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Reportage am Montag
Schüler sind Politiker für einen Tag

Reportage am Montag: Schüler sind Politiker für einen Tag
Bürgermeister Michael Heidinger (links) war von den Jugendlichen begeistert: In der simulierten Ratssitzung diskutierten sie wie "richtige Politiker". FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Eine simulierte Ratssitzung unter Leitung des Bürgermeisters war der Höhepunkt eines kommunalpolitischen Workshops. Von Hendrik Gaasterland

Mit Literatur beschäftigen sich nicht allzu viele Jugendliche. Dennoch sind Poetry-Slam-Veranstaltungen im Trend und angesagt. Auch für Politik sind junge Menschen selten zu begeistern, aber im Vergleich zur Literatur möchten sich dort nur ganz wenige engagieren oder mitwirken. "Eigentlich schade", findet Rüdiger Nebendahl.

Der Mitarbeiter der Friedrich-Ebert-Stiftung betreute in der vergangenen Woche 14 Schüler zwischen 14 und 18 Jahren, die an den kommunalpolitischen Workshop-Tagen teilnahmen.

Die Kooperation zwischen Stiftung und der Stadt Dinslaken wollte beweisen, dass Jugend und Kommunalpolitik alles andere als öde und langweilig sind. Auf kommunaler Ebene geht es schließlich ganz konkret auch um die Gestaltung des persönlichen Lebensumfeldes. Trotzdem haben vergleichsweise nur wenige junge Leute Politik im Sinn. Es sei denn, sie sind familiär vorbelastet oder sie waren oder sind noch im örtlichen Kinder- und Jugendparlament tätig. Andere haben vielleicht über den Wettbewerb "Jugend debattiert" Geschmack an der Materie gefunden.

Die Teilnehmer des Wettbewerbs waren nun eingeladen, um an drei Workshop-Tagen hautnah Einblicke in die Kommunalpolitik zu erlangen.

Zunächst wurden sie von den Jugendvertretern der Parteien besucht. "Es wurde aber nicht versucht, die Schüler für sich zu gewinnen, sondern es wurde erzählt, wie man selbst zur Politik kam und welche Möglichkeiten die Politik bietet", berichtet Rüdiger Nebendahl. Dieser Austausch kam bei der Jugend genauso gut an, wie die Gespräche mit Dinslakens stellvertretendem Bürgermeister Eyüp Yildiz, dem persönlichen Referenten des Bürgermeisters Dr. Michael Heidinger, Thomas Pieperhoff, sowie dem Personalchef des Rathauses, Bernd Schroer. Die Leute aus der Verwaltung und weitere Parteivertreter halfen dem Nachwuchs auch dabei, beschlussfähige Anträge zu formulieren, denn der Höhepunkt des Workshops sollte noch kommen.

Am letzten Tag fand nämlich eine simulierte Ratssitzung unter der Leitung von Michael Heidinger statt und die Anträge stellten dafür die Grundlage dar. Die Schüler aus Dinslaken, Voerde, Hünxe, Duisburg und Moers bildeten die vier Fraktionen Die Bunten, Fraktion Junges Dinslaken, Kommunale Jugendpartei und Junge Soziale Demokraten und diskutierten im Ratssaal wie richtige Politiker. Bei den speziell auf Jugendliche ausgerichtete Anträgen gab es einstimmige Beschlüsse, unterschiedliche Auffassungen, abgelehnte Anträge, Wortmeldungen oder Kompromissvorschläge.

Und wie bei den Großen wurde bei Zustimmung auf den Tisch geklopft und einige Jungen kamen extra für die Ratssitzung im Anzug und trugen Krawatte. Bei so viel Diskussionsstoff verlor sogar einmal Sitzungsleiter Heidinger kurz den Überblick. Als er auf eine richtige Formulierung hinweisen wollte, musste er sich selbst korrigieren und konnte über sich lachen - schließlich passierte es wegen "des unsauberen Lesens meiner eigenen Satzung".

Das Fazit der spannenden Diskussion fiel zum Ende bei allen Beteiligten positiv aus. Die Schüler waren nach der leichten Anfangsnervosität wieder erleichtert und hoffen selbst, dass viele Gleichaltrige auch bald Gefallen an der Politik bekommen.

Dinslakens Bürgermeister würde dies sehr begrüßen: "Die Veranstaltung fand ganz bewusst in unseren heiligen Hallen statt, damit man sieht, wie ernst wir es mit den Jugendlichen meinen. Jeden, der mit dem Gedanken spielt, sich in der Politik zu engagieren, kann ich nur dazu ermutigen. Die Politik steht vor einem Generationenumbruch und braucht junge Leute, die heutzutage in den Parteien auch schnell Verantwortung übernehmen können. Deshalb haben wir hohes Interesse an der Veranstaltung und der Kooperation, weil sie den jungen Menschen auch eine große Chance bietet."

Quelle: RP
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