| 00.00 Uhr

Kolumne Neu In Der Stadtbibliothek
Reisen um die Welt, um sich selbst neu zu entdecken

Dinslaken. Hans Christoph Buch ist der Reisende unter den deutschen Gegenwartsautoren. Den 1944 in Wetzlar geborenen Autor vieler Reisereportagen, Romane und Essays zog es allerdings nicht in die Touristen-Paradiese, er reiste fast immer an Krisenschauplätze und in Armutsgebiete. Haiti wurde dabei zu seiner zweiten Heimat. Sein neuer Roman verbindet Reiseberichte aus fernen Ländern mit einer Reise ins eigene Ich. Sein Titel, "Elf Arten, das Eis zu brechen", verbindet real Erlebtes - die Fahrt auf einem Eisbrecher in die Antarktis - mit der Magie literarischer Fiktion.

Denn der mehrdeutige Titel spielt auch an auf ein Zitat Franz Kafkas: "Ein Buch muss wie eine Axt sein für das gefrorene Meer in uns." Und so verknüpft H. C. Buch in diesem autobiografischen Roman in elf Kapiteln durchgängig Fakten mit Fiktionen, journalistische Recherchen mit autobiografischer Spurensuche - immer der eigenen Identität und ihren Prägungen auf der Spur. Den drei "Büchern" dieses Romans setzt der Autor jeweils eine der drei Leitfragen menschlicher Identität voran: "Wer bin ich?", "Woher komme ich?" und "Wohin gehe ich?" Im ersten Buch erleben wir den noch jüngeren Autor auf einer turbulenten Reise in die UdSSR, danach auf einer Reise auf den düsteren Spuren der Roten Khmer in Kambodscha und während eines seiner vielen Aufenthalte auf Haiti, wo einst sein Großvater als Apotheker lebte und eine Kreolin heiratete. Im zweiten Buch zeichnet der Autor ein eindringliches und liebevolles Porträt seiner Eltern und erzählt von seinen Kindheits- und Jugendjahren in Wetzlar, wo er sich in den Tiefen des Partykellers des elterlichen Hauses nach und nach seine eigene Welt schuf. Und das dritte Buch enthält dann eindringliche Schilderungen zweier Expeditionen ins Eis, in die Antarktis und in die Arktis, wo ein seltsamer Ornithologe namens Hans Busch, Alter Ego des Autors, spurlos im weißen Nichts verschwindet. H. C. Buch versteht es, seinen Leser für die Sphäre des Exotischen, Magischen und Poetischen zu sensibilisieren, der der Autor auf seinen Reisen auf der Spur ist. Und er verblüfft ihn mit einer Fülle staunenswerter Geschichten und unterhaltsamer Anekdoten - eine lohnende und streckenweise regelrecht spannende Lektüre.

DR. RONALD SCHNEIDER

Buch, Hans Christoph: Elf Arten, das Eis zu brechen. Roman, Frankfurter Verlagsanstalt: 2016.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kolumne Neu In Der Stadtbibliothek: Reisen um die Welt, um sich selbst neu zu entdecken


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.