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Dinslaken/Voerde/Hünxe
Sparkasse: Bürgermeister kontert Kritik

Dinslaken/Voerde/Hünxe: Sparkasse: Bürgermeister kontert Kritik
Die Sparkasse Dinslaken kämpft weiter mit den Folgen eines über Jahre ausgesprochen risikoreich geführten Kreditgeschäfts. FOTO: Martin Büttner
Dinslaken/Voerde/Hünxe. "Das ist hanebüchener Unsinn." Mit diesem Satz, den er wörtlich zitiert wissen wollte, wies gestern Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger die neuerliche Kritik an seiner Rolle beim Finanzdesaster der Sparkasse zurück. Von Jörg Werner

Der Rathauschef griff auch gestern - wie eigentlich immer, wenn es um die Sparkasse geht - zu starken Worten. Die Online Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat - wie berichtet - in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum "Correktiv" einen allgemeinen Sparkassen-Check gestartet und sich dabei intensiv damit beschäftigt, wie es dazu kommen konnte, dass die Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe im Geschäftsjahr 2014 einen Verlust von 13 Millionen Euro ausweisen musste, was zur nun von der Politik beschlossenen Fusion mit der Verbands-Sparkasse Wesel geführt hat.

Der Autor des Artikels beleuchtet dabei auch Heidingers Rolle als Vorsitzender des Verwaltungsrates und des Risikoausschusses der Sparkasse. Er macht als einen Grund der Sparkassenprobleme "das Gekungel mit den Politiken vor Ort" aus und stellt die Frage, inwieweit ein Bürgermeister, der politisches Interesse daran hat, dass Investitionen und damit Arbeitsplätze in die Stadt kommen, in der Position eines der wichtigsten Kontrolleure des Geldinstituts richtig ist.

"Mir fehlt jedwede Fantasie zu erkennen, welches Interesse ein Bürgermeister daran haben sollte, dass die Sparkasse Kredite vergibt, von denen von vorneherein klar ist, dass sie ausfallen werden", sagte Heidinger. Das sei ökonomischer Blödsinn, denn ein Geldinstitut, dem es schlecht gehe, zahle weder Gewerbesteuern noch könne es Spenden ausschütten.

FAZ online und Correktiv dagegen kritisieren, dass die Sparkasse Dinslaken "zu viele Kredite offenbar zu nachlässig" vergeben habe - insbesondere an Unternehmen und Selbstständige. 15 Prozent davon seien nicht in der vereinbarten Zeit zurückgezahlt worden, was ein absoluter Spitzenwert in der Branche sei.

Nicht von der Hand zu weisen, das räumte auch Dinslakens Bürgermeister ein, sei, dass die Sparkasse traditionell ein sehr kreditlastiges Institut gewesen sei. Das könne man kritisieren, und die Aufsichtsgremien hätte ja auch, als im Jahr 2010 erkennbar geworden sei, welche Probleme dies verursache, energisch gegengesteuert, was zu einer deutlich restriktiveren Kreditvergabe geführt habe. Ein solch restriktiverer Kurs habe logischerweise aber auch die Konsequenz gehabt, dass es dem Geldinstitut schwerer gefallen sei, Gewinne zu erzielen. Aber auch damit wäre man fertig geworden, wenn nicht die Niedrigzinsphase eingesetzt hätte. Die habe dazu geführt, dass die Erträge nicht mehr ausgereicht hätten, das notwendige Eigenkapital aufzubauen, so dass es jetzt zur Fusion mit der Verbands-Sparkasse Wesel komme, sagte Heidinger.

Trotz des vom Bürgermeister behaupteten energischen Gegensteuerns seit 2010 hat die Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe weiter mit erheblichen Ausfallrisiken zu kämpfen. "Die Risikolage im Kundenkreditgeschäft ist trotz anhaltender Bemühungen, Risiken im Kreditgeschäft abzubauen, weiterhin sehr angespannt", heißt es dazu im Geschäftsbericht für das Jahr 2014.

Die Verbandsversammlung der Sparkasse hat es gestern Abend übrigens nicht mehr für nötig befunden, über diesen Geschäftsbericht zu diskutieren. Sie hat den Jahresabschluss 2014 festgestellt, Sparkassenvorstand und Verwaltungsrat ohne Gegenstimme Entlastung erteilt und - in diesem Fall auch an die Beschlüsse der Räte gebunden - die Fusion mit der Weseler Sparkasse auf den Weg gebracht.

Quelle: RP
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