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RP-Sommerinterview mit Rolf Wagner
Reden wir mal übers Ski-Bergsteigen

RP-Sommerinterview mit Rolf Wagner: Reden wir mal übers Ski-Bergsteigen
Das ist seine Welt: Rolf Wagner bei einer seiner Skitouren in den Schweizer Alpen. FOTO: privat
Dinslaken. In unseren Sommerinterviews reden wir mit unseren Gesprächspartnern über Themen, über die wir gewöhnlich nicht mit ihnen reden. Heute erzählt Dinslakens Sparkassenchef Rolf Wagner von seiner Begeisterung fürs Hochgebirge.

Herr Wagner, Sie betreiben einen besonderen Sport. Was ist das genau, was Sie tun?

Rolf Wagner Eigentlich geht es um meine Leidenschaft fürs Bergsteigen. Da kommt man schnell zu der Frage, was man macht, wenn man im Winter auf die Berge will. Da liegt ja Schnee. Und dann ist man beim Ski-Bergsteigen oder auch Skitouren gehen. Einfach weil man die Skier braucht um hochzukommen. Und wenn man einmal oben ist, fährt man sinnvollerweise auch mit den Skiern wieder runter. Das ist das, was ich seit Jahren regelmäßig mache.

Was war eher, das Skifahren oder das Bergsteigen?

Wagner Eindeutig das Bergsteigen. Das fing an mit einem Leichtathletiktrainer von mir, der eine Frau aus Bayern geheiratet hat. Die beiden haben mich 1975 mal mitgenommen zum Wandern im Karwendelgebirge. Das war der Ursprungsort, zu dem ich bis heute immer mal wieder mit der Familie zurückkehre. Zur Variante, im Winter Bergtouren zu unternehmen, Felle unter die Skier zu schnallen und hochzusteigen und dann im freien Gelände wieder hinunterzufahren, bin ich erst 1990 gekommen. Ich habe damals Freunde kennengelernt, die als Bergführer ausgebildet sind. Mit deren Erfahrung an meiner Seite habe ich mich sicher genug gefühlt.

Inzwischen sind Sie selbst ein erfahrener Tourengänger. Wie suchen Sie heute Ihre Touren aus?

Wagner Die Partner von damals sind auch heute noch meine Partner. Ich käme auch nicht auf den Gedanken, alleine loszugehen. Im Winter im Hochgebirge hat man permanent mit der Einschätzung von Lawinensituationen zu tun. Und auch wenn ich mittlerweile 25 Jahre Tourenerfahrung gesammelt habe, vergewissere ich mich doch immer der Erfahrung meiner Begleiter. Meistens gucken wir uns einen Termin aus, sehen uns dann im Vorfeld die Lawinenberichte aus der Schweiz an und entscheiden dann nach Risikolage, ob wir eine Tour auf der Nordseite der Alpen machen oder durch die Tunnel fahren, um dann auf der Südseite - beispielsweise im Tessin - unterwegs zu sein. Es gilt immer der Grundsatz, das Risiko zu minimieren. Wenn nötig, sagen wir Touren auch schon mal ab. Wir gehen keine unvertretbaren Risiken ein, denn leider gibt es in jedem Winter Fälle, wo Tourengänger nicht zurückkommen.

Ihr Hauptbetätigungsfeld ist also die Schweiz.

Wagner Im Winter ja, einfach weil die Freunde in Lörrach und in Basel wohnen. Da ist der Ausgangspunkt gewissermaßen schon vorgegeben. In anderen Jahreszeiten bin ich mit der Familie aber auch in Österreich oder in Italien unterwegs - ohne Skier.

Sie waren aber auch schon auf "exotischen" Gipfeln.

Wagner Ja, Afrika, Südamerika und Asien habe ich mehrfach gesehen, aber das waren jeweils klassische Trekkingtouren im Herbst, bei denen Ski keine Rolle spielten. Das wird sich im Mai nächsten Jahres aber ändern.

Wo geht es dann hin?

Wagner Dann geht es in den Kaukasus. Nach vorbereitenden Touren, die wir Mitte April am Gran Paradiso in Italien und am Mont Blanc in Frankreich unternehmen werden, wollen wir Anfang Mai den Elbrus per Tourenski besteigen.

Prinzipiell wäre es wohl höchst fahrlässig, wenn man solche Touren macht, selbst wenn sie nicht gleich auf über 5000 Meter gehen, wenn man körperlich nicht voll fit ist. Wie halten Sie sich fit und wie schaffen Sie das neben Ihrer beruflichen Anspannung?

