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RP-Sommerinterview Markus Gehling
Reden wir doch mal über Bienen

RP-Sommerinterview Markus Gehling: Reden wir doch mal über Bienen
Markus Gehling ist begeisterter Hobby-Imker. Gegenwärtig hat der Voerder sieben Bienenvölker. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. In unseren Sommerinterviews sprechen wir mit unseren Gesprächspartnern über Themen, über die wir gewöhnlich nicht mit ihnen reden. Heute beantwortet der Voerder Pastoralreferent Markus Gehling Fragen über sein Hobby, die Imkerei.

Herr Gehling, Sie sind begeisterter Imker. Da kennen Sie sicherlich ein wirksames Hausmittel gegen Bienenstiche.

Gehling Vor Jahren gab es schon die These, dass Bienengift einigermaßen empfindlich ist gegen Hitze. Wenn ich gestochen wurde, habe ich oft das Feuerzeug heiß gemacht und es dann einmal auf den Stich gehalten. Manchmal hilft das. Es gibt inzwischen sogar kleine Stifte, die entwickeln Hitze, und diese Stifte kann man auf die Einstichstelle drücken. Die These scheint also zu stimmen. Den Einsatz des Feuerzeugs kann ich allerdings nicht empfehlen, denn da hat man manchmal statt des Bienenstichs eine Brandblase. Ansonsten hilft es, sich zehnmal stechen zu lassen, denn dann merkt man nichts mehr.

Sind Sie schon oft von Ihren Bienen gestochen worden.

Gehling Nein. In diesem Jahr beispielsweise noch gar nicht. In einem Jahr wird man vielleicht zwei oder drei Mal gestochen, aber nur, wenn man nicht aufpasst. Ist man wie ich mit Sandalen am Bienenstock, dann können die Bienen in die Hose kriechen und dann stechen sie, wo es eng wird. Oder sie bekommen plötzlich Panik, wenn ich mich zu schnell bewege und stechen dann zu. Dass sie direkt attackieren, kommt selten vor, es könnte dann vielleicht am Wetter liegen.

Bienen sind also nicht aggressiv?

Gehling In der Natur, auf einer freien Fläche werden Sie von einer Biene nicht gestochen. Ein Risiko besteht, wenn man von vorne an die Bienenstöcke herangeht. Häufig passiert es, dass sich eine Biene in den Haaren verfängt und Angst bekommt, dann stechen sie. Dass sie einen anfliegen und dann zustechen, das passiert eigentlich selten.

Sie selbst haben gegenwärtig sieben Bienenvölker. Wie viele Bienen gehören zu einem Volk?

Gehling Das ist im Laufe des Jahres unterschiedlich. Im Hochsommer, wenn Hochbetrieb im Bienenstock herrscht, sind es vielleicht 50 000 Bienen, dann werden es wieder weniger, über den Winter sind es zwischen 7000 und 10 000. Es hängt natürlich auch vom Entwicklungsstand eines Bienenvolkes ab. Handelt es um einen Ableger, dann können es schon mal nur ein paar Hundert sein.

Welche Lebenserwartung hat eine Biene?

Gehling Im Sommer lebt eine Biene sechs Wochen lang, dann ist sie abgearbeitet und stirbt. Im Winter halten sie etwas länger durch. Diejenigen, die im August/September schlüpfen, müssen durchhalten bis zum nächsten Frühjahr. Aber dann fliegen sie auch nicht so viel und sind nicht so verbraucht.

Wie ist es um die Lebensspanne einer Königin bestellt?

Gehling Die ist wesentlich länger, die kann bei drei, vier, fünf Jahren liegen. Meistens wird sie dann ausgetauscht. Das ist etwas, worum sich die Bienen schon selber kümmern. Dann wird entweder geschwärmt oder still umgeweiselt, wie sich das nennt. Dann ziehen die Bienen in irgendeiner Ecke heimlich und versteckt eine neue Königin ran, und wenn es dann soweit ist für den Wechsel, wird die alte rausgeschmissen oder auch abgestochen. Bis heute hat keiner erforscht, wie das eigentlich passiert und wie letztendlich die Entscheidungen fallen. Es gibt Forscher, die betrachten das gesamte Bienenvolk als den eigentlichen Organismus und nicht die einzelne Biene, sonst kann man sich manches, was bei den Bienen passiert, nicht erklären. Es gibt auch keine Erkenntnisse darüber, wie ein Volk merkt, dass die Königin nicht mehr stark genug ist, dass sie nicht mehr genug Eier legt oder nicht mehr vital genug ist. Es werden zwar Faktoren benannt, dass beispielsweise der Stock zu voll ist oder bestimmte Stoffe, die die Königin ausscheidet, nicht mehr stark genug sind - doch so ganz ist das nicht erforscht und auch nicht erklärbar.

