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Dinslaken
Schere schwingen in vierter Generation

Dinslaken: Schere schwingen in vierter Generation
Kean van Lierop (Mitte) mit Vater Dennis (rechts) und Onkel Dominik im Salon Pottschnitt in der Dinslakener Altstadt. Wie es momentan aussieht, wird der 13-Jährige einmal die Friseurtradition im Hause van Lierop fortsetzen. FOTO: Langhoff
Dinslaken. Kean van Lierop macht derzeit ein Praktikum bei seinem Onkel Dominik im Friseursalon Pottschnitt in der Altstadt. Seit drei Generationen sind die van Lierops im Friseurhandwerk aktiv - die nächste steht vielleicht in den Startlöchern. Von Florian Langhoff

Dass der 13-jährige Kean van Lierop vom Rand des Schwarzwaldes an den Niederrhein kam, um ein Praktikum im Friseursalon Pottschnitt zu machen, ist an sich schon ungewöhnlich. Erklären lässt sich das leicht, wenn man die Familiengeschichte der van Lierops kennt. "Mit ihm wären wir bei der vierten Generation der Familie angelangt, die das Friseurhandwerk erlernt", sagt Dominik van Lierop, Inhaber des Salons Pottschnitt und der Onkel von Kean. "Wir sind daher alle ganz angetan von der Idee, dass er hier sein Praktikum macht."

Der Großvater von Dominik van Lierop war der erste in der Familie, der als Friseur tätig war. "Bis zum Zweiten Weltkrieg war das ja noch ein Männerberuf", erzählt der Friseur aus Dinslaken. Danach übernahmen die Frauen den Beruf und auch den Salon der Familie. Doch von Großvater über Vater zu Dominik van Lierop schlug dann doch die Begeisterung fürs Handwerk durch. "Ich habe mich von der Biologie verabschiedet und bin Friseur geworden. Und auch mein Bruder ist unseren Genen gefolgt", sagt Dominik van Lierop.

Sein Bruder Dennis, Keans Vater, ist mit seinem Sohn nach Dinslaken gekommen, um dessen Praktikum zu begleiten. "Normalerweise macht man so etwas ja eher nahe der Schule. Aber wir haben mit den Lehrern gesprochen und die versprachen sich etwas mehr davon, wenn Kean sein Praktikum bei uns macht", berichtet Dennis van Lierop. Und so ist der 13-Jährige jetzt im Salon seines Onkels unterwegs.

Er kümmert sich darum, dass alles sauber ist, sorgt dafür, dass die Kunden einen Umhang verpasst bekommen und mit Getränken versorgt sind. Allerdings bedient er auch das Telefon, vereinbart Termine und trägt diese ins Computersystem ein. "Es geht ja erst einmal darum, einen Einblick ins Friseurhandwerk zu bekommen", sagt Dominik van Lierop. Selbst die Schere schwingen darf der Praktikant nicht, möchte er auch gar nicht, auch wenn er schon früh Erfahrung mit dem Werkzeug gesammelt hat. "Ich glaube, ich habe als Fünfjähriger zum ersten Mal einen Übungskopf mit Perücke bearbeitet", sagt Kean.

Aber lohnt es sich heute überhaupt noch, das Handwerk zu erlernen? Haben es Friseure in der heutigen Zeit nicht schwer? "War es jemals einfach?", kontert Dominik van Lierop, sieht aber gute Chancen in dem Lehrberuf. "Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen haben wir keine Konkurrenz durch das Internet. Man kann sich Frisuren nicht einfach runterladen oder online bestellten", erklärt er. Zudem böten sich besonders heutzutage viele neue Möglichkeiten. "Durch den Barber-Boom entdecken viele das Erlebnis Friseur wieder für sich", sagt Dennis van Lierop. "Gerade Männer suchen häufig solche Angebote."

Außerdem, so sagt Dennis van Lierop, bereite der Lehrberuf des Friseurs auch auf ganz andere Aufgaben vor. "Man lernt Dinge wie emotionale Intelligenz und den respektvollen Umgang mit Menschen", sagt er. Er selbst hat mittlerweile keinen Salon mehr, sondern berät Unternehmen aus der Branche.

Nach seinem ersten Praktikumstag im Salon Pottschnitt ist Kean schon ziemlich geschafft. Ob er sich vorstellen kann, später den Friseurberuf zu ergreifen. "Auf jeden Fall", sagt der 13-Jährige.

So hat das Praktikum im Salon seines Onkels vielleicht schon Früchte getragen und die Familie von Lierop kann sich auf die vierte Friseurgeneration in der Zukunft freuen.

Quelle: RP
 
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