Wagner Einfach ist das nicht. Aber da verbindet sich der Bedarf, Kompensation für die Anforderungen des Berufslebens zu schaffen, mit den Voraussetzungen für das Hobby - und zwar im ganz normalen Alltag. Es hätte ja keinen Sinn vier Wochen vor einer Tour mit dem Training anzufangen. Für mich gehört es zum Bestandteil der Wochenplanung mit Laufen und am Wochenende mit dem Mountainbike für eine dauerhafte Kondition zu sorgen. Diese Grundlage, die ich das Jahr über pflege, wird dann sechs Wochen vor einer solchen Tour mit einer höheren Frequenz der Aktivitäten hochgezogen. Eine gute Physis ist wichtig. Noch wichtiger vor Ort ist dann die Anpassung an die Höhe. Die Akklimatisierung ist aufgrund der kurzen Zeit meist suboptimal, aber eine Voraussetzung für einen Gipfelerfolg mit Spaß.

War die Besteigung des Elbrus noch ein ganz besonderer Traum, den Sie sich jetzt erfüllen?

Wagner Ich habe vor zwei Jahren den Aconcagua in den argentinischen Anden, das ist der höchste Berg Amerikas, bestiegen. 1991 war ich auf dem Kilimandscharo, das ist der höchste Berg Afrikas. Und dann hat's eher durch Zufall mal klick gemacht, und ich habe mich gefragt, was ist eigentlich der höchste Gipfel in Europa. Das ist eben nicht der Mont Blanc sondern mit gut 5600 Meter Höhe der Elbrus. Damit hätte ich dann, wenn es denn im Mai klappt, auf drei Kontinenten den höchsten Berg erklommen. Ein solches Ziel setzt ja auch immer große Energie frei. Ich bin schon voller Vorfreude auf dieses reizvolle Erlebnis im Kaukasus. Die höchsten Gipfel in den anderen Kontinenten sind für mich nicht attraktiv.

Wenn's nicht gerade auf die ganz hohen Berge geht, wie lange dauert eine "normale" Skitour in der Regel.

Wagner Als Nordlicht nutzt man da meist ein verlängertes Wochenende - so von Mittwoch bis Montag. Da ist aber die Hin- und Rückfahrt inbegriffen.

Wie muss man sich das praktisch vorstellen? Nehmen Sie ein Zelt für die Übernachtung mit oder suchen Sie Berghütten auf?

Wagner Ausschließlich Hütten. In meiner frühen Sturm- und Drangzeit waren das oft unbewirtschaftete Hütten, weil man da nicht vorher buchen muss. Heute sind wir etwas geruhsamer unterwegs. Wenn man auf unbewirtschaftete Hütten geht, muss man natürlich mehr Gepäck mitschleppen und Gewicht ist - insbesondere wenn die Schneebedingungen nicht optimal sind, schon ein sehr belastender Faktor. Heute nutzen wir bewirtschaftete Hütten, entweder indem wir von Hütte zu Hütte wandern oder indem wir eine als feste Station aussuchen und von dort aus sternförmig unsere Touren unternehmen. Letzteres ist etwas komfortabler, weil man zwar das Gepäck einmal dorthin bringen, aber nicht alles auf den einzelnen Touren mitnehmen muss.

Wie gut muss man Ski fahren können, um solche Touren zu machen?

Wagner Ich habe 1975 mit dem Bergsteigen begonnen. Schon zuvor war ich mit den Eltern in den Skiurlaub gefahren. Ich habe also seit sehr langer Zeit Skier unter den Füßen und kann, glaube ich, sagen, dass ich ein ganz guter Skifahrer bin. Allerdings darf man das Skifahren auf der Piste nicht verwechseln mit Skitouren gehen. Das sind zwei verschiedene Sportarten. Das Skifahren auf der Piste ist die Basis, aber wenn man dann von der Piste runtergeht und fährt im freien Gelände, wo die Schneequalität in der Regel eine ganz andere ist, dann stellt man ganz schnell fest, dass das zwei verschiedene Geschichten sind.

Nimmt man von solchen Skitouren auch etwas mit für den Alltag?

Wagner Ich fotografiere schon seit der Schulzeit sehr gerne. Und das Hobby Fotografieren kann man in diesem Umfeld natürlich extrem ergiebig ausüben. Auch für den beruflichen Alltag bringt das Skitouren gehen eine wichtige Erkenntnis. Im Bankgeschäft wie auf Skitouren gibt es Risiken, eine Reduktion auf Null ist im Regelfall nicht erreichbar und auch nicht Ziel. Ich mag in diesem Zusammenhang folgenden Spruch: "Ein Schiff im Hafen ist sicher, aber es ist nicht für das Liegen im Hafen gebaut." Das Entscheidende ist, dass man durch Erfahrung lernt, mit diesen Risiken umzugehen, also Kompetenzen entwickelt, mit denen sich Risiken auf ein gefühltes vertretbares Niveau reduzieren lassen.

JÖRG WERNER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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