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Voerde
Politik für Erhalt der Polizeiwache Voerde

Voerde: Politik für Erhalt der Polizeiwache Voerde
Die Überlegungen, die Polizeiwache an der Frankfurter Straße nachts unbesetzt zu lassen, stoßen auf viel Kritik. Dies, so fürchten viele Bürger, könnte der erste Schritt zu einer völligen Schließung sein. FOTO: Martin Büttner
Voerde. Erste Überlegungen des Landrats, die Station an der Frankfurter Straße nachts zu schließen, stoßen auf erhebliche Kritik. Für Christian Garden von der WGV ist schon die aktuelle personelle Ausstattung nicht hinnehmbar. Von Heinz Schild

Eine böse Überraschung erlebte ein Voerder Ehepaar, zwei über 80-jährige Senioren, die ein Haus an der Hindenburgstraße bewohnen, in der Adventszeit. Denn als sie damals spät abends von einer Chorprobe nach Hausen kamen, stellten sie erschüttert fest, dass bei ihnen eingebrochen worden war. Umgehend informierte das Ehepaar die Polizei. Die Voerder Beamten sind nach Aussage des Seniors sofort gekommen, haben den Fall aufgenommen und sich "vorbildlich" um die beiden Opfer gekümmert. "Ein Segen, dass die Wache auch in der Nacht besetzt war", sagte der Senior, für den eine ortsnah zu erreichende Polizei ganz wichtig ist, gestern der RP.

Möglicherweise könnte die Situation in absehbarer Zeit ganz anders aussehen. Es gibt Gedankenspiele von Landrat Dr. Ansgar Müller als Chef der Kreispolizei Wesel, die Polizeiwache in Voerde nachts künftig unbesetzt zu lassen. Angestrebtes Ziel soll ein optimierter Personaleinsatz sein. Während bislang keine Änderungen bei der Früh- und Mittagsschicht angedacht sind, wird allerdings überlegt, den einzigen Beamten, der gegenwärtig noch abends in der Wache an der Frankfurter Straße die Stellung hält, künftig anders einzusetzen und ihn Streife fahren zu lassen.

Die Voerder Politik hält nichts von diesen Überlegungen. Sollte die Wache irgendwann abends nicht mehr besetzt sein, so wird schon jetzt befürchtet, dies könnte der erste Schritt zu ihrer späteren Schließung sein. Dagegen macht die CDU Voerde bereits Front. Nach Ansicht des christdemokratischen Parteichefs Bernd Altmeppen würde bereits die nächtliche Schließung der Polizeiwache dazu führen, dass "das persönliche Sicherheitsempfinden der Voerder" negativ beeinflusst wird. Die CDU will deshalb in nächster Zeit eine Veranstaltung organisieren, in der es um diese Thematik geht, kündigte Altmeppen an.

Christian Garden von der WGV macht sich dafür stark, dass die Wache weiterhin im 24-Stunden-Betrieb besetzt ist, eine nächtliche Schließung hält er für inakzeptabel. Der Fraktionsvorsitzende der WGV sieht schon den gegenwärtigen Zustand, dass nachts nur ein Beamter in der Wache Dienst tut, als nicht hinnehmbar und untragbar an. Er fordert deshalb, dass grundsätzlich über die personelle Ausstattung der Polizei in Voerde gesprochen werden muss. Vom Landrat erwartet Garden, dass dieser den Voerder Bürgern und der Politik reinen Wein einschenkt, wie es um die Zukunft ihrer Polizeiwache bestellt ist. "Die neuen Überlegungen sind abzulehnen, schon der jetzige Zustand ist hoch kritikwürdig", stellt Garden fest und spricht von einer "Mangelsituation im Hinblick auf die personelle Präsenz der Polizei in Voerde". Garden fragt zudem nach den Reaktionszeiten der Polizei in Voerde. Denn während die Feuerwehr beispielsweise einen Einsatzort innerhalb einer bestimmten Zeit nach Alarmierung erreichen muss, gebe es eine solche gesetzliche Vorgabe für die Polizei nicht.

"Voerde braucht eine eigene Polizeiwache", hieß es gestern aus den Reihen der Grünen Die Polizeipräsenz vor Ort sei unabdingbar. Auch aktuelle Trends der Kriminalitätsentwicklung sprächen gegen eine zeitweise Schließung der Wache.

Nach einer Statistik des nordrhein-westfälischen Innenministeriums haben die Wohnungseinbruchdiebstähle im Kreis Wesel von 2010 bis 2014 um 18,4 Prozent zugenommen, die Fallzahl kletterte von 1104 auf 1307. Im ersten Halbjahr 2015 nahmen diese Delikte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 um 14,5 Prozent zu, wie die Statistik weiter ausweist. Die Aufklärungsquote betrug 2014 genau 15,3 Prozent. Im ersten Halbjahr 2015 lag sie bei 12,2 Prozent.

In der Bevölkerung existiert nach Ansicht von Joachim Kinder, Fraktionschef der Linken in Voerde, ein "gesteigertes Sicherheitsbedürfnis", und er erinnert an die Anschläge von Paris und Istanbul sowie an die Vorkommnisse in Köln. Eine zeitweise oder komplette Schließung der Wache sieht er als das völlig falsche Zeichen an und bewertet dies als "einen massiven Eingriff in die Daseinsvorsorge für die Bevölkerung".

Wer die Voerder Wache nachts schließe, nehme den Menschen vor Ort ein Stück Sicherheit.

"Die Sache ist fast vom Tisch", glaubt SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe Goemann,. Für ihn muss die Sicherheit in Voerde weiterhin gewährleistet sein. Als ein positives Zeichen sieht er es an, dass es in Voerde weniger Kriminalität als andernorts gibt und deshalb Überlegungen aufkommen konnten, die Öffnungszeiten der Wache zu verändern.

Der Sozialdemokrat glaubt nicht, dass die Wache geschlossen wird und ist überzeugt, dass es auch weiterhin eine Anlaufstation der Polizei für die Voerder geben wird.

Quelle: RP
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