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Dinslaken
Provinzler und Knallchargen

Dinslaken. Ein Cartoon in der Süddeutschen Zeitung hat Burghofbühnen-Intendant Thorsten Weckherlin aus der Reserve gelockt. Der ging das Thema mit viel Witz und Ironie an – und bekam aus München eine Antwort auf gleicher Ebene. Von Steffen Penzel

Dinslaken/München/Köln Die Kampfansage kam unter dem Stichwort „Hippenstocks Strategen“ im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung (SZ). Da hat Cartoonist Dirk Meissner in der Ausgabe 5./6. Juli eine Karikatur veröffentlicht, die Grundlage für einen heiteren „Konflikt“ zwischen Thorsten Weckherlin und der SZ-Redaktion ist. Abgebildet (siehe oben) ist ein Ehepaar an der Hotelrezeption. Der Rezeptionist begrüßt die Gäste mit den Worten: „In der ersten Woche teilen Sie Ihr Zimmer mit einem Ehepaar aus Dinslaken – ich denke, deshalb der Rabatt.“

Fotoshooting an der Bude

Darauf „mit Entsetzen“ aufmerksam geworden, fackelte der Burghofbühnen-Intendant nicht lange und schoss zurück. „Wir fühlen uns verletzt und diffamiert. Warum nicht Chemnitz, Wilhelmshaven oder Stralsund? Das kriegt ihr Weißwurst-Knallchargen wieder.“ Auf sich sitzen lassen wollte der gebürtige Hamburger Weckherlin den Affront gegen die Heimatstadt seines Theaters nicht, lud seine Leute prompt zum morgendlichen Bier-Fotoshooting am Kiosk und schickte das Ergebnis unter dem Motto „Im Westen nichts Neues“ in Richtung Süden. Gezeichnet: „Venceremos, Thorsten Weckherlin.

Antwort aus München

Dass die Sache auch in Bayerns Hauptstadt mit einer ordentlichen Portion Humor behandelt wird, zeigt die anschließende Reaktion von SZ-Wirtschaftschef Dr. Marc Beise. Dem tut, so schrieb er dem Intendanten, das Dinslakener Entsetzen aufrichtig leid. „Obwohl wir jetzt wieder was gelernt haben (fällt uns Weißwurst-Knallchargen ja nicht leicht): In Dinslaken ist man erstens leicht beleidigt und zweitens dauert es aber eine Weile, bis es soweit ist. Immerhin ist der Cartoon ja schon vom 5./6. Juli . . . Macht aber nix, wir nehmen die Kritik trotzdem ernst.“ Er selber würde alles daran setzen, Dinslaken mal einen Besuch abzustatten. Man könnte sich doch am besten auf ein Bierchen am Büdchen treffen. Beise mit feiner Ironie: „Wo könnte man denn mal von München aus hin wollen, um über Dinslaken zu kommen . . . ?“ Auch an den Cartoonisten werde man die Beschwerden aus der Provinz gerne weiterleiten. „Wobei für den als Kölner Jeck der Weißwurstbezug eine echte Strafe wäre.“ Meissner werde sich sicher melden und Satisfaktion anbieten. Zum Abschluss drängt es Beise dann noch in Richtung Versöhnung. „Versprochen, das nächste Mal kommt Chemnitz dran.“

Verfechter des Niederrheins

Mit einem breiten Grinsen beobachtete derweil Cartoonist Dirk Meissner aus der Domstadt das Scharmützel der Knallchargen und Provinzler. „Toll, dass es so eine Reaktion gegeben hat. Hätte ich mich im Cartoon für Köln oder Düsseldorf entschieden, wäre das bestimmt nicht passiert.“ Etwas Böses hat der gebürtige Aachener den Dinslakenern im Übrigen nie gewollt. „Ich bin ein bekennender Liebhaber des Niederrheins und einer meiner besten Freunde kommt aus Dinslaken. Jemanden zu diffamieren, liegt mir ganz fern.“ Vielmehr hätte er „lyrische Argumente“ in den Vordergrund gestellt. „Das -laken im Stadtnamen passt so hervorragend zu Bettlaken.“

High Noon

Für Thorsten Weckherlin ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Seine Antwort auf die Ankündigung von Marc Beise, Dinslaken ansteuern zu wollen: „Okay, 12 Uhr an der Bude. Kommen Sie alleine!“

Quelle: RP
 
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