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Der MSV steckt in einer sportlichen Talsohle

Lokalsport: Der MSV steckt in einer sportlichen Talsohle
Im Duell mit dem letztjährigen Aufstiegskonkurrenten Kiel gelang Martin Dausch und Co. nicht sehr viel. FOTO: MSV
Belek. Ganz schwache Leistungen beim 0:1 gegen Kiel. Heute kommt ein neuer Stürmer, der zuletzt in Portugal gespielt haben soll. Von Dirk Retzlaff

In Belek hat der Sturm Einzug gehalten. Die Palmen auf der Anlage des Kaya Palazzo stemmen sich gegen die Wucht des Windes, die Brandung der türkischen Riviera wirkt bedrohlich, die Hotelangestellten haben die Sonnenstühle vorsorglich sicher verstaut. Ilia Gruev, Trainer des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg, sorgt sich in der Türkei weniger um das Wetter. Der 46-Jährige erlebte am Samstag im Trainingslager kein meteorologisches, sondern ein sportliches Tief. Die 0:1-Testspielniederlage gegen Drittligist Holstein Kiel traf den Coach erheblich. Doch er hält es wie die Palmen im Wind: Er stemmt sich entgegen.

Natürlich: Es war nur ein Testspiel. Ergebnisse sind in der Regel zweitrangig. Aber sie sagen trotzdem etwas aus. Die Botschaft nach dem 0:6 gegen den 1. FC Köln und dem 0:1 gegen die abstiegsbedrohten Drittliga-Fußballer aus Kiel ist keine gute. Ilia Gruev weiß das. 20 Minuten nach dem Match sitzt der Bulgare in der Hotellobby, bestellt sich auf Türkisch einen Tee und sagt dann auf Deutsch: "So ein Spiel möchte ich nicht mehr sehen."

Die Müdigkeit im Zuge der harten Arbeit in einem Trainingslager ist ein probates Argument, um schwache Testspielleistungen zu erklären. Im aktuellen Fall kommt hinzu, dass der letztjährige Fast-Aufsteiger Holstein Kiel, der nun in der 3. Liga gegen den Abstieg kämpft, schon zehn Tage weiter ist und am Wochenende wieder in den Spielbetrieb einsteigt. Ilia Gruev lässt das alles aber nicht gelten: "Ich weiß, dass die Spieler müde sind. Aber ich verlange, dass sie trotzdem Grenzen überschreiten. Du musst dich in solchen Situationen auf dem Platz quälen. Und das habe ich im Spiel gegen Kiel nicht gesehen. So kannst du dich nicht präsentieren." Der Coach stellte zudem frustriert fest: "Da war kein Leben drin." Gab es trotzdem noch gute Ansätze? Gruev nippt an seinem Tee und schüttelt den Kopf: "Nein, es ist mir nichts aufgefallen."

Besonders erschreckend: Der MSV spielte sich - wohlwollend betrachtet - gegen Kiel zwei Torchancen heraus. Hinzu kamen zwei 17-Meter-Freistöße von Zlatko Janjic, die weit über dem Kieler Tor landeten. Nicht nur die Fans, die während des Spiels "Aufhören-Sprechchöre" anstimmten, waren entsetzt vom Auftritt der Zebras. Auch Präsident Ingo Wald, Verwaltungsratschef Markus Räuber und Geschäftsführer Peter Mohnhaupt hatten sich von dem Testspiel deutlich mehr erhofft. Ingo Wald: "Ich habe mit einzelnen Spielern gesprochen. Sie waren selbst erschrocken darüber, wie sie sich präsentiert haben."

Einerseits wurde einmal mehr deutlich, wie sehr ein Mann wie Victor Obinna im Mittelfeld fehlt, andererseits ist die Schwäche im Sturm eklatant. Letzteres soll sich heute ändern. Sportdirektor Ivica Grlic erwartet heute den neuen Stürmer. Grlic gestern: "Wir sind mit dem Spieler klar. Er sitzt auf gepackten Koffern. Es sind aber noch Kleinigkeiten mit dem abgebenden Verein zu klären."

Der neue Mann soll 23 Jahre alt sein, zuletzt regelmäßig gespielt haben und dürfte demnach die erforderliche Matchfitness vorweisen. Der Stürmer soll auf Leihbasis bis zum Saisonende beim Schlusslicht anheuern. Dem Vernehmen nach soll er zuletzt in Portugal am Ball gewesen sein. Zwei Namen, die ins Profil passen: Arnold Issoko (DR Kongo, Vitoria Setubal) und Simeon Tuchukwu Nwanko, kurz: Simmy (Nigeria, Gil Vicente FC).

Schon bevor der neue Stürmer auch nur einen Fuß ins Trainingsquartier des MSV gesetzt hat, muss er damit umgehen können, dass er als "Heilsbringer" kommt. Seine Tore sollen den Zebras, die bislang in 17 Spielen nur 15 Tore erzielten, den Klassenerhalt bescheren. Morgen im Test gegen Viktoria Pilsen kann der Mann bereits unter Beweis stellen, was er wert ist.

Ilia Gruev hat sich das Spiel gegen Kiel dann doch noch einmal angeschaut und mit seinem Team Videoanalyse betrieben. Gegen Pilsen soll es morgen besser laufen. Vielleicht wird Gruev in den nächsten Tagen das Training etwas anders dosieren. Allerdings stellt er klar: "Ich nehme keine Rücksicht. Ich ziehe das Programm durch."

Quelle: RP
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