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Dinslaken
Pfarrer Rau gesteht sein Scheitern ein

Dinslaken. In seinem letzten Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Hiesfeld zog der Geistliche ein nüchternes Fazit. Er gab zu, dass es ihm nicht gelungen sei, die zerstrittenen Gruppen auf den gemeinsamen Weg zu bringen Von Ralf Kubbernuß

Pfarrer Christoph Rau, der in Hiesfeld seit Juni 2014 den Pastoralen Dienst im Übergang wahrgenommen und sich zur Aufgabe gemacht hatte, die zerstrittenen Gruppen in der Gemeinde auf einen gemeinsamen Weg zu bringen, hat die Gemeinde zum Monatsende planmäßig verlassen, sein Vertrag war ausgelaufen. In seinem letzten Gottesdienst zog der Pfarrer ernüchtert Fazit: "Ich stehe heute vor Ihnen als ein Mann, der an dieser Aufgabe gescheitert ist. Ich habe das Versprechen, das ich damals ihnen und mir gegeben habe, nicht gehalten", konstatierte der Pfarrer.

Grundlage seiner Predigt war der Artikel 7 des Augsburger Bekenntnisses von 1530 (siehe Box), eine Bekenntnisschrift, die für die Kirchen mit lutherischem Bekenntnis eine ähnliche Bedeutung hat wie für den Staat das Grundgesetz. "Da die Evangelische Kirchengemeinde Hiesfeld im Wesentlichen dem lutherischen Katechismus folgt, hat das Augsburger Bekenntnis eine hohe Verbindlichkeit für die Gestaltung des Gemeindelebens", erklärt Christoph Rau zum Hintergrund. Rau erklärte, dass eine Gemeindeleitung gar keinen Konflikt mit ihren Gemeindegliedern haben kann, da sie dafür in ihr Amt gewählt worden sei, mit ihrem Handeln Vertrauen unter den Gemeindegliedern zu erzeugen.

Der Streit in der Hiesfelder Gemeinde war darüber öffentlich geworden, dass die damalige Gemeindeleitung vor einigen Jahren Pfarrer Joachim Pannes die Empfehlung zum Stellenwechsel ausgesprochen hatte. Der "Initiativkreis pro Pannes" geriet darüber in Streit mit der Gemeindeleitung. Aus dem Konflikt, der nie beigelegt wurde, sei mittlerweile eine handfeste Krise geworden, so Pfarrer Rau. In Konflikten gehe es immer um "Sachen", die sich prinzipiell lösen lassen, etwa um Meinungsverschiedenheiten. In Hiesfeld aber sei "nichts mehr lösbar", weil es längst nicht mehr um Sachen, sondern um Personen gehe.

Die tiefe Vertrauenskrise könne man nur überwinden, wenn man auf Basis der Liebe Gottes zu zutraulichen Gesprächen finde, als Personen und nicht als Teile von Initiativkreis oder Presbyterium. "Sehen wir nur auf die einzelnen Personen, die sich in der Kraft der einseitigen Liebe Gottes überwinden", so Rau, der der Gemeinde viel Glück bei der anstehenden, schweren Aufgabe wünschte.

Quelle: RP
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