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Terrorverdacht in Dinslaken
Polizei nimmt Syrer fest

Terrorverdacht in Dinslaken: Polizei nimmt Syrer fest
In diesem Haus wohnte der gestern festgenommene Syrer. FOTO: Schild
Dinslaken. Im Zusammenhang mit der Festnahme eines Terrorverdächtigen in Mutterstadt am Freitag hat die Polizei gestern in der Dinslakener Fliehburg einen weiteren Mann festgesetzt. Er soll Gräueltaten in Syrien begangen haben. Von Heinz Schild und Jörg Werner

Der Einsatz begann um 7.45 Uhr. Die Polizei rückte an der Fliehburg an und nahm einen 26-jährigen Syrer fest. Außerdem durchsuchte sie im Dinslakener Flüchtlingsheim das Haus, in dem der 24-jährige Khaled H. gewohnt hatte. Den hatte ein Sondereinsatzkommando bereits am Freitag im rheinland-pfälzischen Mutterstadt festgenommen. Er wird verdächtigt einen islamistisch-motivierten Anschlag geplant zu haben und sitzt zurzeit in Duisburg in Untersuchungshaft. Khaled H. und der gestern Festgenommene waren im Februar aus Syrien gekommen und in der Fliehburg untergekommen. Khaled H. war dann nach Muttterstadt gegangen, weil er in Mannheim ein Mädchen kennen gelernt hatte, das dort wohnte, blieb aber in Dinslaken gemeldet. Wie es hieß, ist er dort verhaftet worden, als er die Verlobung mit der 15-Jährigen feiern wollte.

Die Duisburger Staatsanwaltschaft bestätigte gestern die Festnahme in der Fliehburg, die im Zusammenhang mit Khaled H. erfolgt sei, wollte sich aber mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht weiter äußern. Auch Landesinnenmister Ralf Jäger sagte gestern in einer Pressekonferenz, dass es in Dinslaken eine Verhaftung gegeben habe. Laut Jäger haben die beiden Syrer aber keine aktuellen, konkreten Anschlagspläne verfolgt. Der gestern Festgenommene stehe im Verdacht, in Syrien für Gräueltaten verantwortlich zu sein. Auch von Khaled H. wird berichtet, dass er in Syrien Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) war.

Razzia in Düsseldorf-Oberbilk

Der Einsatz in Dinslaken ging nahezu geräuschlos vonstatten. Während die Polizei das Haus durchsuchte und Zeugen befragte, standen Männer unterschiedlichen Alters vor den beiden Gebäuden im Bereich des Haupteingangs und warteten darauf, dass sie an die Reihe kamen und die von der Caritas, die die Unterkunft und die Betreuung der Flüchtlinge für die Stadt übernommen hat, und der Dinslakener Stadtverwaltung angebotenen alltäglichen Beratungen in Anspruch nehmen konnten. Aus geöffneten Fenstern der Wohnanlage waren fremdländische Stimmen zu hören. Die Bereiche zwischen den Häusern wirkten weitgehend menschenleer. Nur ab und an war jemand zu sehen. Auf einer Rasenfläche in der Nähe eines der fast 30 Häuser der Unterkunft, in der rund 700 Flüchtlinge und Asylbewerber leben, stand ein Ständer mit frisch gewaschener Wäsche zum Trocknen in der Sonne. Ein Junge kam aus einem Haus gelaufen, schwang sich auf sein kleines Fahrrad und drehte eine Runde. Auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches - mit Ausnahme der Polizeieinsatzwagen.

"Die Menschen haben sich an die Polizei gewöhnt und sprechen die Beamten auch von sich aus an, wenn sie ein Problem haben", berichtete Caritasdirektor Michael van Meerbeck und lobte die prinzipiell gute Zusammenarbeit zwischen der Polizei und seinem Verband. Polizeikräfte seien kein ungewöhnlicher Anblick in der Unterkunft - "nicht weil hier ständig etwas passiert, sondern weil die Polizei Präsenz zeigt". Das gebe auch den Bewohnern ein Gefühl der Sicherheit, wofür diese dankbar seien. Wie der Caritasdirektor lobte auch die Stadt gestern den besonnenen Einsatz der Polizei.

Razzia gegen Islamisten in Düsseldorf FOTO: Gerhard Berger

Die beiden festgenommenen Männer aus Syrien beschrieb Caritas-Mitarbeiterin Barbara Tkotz, Leiterin der Fliehburg, als unauffällig. "Sie waren hier weder aggressiv, noch sind sie laut geworden." Der gestern festgenommene Fliehburgbewohner lebte dort mit seiner Frau zusammen - wobei offenbar nicht ganz klar ist, ob die beiden tatsächlich eine Ehepaar sind. Die Polizei vernahm auch die Frau, nahm sie aber nicht fest.

Aus Sicht der Stadt ist nach den Festnahmen für Dinslaken keine besondere Bedrohungslage zu verzeichnen. Dass sich unter den Flüchtlingen auch Sympathisanten oder Anhänger des IS befänden, sei, das zeigten die jüngsten Fälle aus anderen Städten, nie ganz auszuschließen, sagte Rathaussprecher Horst Dickhäuser der Rheinischen Post: "Wichtig ist, dass die Mitarbeiter der Caritas und die Bediensteten der Stadt, die ja auch häufig in der Fliehburg mit den Flüchtlingen zu tun haben, sensibilisiert und wachsam sind und auf Hinweise auf mögliche Radikalisierungsprozesse reagieren. Und das sind sie." Aufgabe der Stadt sei es in erster Linie die Flüchtlinge zu betreuen und für ein geordnetes ruhiges Zusammenleben zu sorgen. Dafür, dass von solchen Unterkünften keine Bedrohung ausgehe, sorgten die Sicherheitsbehörden. Caritasdirektor Michael van Meerbeck wertete den gestrigen Einsatz als Beleg dafür, dass die Zusammenarbeit mit diesen funktioniere und dass sie die Lage im Griff hätten.

Razzia gegen möglichen IS-Unterstützer in Duisburg FOTO: Rene Anhuth/ ANC-NEWS
Quelle: RP
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