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Dinslaken
Sammlung erzählt Buchkunstgeschichte

Dinslaken: Sammlung erzählt Buchkunstgeschichte
Das Book of Kells aus dem Jahre 800 gehört mit zur Faksimile-Sammlung. Bei der Übergabe (v.l.): Dr. Udo Grote, Elisabeth Maas, Dr. Heinz Mestrup, Dr. Peter Behrenberg und Klaus Prpitsch. FOTO: Fischer
Dinslaken. Über dreieinhalb Jahrzehnte hat der Dinslakener Klaus Prpitsch Faksimile von alten Werken ab dem 5. Jahrhundert gesammelt. Jetzt hat er die Privatsammlung dem Bistum Münster und dem Xantener Stiftsmuseum geschenkt. Von Peter Kummer

/Xanten Gerade erst hat der SPD-Stadtverordnete Klaus Prpitsch seiner Heimatstadt eines sammlung von rund 200 japanischen Duckgraphiken aus dem 17. bis 20. Jahrhunbdert "vermacht". Japanische Kunst ist aber nicht das einiige, was prpitsch über vile Jahre gesammelt hat und davon profitiert nun das Xantener Stiftsmuseum.

Die Originale sind von unschätzbarem Wert, die Preise erreichen auf Auktionen schon mal an die 20 Millionen Euro. Darum ruhen sie, auf der ganzen Welt verstreut und fest verschlossen, in Tresoren und hinter Panzerglas. Aber zum Glück gibt es Faksimile-Drucke, so dass sich die ganze Buchkunst aus vielen Jahrhunderten auch heute noch der Öffentlichkeit erschließt. D Prpitsch hat nun seine Sammlung von rund 300 Werken dem Bistum Münster und dem Stiftsmuseum gestiftet.

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen fac simele und heißt übersetzt "Mache es ähnlich". Doch was nun Diözesanbibliothek und Bistumsarchiv Münster sowie das Xantener Museum erhalten haben, ist mehr als das. Denn die Handschriften aus unterschiedlichen Kulturkreisen sind mit allen Regeln der Faksimile-Kunst "reproduziert" worden, so dass ein Unterschied zum Original kaum festzustellen ist. Auch wenn die vielen Werke auf die Standorte Münster und Xanten aufgeteilt werden, so bleiben sie doch ein einheitliches Ganzes, werden als Sammlung Klaus Prpitsch katalogisiert und können bei Bedarf angefordert werden.

Schwerpunkt der Schenkung bildet das europäische Mittelalter. Neben profanen Werken wie Chroniken, naturkundliche Darstellungen und Ritterromanen handelt es mehrheitlich um Sakrales, darunter auch weltberühmte Handschriften. Das älteste literarische Vorbild stammt aus den Jahren ab 400 nach Christus, das jüngste aus dem 18. Jahrhundert. Viele haben ihre ganz eigene, besondere Geschichte zu erzählen.

Es gibt Werke, die wurden seinerzeit geteilt und in zwei Städte gebracht. Der Teil in Mailand existiert bis heute, der andere in Turin fiel dem verheerenden Brand von 1904 zum Opfer. Ein Buch ruhte lange Zeit versteckt vor den einfallenden Wikingern im Boden, ehe es zufällig gefunden wurde. Ein anderes hat noch eine Kerbe im Buchrücken. Sie berichtet von der Legende, dass es der Germanen-Missionar Bonifatius in Händen hielt, als er niedergestochen wurde.

Klaus Prpitsch, Buchliebhaber und ehemaliger Lehrer, hatte seit 1980 seine Sammlung "Stück für Stück aufgebaut" - "Werke, die man im Original praktisch nicht zu Gesicht bekommt." Die Liebe zur Buchmalerei war seine Hauptantriebsfeder, sich im Buchhandel und in Antiquariaten umzuschauen. "Man kann so viel Großartiges entdecken." Doch jetzt gehe er auf die 70 zu. Und seine Töchter zeigten nur wenig Interesse an seiner Sammelleidenschaft.

Natürlich hätte er die Faksimile auch einzeln verkaufen können, aber für ihn, sagt er, stellten sie keine Wertanlage dar und: "Ich wollte die Sammlung als Ganzes erhalten." Also wandte er sich, nachdem die Bücherei Dinslaken abgesagt hatte, an das Stiftsmuseum. Eines Tages tauchten dessen Leiter Udo Grote und Elisabeth Maas bei ihm auf, bekamen angesichts dieses "Schatzes" ganz große Augen, waren sofort Feuer und Flamme und informierten umgehend das Bistum. Dort wird das Geschenk demnächst auf Münster und Xanten aufgeteilt.

Quelle: RP
 
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