Wie setzt sich ein Bienenstaat zusammen?

Gehling Es gibt die Arbeiterinnen, eine Königin und die Männer, das sind die Drohnen. Über die Lebensspanne, die eine Biene hat, gibt es unterschiedliche Aufgaben, die sie übernimmt. Dazu gehören Wächterdienste, Brutpflege, das Sammeln von Nektar und Pollen, Honigverarbeitung, aber auch Arbeiten im Stock fallen an - das alles wechselt im Laufe des Bienenlebens.

Die Begeisterung für Bienen und die Imkerei ist Ihnen anzumerken, wie ist sie bei Ihnen entstanden?

Gehling Das hat mit meinen Vater zu tun. Er war sowohl Imker als auch Jäger und Angler - das waren seine naturverbundenen Hobbys. Er ist früh gestorben, mit 61 Jahren. Ich bin ihm weder als Jäger noch als Angler gefolgt. Dann habe ich mir gedacht: Naja, jetzt habe ich so vieles anders gemacht, als Papa das wollte, da werde ich doch wenigstens Imker. Dann habe ich das letzte Bienenvolk, das nach seinem Tod überlebt hatte, übernommen. Der Stock stand zuerst in Lohberg im Pfarrgarten, weil Pastor Lepping damals zu mir sagte, der Garten sei doch groß genug dafür. Und so fing es dann halt an. Aber das waren richtig aggressive und giftige Biester, die ich von Papa geerbt hatte. Dann haben mir die Imkerkollegen relativ schnell gezeigt, dass man auch friedliche Bienen haben kann und wie man mit ihnen umgeht. Seither bin ich dabei, mit mehr oder minder vielen Völkern. Je mehr Völker man hat, desto mehr Arbeit hat man und desto mehr Honig muss man vermarkten.

Was fällt denn so an Honig an? Welche Mengen produzieren die Bienen?

Gehling In Lohberg gab es Zeiten, da hatte ich 50 Kilo Honig pro Volk. Man sagt, 50 bis 60 Kilo sind Spitzenwerte in einem guten Jahr. In Voerde an meinen jetzigen Standort sind es eher 30 Kilo, wenn im Volk alles gut läuft.

Vermarkten Sie den Honig, den Sie produzieren? Zur Deckung des Eigenbedarfs dürften die Mengen wohl zu groß sein?

Gehling Meine Bienenstöcke stehen im Schulgarten der Erich-Kästner-Schule. Ich habe den Honig in den vergangenen Jahren immer im Rahmen von Schulaktionen als Benefizangebot verkauft. Die eine Hälfte war für die Kosten, die andere für ein Projekt in der Schule. Ein Teil ist für den Eigenbedarf, daneben versorge ich auch meinen Freundeskreis mit Honig.

Ist die Imkerei ein erfüllendes Hobby für Sie?

Gehling Es macht Spaß. Man bekommt einen ganz neuen Blick auf die Natur. Wer Bienen hat, schaut immer, was gerade blüht. Wenn etwas fliegt, schaut man, was es ist, was da durch die Luft schwirrt. Mir macht es auch Freude, am Bienenstock zu stehen und zu gucken, wie sie rein und raus fliegen und was sich entwickelt. Das ist auch ein tolles Naturerleben. Seit ich Bienen habe, schaue ich ganz anders auf die Umwelt und befasse mich auch intensiver mit ihr. Es gibt viele Aspekte, die die Imkerei zu einem schönen Hobby machen. Man muss sich ruhig bewegen, darf nicht hektisch sein und sollte über eine gewisse innere Ruhe verfügen. Die Bienen merken sogar, wenn man angespannt ist, dann sind sie selber auch unruhig. Man muss auch sehr aufmerksam sein und darauf achten, dass man bei der Arbeit am Bienenstock keine Biene quetscht.

Sie haben für sich also einen Ausgleich für den stressigen Alltag gefunden.

Gehling Ja, das ist es wohl. Und man wird auch in Ruhe gelassen. Alle halten Abstand, weil sie denken: Hilfe, Bienen. Lustigerweise ist die Imkerei unter Frommen früher weit verbreitet gewesen. Die Priester haben früher kein festes Gehalt bekommen. Sie mussten teilweise ihren Unterhalt selbst verdienen und hatten dazu eine kleine Landwirtschaft - und die Imkerei gehörte oft mit dazu, damit man sich als Pfarrer sein Zubrot verdienen konnte.

Sie sind als Pastoralreferent, so hoffe ich doch, nicht darauf angewiesen, vom Honig Ihrer Bienen zu leben.

Gehling Nein, und das ist auch gut so, denn das kann man heute nicht mehr. Die Honigpreise sind im Keller. Man müsste 100 Völker haben, besser noch mehr, um damit als Erwerbsimker einigermaßen überleben zu können.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE HEINZ SCHILD.

Quelle: RP
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