| 00.00 Uhr

Rp-Sommerinterview Bernd Altmeppen
Reden wir doch mal über die Hausarbeit

Rp-Sommerinterview Bernd Altmeppen: Reden wir doch mal über die Hausarbeit
Bernd Altmeppen und Sohn Felix auf dem Spielplatz. Die viele Zeit, die er mit seinen Kindern verbringt, wird er einmal, da ist er sicher, als großes Glück empfinden. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. In unserer Serie reden unsere Gesprächspartner über Themen, zu denen sie normalerweise nicht befragt werden. Heute erzählt Bernd Altmeppen (53), Vorsitzender der Voerder CDU und Ratsherr, über seine Tätigkeit als Hausmann.

Herr Altmeppen, Sie gehören zu denjenigen Männern, die kein Problem damit haben zu sagen, "ich mache bei uns zu Hause den Haushalt". Sie waren nicht immer Hausmann, früher arbeiteten Sie als Journalist in Gießen. Wie ist es zu der Neuorientierung gekommen?

Bernd Altmeppen Meine Frau und ich haben uns in Südafrika auf einer Hochzeit kennengelernt. Als wir dann heiraten und eine Familie gründen wollten, lebte ich in Hessen und sie in Duisburg. Wir mussten uns überlegen, wo wollen wir zusammen leben, denn eine Wochenendehe wollten wir nicht führen. Unsere Kinder sollten in normalen Verhältnissen aufwachsen. Ich war Zeitungsredakteur, meine Frau ist Beamtin. Wir haben dann überlegt, was ist am sichersten und was ist für die Kinder am besten. Als Kind des Ruhrgebietes wollte ich aus dem Hessischen gerne wieder Richtung Dortmund ziehen, wo meine 93-jährige Mutter heute noch lebt. Wir haben uns dann für Voerde entschieden. Jetzt bin ich zwar nicht im Ruhrgebiet, sondern vor den Toren des Ruhrgebiets gelandet, aber immerhin ist der Weg nach Hause, nach Dortmund, nicht mehr weit.

Was bewog Sie damals, sich für das Hausmanndasein zu entscheiden?

Altmeppen Ich dachte damals, das kann ja so schwer nicht sein: Hausmann und Vater. Da hatte ich aber eine falsche Vorstellung. Das ist doch komplizierter, arbeitsaufwendiger und anstrengender als ich mir das gedacht hatte. Nicht, dass ich geglaubt hätte, das mache ich jetzt nebenbei oder das ist ein Klacks. Ich war ja schon Mitte 40, als ich Vater wurde, da ist man dann vielleicht auch nicht mehr ganz so gelassen.

Sie sind den eingeschlagen Weg aber weiter gegangen und haben für sich Ausgleichsmöglichkeiten gefunden.

Altmeppen Jeder, der weiß, was ich noch alles nebenher mache, der sieht, dass ich offensichtlich auch noch etwas anderes brauche als Hausarbeit. Meine Frau unterstützt mich nach Kräften bei der Hausarbeit und bei Tätigkeiten, die nicht so ganz mein Metier sind und wo sie denkt, dass sie das besser kann. Aber Geschirr spülen, Wäsche waschen und kochen sind schon meine Aufgaben.

Stichwort kochen. Sie können kochen oder gibt es bei Ihnen nur Eier in allen Variationen und Nudeln?

Altmeppen Es gibt auch Spiegelei und Nudeln, aber ich kann auch Schweinebraten zubereiten oder eine leckere Pizza machen. Da ich lange in Italien gelebt habe, kann ich viele gute italienische Gerichte.

Welcher Teil der Hausarbeit liegt Ihnen denn gar nicht ?

Altmeppen Staub putzen auf vollgestellten Regalen, wenn man jedes Teil einzeln hochheben muss.

Gehören Sie zu denjenigen, die sagen, ich könnte stundenlang bügeln, weil es so erholsam ist und man dabei so schön seinen Gedanken nachhängen kann?

Altmeppen Bei mir wird nicht gebügelt. Ich ziehe die Sachen auf der Leine glatt.

