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Dinslaken/Wesel
Prozess Dagmar E.: Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafen

Dinslaken/Wesel. Nach 13 Verhandlungstagen um den Tod der Dinslakenerin Dagmar E. hat das Duisburger Landgericht gestern die Beweisaufnahme abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft hat langjährige Haftstrafen für alle vier Angeklagten beantragt.

Die Verteidigung kam zu einem völlig anderen Ergebnis. Nach ihrer Vorstellung sollen drei der Angeklagten freigesprochen werden, die Verteidiger des vierten stellten keinen konkreten Antrag. Das Urteil soll heute Mittag gesprochen werden.

Der Vorwurf des Mordes hat sich für die Anklage nicht. Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen von gemeinschaftlichem Totschlag aus. Alle vier Männer seien an dem Tod der Frau beteiligt gewesen, sowohl der Sohn des Opfers als auch seine Freunde, drei Brüder. Einer von ihnen, ein Kioskbetreiber aus Wesel, soll die Mitangeklagten angestiftet haben, die 58-Jährige zu töten, weil die 6000 Euro von zurückgefordert hatte, die sie ihm geliehen hatte. Er soll nach Willen der Staatsanwaltschaft für zehn Jahren und sechs Monaten hinter Gitter. Sowohl er als auch Alexander E. müssen sich als Erwachsene verantworten. Für den Sohn des Opfers hält die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren für angemessen. Die zwei weiteren mutmaßlichen Täter waren zur Tatzeit 17 und 19 Jahre alt. Sie seien zu einer Jugendstrafe von jeweils acht Jahren und neun Monaten zu verurteilen. Die Angeklagten haben sich während der langen Beweisaufnahme gegenseitig belastet. Lediglich der 21-Jährige schwieg. Alexander E. hatte angegeben, zwei der Brüder hätten seine Mutter getötet, während er schockiert daneben saß. Dies hätten sie zuvor angekündigt. Er habe es aber nicht ernst genommen. Der zur Tatzeit 17-Jährige dagegen gab an, dass der Sohn seine eigene Mutter in einem Nebenraum tötete und sein Bruder und er lediglich geholfen hätten, die Leiche abzutransportieren und im Hünxer Wald zu vergraben. Im Fall der getöteten Dagmar E. aus Dinslaken wurde lange ermittelt. Im Oktober 2014 war die Frau von ihrem Sohn als vermisst gemeldet worden. In der Wohnung der 58-Jährigen hatte es keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gegeben. Die Ermittler kontrollierten unter anderem E-Mail-Konten und überprüften Telefondaten. Die Befragung des Bekanntenkreises sei sehr zeitintensiv aber nicht erfolgreich gewesen, hatte ein Kriminalbeamte ausgesagt.

Rund drei Monate später hatte sich dann eine Freundin von Dagmar E. gemeldet und von dem Ärger um ein nicht zurückbezahltes Darlehen berichtet. Das brachte die Ermittler auf die entscheidende Fährte.

(BL)
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