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Reportage Am Montag
Pasta "Accattone" aus der Riesenpfanne

Reportage Am Montag: Pasta "Accattone" aus der Riesenpfanne
Dinslaken. Der portugiesische Showkoch Amaro glänzte am Samstag im spontan eingerichteten Restaurant in der Zentralwerkstatt der Zeche Lohberg durch Abwesenheit. Doch er schickte sein Team. Das bereitete Besuchern einen kulinarischen Hochgenuss. Von Michael Elsing

Auf den Star des Abends warteten die rund 200 Gäste vergeblich. Am Vortag hatte sich André Amaro kurz in der Zentralwerkstatt der ehemaligen Zeche Lohberg blicken lassen. Doch als am Samstagabend das temporäre, italienische Restaurant an diesem außergewöhnlichen Ort anlässlich der Aufführung von Pier Paolo Pasolinis "Accattone" im Rahmen der Ruhrtriennale geöffnet wurde, fehlte von dem portugiesischen Starkoch jede Spur.

Für die Besucher, die sich an diesem Abend einen Platz in diesem ungewöhnlichen Lokal gesichert hatten, war der Verzicht auf den Entertainer schlechthin unter den Köchen natürlich zunächst einmal eine Enttäuschung. Schließlich sucht die Art und Weise, wie Amaro das Kochen zelebriert, seinesgleichen. Dennoch mussten die Gäste ihr Kommen nicht bereuen. Denn das Team, das Amaro für das Event in Lohberg zusammengetrommelt hatte, gab sein Bestes, um das Publikum locker zu unterhalten und dabei noch kulinarisch zu verwöhnen.

Schon der erste Blick in die Halle ist eindrucksvoll. In der Mitte die große Kochinsel mit der riesigen Pfanne als Hingucker, Links und rechts flankiert von Tischen und Stühlen. Wer Wert auf Etikette legt, ist an diesem Abend jedoch falsch am Platz. Betonfußboden, auf dem hier und da auch mal etwas Sand liegt, der typische Geruch von alten Industriehallen, kein Tageslicht und das Restaurant-Mobiliar besteht aus Bierzelt-Garnituren. Und dennoch verströmt dieser Ort seinen eigenen Charme. An der Pfanne steht an diesem Abend der Niederländer Job Kroon. Ihm beim Zubereiten der Pasta zuzusehen, ist schon etwas Besonderes. Zum einen sind es die Mengen, die Kroon da verarbeitet, zum anderen aber auch die Art und Weise, wie er mit den Zutaten hantiert.

Die vorgekochten Spaghetti landen gleich eimerweise in der Pfanne, ehe er sie, mit schwarzen Handschuhen ausgestattet, mit den Händen verteilt. Mit einer riesigen Kelle, die sicherlich in keiner herkömmlichen Küche zu finden ist, verteilt er die Tomaten-Sauce. Die Prise Salz ist bei ihm gleich eine ganze Handvoll, der Spritzer Wein kommt flaschenweise dazu. Basilikum-Blätter fliegen scheinbar in wahlloser Anzahl in die Pfanne. Doch wie hat Job Kroon diese Mengen im Griff, so dass anschließend auch wirklich ein schmackhaftes Gericht dabei herauskommt? "Das ist alles eine Sache der Erfahrung. Job kocht schon sehr lange. Er weiß genau, welche Zutaten er in welchen Mengen hinzugeben muss", erzählt Daphne Kamp. Sie ist an diesem Abend für die Organisation des Events verantwortlich. Die Niederländerin arbeitet sehr häufig für und mit André Amaro, schätzt die großen, ungewöhnlichen Projekte des Portugiesen und auch den Enthusiasmus, mit dem die jeweilige Crew an diese Projekte herangeht. "Es herrscht immer eine besondere Atmosphäre. Und der Mix aus Kochen, Kunst, Musik und Entertainment gefällt mir", sagt Daphne Kamp.

Während sie den ersten potenziellen Gästen, die nicht reserviert haben, am Eingang eine Absage erteilen muss, weil sämtliche Plätze belegt sind, fuhrwerkt Job Kroon weiter in seiner Pasta herum. Hungern müssen die Gäste in dieser Zeit aber nicht. Denn Antipasta und Salate stehen bereit und sehen sehr sehr lecker aus. Bedient wird das Publikum von einem 15-köpfigen Team, das, entsprechend der Atmosphäre, in dunkle Overalls gekleidet ist. Die Beilagen werden in einer mobilen Küche zubereitet, die "immer mit dabei ist, wenn wir auf Festivals oder anderen Veranstaltungen kochen", erzählt Daphne Kamp.

Und dann ist es endlich so weit: Kaum hat Job Kroon die erste Portion Pasta auf einen Teller serviert und sie noch mit Parmesan und Kräutern garniert, bildet sich sofort eine Menschen-Schlange um die Koch-Insel. Und trotz der eher ungewöhnlichen Zubereitung ist es für keinen Gast wirklich eine Überraschung, dass die Spaghetti hervorragend schmecken.

Und Kroon? Der reißt sich, in ebenso großen Dimensionen wie zuvor bei den Zutaten, Papierhandtücher ab, um sich den Schweiß von Gesicht und Armen abzuwischen, ehe er sich erneut an die Pfanne begibt.

Weitere Berichte zum Auftakt der Ruhrtriennale auf Seite C 4

Quelle: RP
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