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Dinslaken
Satire "bis zur Schmerzgrenze"

Dinslaken. Jürgen Hinninghofen war Gast im Rendezvous nach Ladenschluss in der Dinslakener Stadtkirche.

"Wir glauben an Duck den Vater. Herr über das Kapital mit dem er wachet über alle die willig sind": Volker Kühns Glaubensbekenntnis an Dagobert Duck ist nicht das, was man in einem Gotteshaus erwartet. Aber gerade deshalb hat Jürgen Hinninghofen den Text in sein Programm für das "Rendezvous nach Ladenschluss" am Dienstagabend aufgenommen. "Bis zur Schmerzensgrenze?!" lautete der Titel der Lesung religionskritischer Texte.

Aber war es wirklich der Glaube an Gott, der satirisch hinterfragt wurde, oder nicht eher der verlorene Glaube an die Menschheit, der sich wie ein roter Faden durch die Satiren von Erich Kästner bis Susanne Hermanns zog? Wenn Kästner "Dem Revolutionär Jesus Christus zum Geburtstag" erklärt, er sei offensichtlich umsonst gestorben, weil diese Welt unbelehrbar ist, so richtet sich die Kritik gegen die, die immer wieder aufs neue das Gute sehen, aber lieber aus Eigennutz, Neid und Verblendung dem demagogischen Hass folgen.

Satire sei der Versuch, etwas besser zu machen, indem man es schlecht macht, erklärte der Oberhausener Rezitator gleich zu Beginn. Aber kann Spaß Raketen entschärfen? Lachen nicht immer nur die, die es ohnehin schon besser wissen, hat wirklich schon einmal jemand durch Satire Einsicht gewonnen, ist durch die Entlarvung bekehrt worden? Wer in die Welt blickt, muss mit einem "Nein" antworten. "Aber man kann es versuchen", hielt Hinninghofen dagegen. Und so las er die Texte, die vor 80 Jahren geschrieben wurden und immer noch so brandaktuell sind, wie es an den Ecken und Enden der Welt immer noch brennt.

Es sind böse Texte gegen das Böse: Karl Valentin würde, wenn er der liebe Gott wäre, alle Kriege abschaffen. Oder doch lieber mit einer neuen Sintflut die Wurzel dieses Übels auslöschen?

In Ulrich Harbeckes "Testfall Abraham" schwärmt Gott derart über die freie Wahl des freien Menschen, dass der Teufel ihn zur Wette herausfordert. Der Mensch wolle unterworfen sein, koste es ihn sein einziges Kind. Man weiß, dass die Opferung Isaaks erst in letzter Sekunde durch die höhere Macht verhindert wurde.

Hinninghofen singt Kästners "Weihnachtslied - chemisch gereinigt". Es gibt aber auch Musik ohne Zwischentöne. Thorsten Topp interpretiert auf seiner Konzertgitarre impressionistisches von Debussy und Fado von Duarte, stellt seine eigenen Kompositionen vor. Und zum Schluss rückt die Satire mitten hinein ins Gemeindeleben.

"Chantals Mutter" will ihr Kind zur "Kommullion" anmelden, weil sich das Mädchen doch so ein schönes langes Kleid und die vielen Geschenke wünscht.

(bes)
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