| 19.26 Uhr

Dinslaken
Sauer auf die IG Metall

Dinslaken. Der Steinhoff-Betriebsrat fühlt sich von der Gewerkschaft schlecht behandelt. Er verlangt mehr Aufmerksamkeit. Mit der Unternehmensleitung ist er zufrieden. Von Ulrich Schwenk

Sehr hohe Beteiligung an der Betriebsratswahl, Gewerkschaftsmitglieder trotz Krisenzeiten bei der Stange gehalten und sogar noch neue hinzugewonnen: Auf solche Sachverhalte ist der frisch gewählte Betriebsrat der Metallbaufirma Steinhoff tüchtig stolz. Die Arbeitnehmervertreter erkennen darin zudem Kennzeichen für das gute Klima in dem Familienunternehmen. Was sie deshalb massiv verärgert: "Von der IG Metall werden das Unternehmen und der Betriebsrat nicht mehr wahrgenommen", sagt der Betriebsratsvorsitzende Heino Eykeln und fügt hinzu: "Das gilt für alle Dinslakener Metallfirmen. Seit Duisburg und Dinslaken bei der Gewerkschaft zusammengelegt wurden, werden wir nicht mehr berücksichtigt. Seitdem dreht sich alles nur noch um Thyssen und andere große Duisburger Firmen."

Früher existierte eine eigenständige IG Metall in Dinslaken, heute gibt es einen Verbund Duisburg-Dinslaken mit Sitz in der Großstadt. Dinslaken ist eine Geschäftsstelle an der Bahnstraße geblieben. Mit der Arbeit dort ist der Steinhoff-Betriebsrat vollauf zufrieden. "Die Duisburger aber lassen uns am langen Arm verhungern. Früher, mit der IG Metall in Dinslaken, war die Zusammenarbeit deutlich besser", betont Betriebsratschef Eykeln und protestiert: "Das müssen wir uns nicht bieten lassen."

Letztes Ärgernis: Auf der Delegiertenversammlung kürzlich in Duisburg sei Steinhoff mit keinem Wort erwähnt worden – nicht die Beteiligung an der Betriebsratswahl von 91 Prozent, nicht das Engagement der Arbeitnehmervertreter für ihre Gewerkschaft. "Anders als wir haben viele Firmen in dieser schweren Zeit Gewerkschafter verloren", sagt Eykeln. Er und seine Kollegen sind überzeugt: Ein Traditionsunternehmen wie Steinhoff, gegründet 1908 in Dinslaken, habe Besseres verdient.

Von der Kooperation mit der Unternehmensführung kann Heino Eykeln hingegen nur Gutes berichten. "Wir werden gemeinsam unseren Weg durch die Krise finden", bekräftigt er. Seit November fährt der Hersteller von Kaltwalzen in Teilbereichen Kurzarbeit; das Auftragsvolumen in 2009 sank wegen der einbrechenden Konjunktur um 70 Prozent.

Für dieses Jahr sind die rund 190 Arbeitsplätze an der Gerhard-Malina-Straße aus Sicht des Betriebsrates sicher. "2011 macht uns allerdings noch Sorgen, dafür haben wir noch nicht die volle Auslastung erreicht", sagt Heino Eykeln. In Abstimmung mit der Firmenleitung seien nach wie vor alle gemeinsamen Bemühungen darauf ausgerichtet, die Arbeitsplätze zu erhalten. Der Betriebsratschef weiter: "Trotz der Krise bilden wir unverändert mehr aus als nötig. Auch das beweist: Wir setzen auf Zukunft, auf Kontinuität."

Quelle: RP
 
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