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Dinslaken
Salafismus - die verschwiegene Gefahr?

Dinslaken: Salafismus - die verschwiegene Gefahr?
Lohberg - aus der Luft betrachtet, eine idyllische Gartenstadt - wird immer wieder mit dem gewaltbereiten Salafismus in Verbindung gebracht. FOTO: jok
Dinslaken. Eine Dokumentation, die am Montag Abend im Fernsehen zu sehen war, bringt den Vorstand der DiTiB-Moschee in Erklärungsnot. Ist Lohberg weiterhin fruchtbarer Boden für die Propaganda der Terror-Miliz Islamischer Staat (IS)? Von Jörg Werner

Der Film von Sabina Wolf und Ahmet Senyurt beschäftigt sich mit den Propagandamethoden des IS und fußt auf gemeinsamen Recherchen des Magazins Report und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Mit Lohberg beschäftigt sich nur ein kleiner Teil des Beitrags. Der aber wirft Fragen auf.

Zu sehen sind Aufnahmen aus der DiTiB-Moschee an der Lohbergstraße. Laut den Autoren zeigen sie zum Beispiel ein Vorstandsmitglied der Moschee und einen Jugendlichen, der ein T-Shirt trägt, auf dem das Siegel des Propheten Mohammed zu sehen ist, in einer Form, wie sie auch auf Bannern von islamistischen Terrororganisationen zu finden ist. Beide halten den ausgestreckten Zeigefinger in die Kamera. Diese Geste mit der Bedeutung "ein Gott, ein Staat", so heißt es, in einem Artikel der Online-Ausgabe der FAZ, der zeitgleich zum Filmbeitrag erschienen ist, sei häufig in radikalen Kreisen junger Salafisten zu finden. Der Film zeigt dann auch Philip B. und andere Mitglieder der sogenannten Lohberger Brigade, die in den angeblichen heiligen Krieg gezogen und dort getötet wurden, mit dieser Geste.

Im Dinslakener Rathaus ist man laut Sprecher Thomas Pieperhoff der Ansicht, dass der Moscheevorstand, der ja den Dinslakener Appell gegen Hass und Gewalt mitinitiiert habe, gut beraten wäre, auf die gezeigten Bilder mit einer eindeutigen Stellungnahme zu reagieren. Der allerdings hat, so die Autoren des Films, bislang ein Interview verweigert. Auch die Bitte der Rheinischen Post um eine Stellungnahme blieb gestern unbeantwortet.

Das scheint die These zu bestätigen, die sowohl im Film als auch bei FAZ online vertreten wird, nämlich die, dass auch in Lohberg die Parolen der Hassprediger immer noch auf fruchtbaren Boden fallen können, weil die Probleme totgeschwiegen werden. Dem allerdings widerspricht Pieperhoff vehement und weiß sich da mit dem Integrationsbeauftragten Burhan Cetinkaya einig. "In Dinslaken wird nichts verharmlost." Sicher habe es eine Tradition des Wegschauens gegeben. Doch damit sei es spätestens nach den Ereignissen um Philip B. vorbei. Auch die türkische Gemeinschaft in Lohberg habe ein großes Interesse daran, dass die Diskussion offen geführt werde und die Dinge beim Namen genannt würden. "Das erleben wir in unseren täglichen Kontakten", sagt Pieperhoff. In Sachen Präventionsarbeit habe sich Dinslaken nichts vorzuwerfen, erklärt der Rathaussprecher und verweist darauf, dass inzwischen andere Kommunen bei der Stadt nachfragen, wenn es darum geht, mit dem Salafisten-Problem umzugehen.

Dass die Salafismus-Gefahr nach wie vor besteht und - nicht nur in Lohberg, sondern bundesweit steigt - bestreitet Pieperhoff nicht. Deswegen weise ja auch der Verfassungsschutzbericht darauf hin, dass in Lohberg immer noch die Gefahr bestehe, dass sich Jugendliche radikalisieren. Dieser Bericht mache aber auch deutlich, dass der gewaltbereite Salafismus seit dem Ende der Lohberger Brigade im Dinslakener Stadtteil über keinen harten Kern mehr verfüge. Was die Überwachung und die Verhinderung und Verfolgung von Straftaten angeht, setzt die Stadt auf den Verfassungsschutz. Sie selbst sieht ihre Aufgabe darin, wachsam zu bleiben und mit einer Vielzahl von Angeboten Jugendliche davor zu bewahren, sich zu radikalisieren. Dabei sieht sie sich laut Pieperhoff auf einem guten Weg.

Dass in Lohberg - seit dies Autokennzeichen für Bürger im Kreis Wesel frei wählbar ist - im Stadtteil verstärkt Autos mit dem Moerser Nummernschild "MO" herumfahren und die Spatzen dort von den Dächern pfeifen, dass dieses MO für Mohammed steht, ist für Pieperhoff kein Gegenargument. Natürlich sei es möglich, dass gläubige Muslime damit ihre Gesinnung zum Ausdruck brächten, aber deswegen könne man doch nicht den gesamten Stadtteil unter den Generalverdacht stellen, dass er dem gewaltbereiten Salafismus einen Nährboden biete. Im Gegenteil würde man mit so einer Haltung doch gerade der IS-Propaganda den Boden bereiten, die dann sagen würde: Seht her, wenn ihr Euch zu Eurem Glauben bekennt, werdet ihr in eine Ecke gestellt und verfolgt, deswegen kommt zu uns.

Quelle: RP
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