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Dinslaken
Sozialdemokraten feiern 125. Geburtstag

Dinslaken: Sozialdemokraten feiern 125. Geburtstag
Wilhelm Lantermann - hier in einer Bürgersprechstunde - prägte als Bürgermeister die Entwicklung Dinslakens nach dem Zweiten Weltkrieg. FOTO: Stadtarchiv
Dinslaken. Im März 1890 meldete der damalige Bürgermeister die ersten sozialdemokratischen Umtriebe in Dinslaken. Dies betrachtet die SPD als Geburtsstunde der Partei in der Stadt und feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen.

Eine offizielle Gründungsurkunde gibt es nicht. Dafür aber eine Akte im Stadtarchiv mit der Aufschrift "Acta Specialia betreffend: Sozialdemokratie". In regelmäßigen Abständen musste der damalige Bürgermeister dem königlichen Landrat in Ruhrort über eventuelle Aktivitäten von Sozialdemokraten berichten. Das hatte er bis dato verneinen können. Doch mit Datum vom 6. März 1890 berichtete er, "dass, wie es scheint, die sozialdemokratische Bewegung sich langsam auch auf die ländlichen Bezirke ausdehnt, denn wenn seit einer Reihe von Jahren auch nicht eine Stimme für einen sozialdemokratischen Abgeordneten-Kandidaten abgegeben ist, so kann das von der letzten Wahl (20. Februar 1890) nicht mehr gesagt werden, weil in den hiesigen drei ländlichen Bezirken im ganzen sechs Stimmen abgegeben wurden". Diese erste öffentliche Erwähnung vor 125 Jahren gilt der Sozialdemokratie heute als Geburtsstunde ihrer Partei in Dinslaken. Sicherlich wird es auch vorher schon Genossen in der Stadt gegeben haben, doch hielten die sich - es war die Zeit der Sozialistengesetze - im Verborgenen. 1890 liefen die Sozialistengesetze aus, und die SPD erzielte mit einem Stimmanteil von 19,7 Prozent bei den Reichstagswahlen ihr bis dahin bestes Ergebnis.

Wahlkampf 1926

Bis die SPD im Dinslakener Stadtrat vertreten war, sollte es aber noch Jahre dauern. Die ersten Sozialdemokraten, die es in den Dinslakener Rat schafften, waren der Drahtzieher August Achenbach und der Bergmann Karl Hantel. Ihre erste Sitzung war am 11. März 1918. Im innerparteilichen Konflikt nach dem Ersten Weltkrieg, der zur Spaltung der SPD führte, verhielten sich die Dinslakener Sozialdemokraten loyal zur Mehrheits-SPD und stützten die Weimarer Republik. Diese Linie vertrat auch der aus der Duisburger SPD kommende Wilhelm Schluchmann, der von 1920 bis 1930 Landrat des Kreises Dinslaken war. Bei der Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung im Januar 1919 erreichte die SPD in Dinslaken 35 Prozent und war damit stärkste Partei vor Ort. Doch schon bei den Reichstagswahlen im Juni des folgenden Jahres stürzte sie ab und landete mit 20,5 Prozent noch hinter der gerade erst gegründeten KPD. In die Zeit der Weimarer Republik fiel auch in Dinslaken die Gründung mehrerer sozialdemokratischer Organisationen - Arbeiter-Sängerbund, Reichsbanner, und Arbeiter-Radsportbund. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 setzte Entwicklung der SPD ein Ende. Sie wurde verboten, ihre Mitglieder gingen in den Untergrund. Peter Bailly, Wilhelm Bültjes und Richard Drescher etwa wurden als Angehörige des sogenannten Runge-Kreises verhaftet, überlebten und setzten ihre politische Arbeit nach 1945 im Dinslakener Rat fort.

Nach dem Ende der Naziherrschaft trat am 26. September 1946 erstmals der neu gewählte Stadtrat zusammen. Bürgermeister wurde ein Sozialdemokrat, der als Beamter bei der Stadt Dinslaken gearbeitet hatte, aber von den Nazi am 8. November 1933 entlassen worden war, weil er "überzeugter Anhänger und aktiver Funktionär der SPD" war. Wilhelm Lantermann sollte die Geschicke Dinslakens in den kommenden 27 Jahren entscheidend prägen - genau wie seine Partei, die immer mehr an Einfluss gewann und bei den Ratswahlen 1957 die absolute Mehrheit erreichte, die sie bis 1999 nicht mehr abgeben sollte.

Wilhelm Lantermann genoss in Dinslaken hohe Anerkennung und arbeitete rastlos für die Interessen der Stadt, bis er am 11. Mai 1973 während einer Ratssitzung starb. Sein Nachfolger wurde Karl-Heinz Klingen, der in Dinslaken ebenfalls erhebliche Popularität erreichte. Diesem folgte als letzter ehrenamtlicher Bürgermeister Kurt Altena. Die Änderung der Kommunalverfassung, die die Ämter von ehrenamtlichen Bürgermeister und Verwaltungschef zu einem hauptamtlichen Bürgermeister verschmolz, und eine allgemeine Schwäche der SPD, führte zum Machtverlust der Sozialdemokraten in Dinslaken. CDU-Kandidatin Sabine Weiss fuhr 1999 gegen den Sozialdemokraten Wilfried Fellmeth, der zuvor Stadtdirektor war, einen großen Sieg ein. Zehn Jahre blieb sie Bürgermeisterin, bis sie sich für eine Bundestagskandidatur entschied. Die Sozialdemokraten schickten Michael Heidinger ins Rennen um den Rathauschefsessel. Der eroberte ihn für die SPD zurück. Im vergangenen Jahr bestätigten ihn die Dinslakener mit einem eindrucksvollen Stimmergebnis im Amt.

Aber nicht nur die Bürgermeister, die sie stellte, prägten das Gesicht der Dinslakener SPD in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Peter Bailly, von den Nationalsozialisten zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und von 1964 bis 1974 Landrat, gehört sicher dazu, auch die beiden Landtagsabgeordneten Franz Brodowski und Horst Vöge und viele Rats- und Parteimitglieder wie die langjährige stellvertretende Bürgermeisterin Margarete Humpert, um nur ein Beispiel zu nennen.

Quelle: RP
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