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Unsere Woche
Schlechte Noten für die Dinslakener Verwaltung

Dinslaken. Wann schlechte Noten berechtigt sind und wann nicht - Spielplätze und die Planungen für den Bahnhofsvorplatz.

Sagen Sie mal, gehören Sie auch zu den Menschen, die in den 50er oder 60er Jahren geboren sind. Haben Sie sich vielleicht sogar auf den Spielplätzen, die es damals so gab, ausgetobt? Echt? Wirklich wahr? Wie haben Sie dann eigentlich so weitgehend unbeschadet ihre Kindheit überstanden? Egal, Sie haben's jedenfalls geschafft. Wahrscheinlich hatten Sie einen guten Schutzengel oder auch einfach nur Glück. Heute sind Kinder auf beides ja nicht mehr angewiesen. Da werden Spielgeräte vom TÜV zertifiziert und von Gutachtern überwacht. Und so ein Gutachter war jetzt in Dinslaken unterwegs. Wer seine Expertise liest, dem muss Angst und Bange werden. Gut, Fälle, in denen Kinder auf den Dinslakener Spielflächen ernsthaft Schaden genommen haben, sind jetzt nicht bekannt, aber, was alles hätte passieren können. Für die meisten der Dinslakener Spielplätze ist, so möchte man meinen, der Begriff Abenteuerspielplatz geradezu erfunden worden. Aber mal Scherz beiseite. Sicher kann man der Meinung sein, dass Kinder heute überbehütet von vielen Eltern und einer ausufernden Bürokratie heranwachsen. Fakt ist aber auch, dass die Regeln nun einmal in der Welt sind, weswegen die Dinslakener Verwaltung ja auch schnell gehandelt hat, als der Spielplatz-Gutachter seine Ergebnisse präsentiert hat. Als die Politik - speziell in Person des Jugendhilfeausschussvorsitzenden Thomas Giezek - bereits im vergangenen Jahr ein großes Tamtam um die Spielplätze veranstaltet hat, hat die Verwaltung - allen voran der Bürgermeister - noch im Brustton der Überzeugung verkündet, dass die Sicherheit natürlich gewährleistet ist. Jetzt ist das Rathaus aufgewacht. Spät, aber nicht zu spät. Eins ist aber auch klar, die schlechten Noten, die der Gutachter den Dinslakener Spielplätzen ausgestellt hat, sind auch schlechte Noten für das Verwaltungshandeln in dieser Angelegenheit.

Schlechte Noten will die Unabhängige Bürgervertretung (UBV) der Verwaltung in Sachen Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes an die Backe kleben. Sie hat 1200 Unterschriften gesammelt und nahezu alle Unterzeichner habe den Plänen eine Abfuhr erteilt. "Niederschmetternd" sei das für die Verwaltung urteilt die UBV. Was für ein Unfug. Dass bei einer solchen Befragung die, sagen wir es freundlich, Bedenkenträger die große Mehrheit stellen, lehrt die Erfahrung. Dinslaken hat knapp 70 000 Einwohner, was beweisen da 1200 Unterschriften? Politik hat die Aufgabe, das Gemeinwohl im Auge zu behalten. Die UBV muss sich fragen, ob sie dieser Aufgabe mit ihrer Aktion gerecht wird. Vermeintlicher Populismus bringt die Stadt kaum voran.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

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Quelle: RP
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