auch der Insolvenzverwalter teilnehmen wird, den das Duisburger Amtsgericht bis dahin bestellen wird.

"Hier ist nichts geschlossen. Wir produzieren weiter", betont Strauß und ärgert sich über den falschen Zungenschlag in der Osloer Pressenachricht. Hoffnungen setzt das Walsumer Papierwerk auf die Suche nach einem Investor, der Geld in die Hand nehmen müsste, was der norwegische Konzern eben nicht mehr machen will.

Denn Schwachpunkt des Walsumer Standortes sind laut Werksleitung und Betriebsrat die fehlende eigene Dampfproduktion, die für die Papierherstellung nötig ist. Den Dampf liefert das benachbarte Steag-Kraftwerk und lässt sich das gut bezahlen. Dadurch sei die Produktion in Walsum nicht konkurrenzfähig. Mit einem eigenen Kesselhaus könne das Werk in einem Zeitraum von anderthalb Jahren wieder profitabel werden, glaubt der Betriebsratsvorsitzende. Rund zehn Millionen Euro müssten dafür investiert werden. Von den Plänen soll nun der Insolvenzverwalter überzeugt werden, der entscheidet, ob es Chancen gibt, das Werk fortzuführen.

Quelle: RP
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