Sie haben als Vater, der zu Hause ist, die Möglichkeit, jeden Tag viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und sehen sie aufwachsen. Darum werden sie wohl etliche andere Väter beneiden.

Altmeppen Das ist wohl Glück. Denkt man an andere, die morgens um sieben Uhr aus dem Haus gehen und abends um sieben zurückkommen und ihren Kindern gerade noch einen Gutenachtkuss geben können. Aber, dass das ein Glück ist, werde ich wohl erst wissen, wenn meine Kinder selbstständig oder aus dem Haus sind. Es ist ein Riesenunterschied zwischen dem Alter bis drei, vier Jahre, in dem die Kinder eine Rundumbetreuung brauchen, und dem, wenn sie dann in den Kindergarten kommen. Dann entstehen Feiräume, die ich sofort mit anderen Tätigkeiten ausgefüllt habe. Man lernt in der Schule viel, aber Kindererziehung, das lernt man nicht. Man lernt nicht, dass man die ersten zwei, drei Jahre in völliger Unfreiheit lebt, weil die Kinder einen brauchen. Dass Kinder einem ein großes Stück Freiheit nehmen, darauf war ich nicht vorbereitet. Diese Situation habe ich zwar auch bewältigt und nicht drunter gelitten, aber gewusst habe ich es vorher nicht. Auf diese Rolle als Vater könnte man besser vorbereitet sein als ich es war.

Haben Sie Ihre Entscheidung, sich als Mann um Kinder und Haushalt zu kümmern, bereut?

Altmeppen Ich vermisse meinen Beruf sehr, aber die Entscheidung war alternativlos. Bereuen, das ist sowieso nicht so mein Ding. Ich versuche, in meinem Leben stets aus jeder Situation das Beste zu machen. Bereut habe ich es sicherlich nie. Ich arbeite ja auch noch frei journalistisch, so häufig es eben geht. Als Hausmann hat man die Möglichkeit, Artikel zwischen sechs und sieben Uhr zu schreiben oder abends zwischen 22 und 24 Uhr, wenn die Kinder schlafen.

Sie sagten, wenn Sie Freiräume für sich entdeckt haben, füllen Sie diese mit anderen Aufgaben. Was sind das für Aufgaben?

Altmeppen Das sind meine kommunalpolitischen Aktivitäten. Was mir aber noch viel wichtiger ist, sind meine Tätigkeiten in der katholischen Paulus-Kirchengemeinde. Ich bin im Kirchenchor, Messdiener und Lektor.

Ist es Ihnen schon mal passiert, dass Sie von Männern oder auch von Frauen komisch angeguckt wurden, als Sie sagten, dass Sie Hausmann sind?

Altmeppen Ja. Ich sage immer, die deutsche Gesellschaft ist noch nicht reif für den Hausmann und für den erziehenden Vater. Die Frauen in der Krabbelgruppe beispielsweise haben sich sehr schwer mit mir getan, weil ich natürlich bei Presswehen nicht mitreden konnte. Zudem kannte ich auch die aktuellen Kik- und Family-Sonderangebote nicht. Ich war eben nicht der ideale Gesprächspartner. Damals bin ich gerne zur Krabbelgruppe gegangen, damit meine Söhne Jan und Felix - Jan ist heute sieben Jahre alt, Felix vier -, mit Gleichaltrigen spielen konnten. Es sind auch Freundschaften, die offensichtlich keine waren, ausgelaufen. Ein Mann, von dem man annehmen muss, dass er nur Hausmann ist, ist manchen Menschen eben noch suspekt.

Haben Sie denn auch Anerkennung erfahren für Ihre Entscheidung, sich um die Kinder und den Haushalt zu kümmern?

Altmeppen Dass man mir dafür auf die Schulter geklopft hätte, das kann ich leider nicht sagen.

Wenn Sie heute nochmals vor der Wahl stünden, würden Sie den gleichen Weg gehen?

Altmeppen Ja.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE HEINZ SCHILD

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Rp-Sommerinterview Bernd Altmeppen: Reden wir doch mal über die Hausarbeit


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.