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Streit ums Geld bei Hiesfelds Fußballern

Lokalsport: Streit ums Geld bei Hiesfelds Fußballern
Das Lachen dürfte ihnen vergangen sein. Manager Harald Plank (links) und Trainer Jörg Vollack wissen nicht, ob es eine weitere Oberliga-Saison in Hiesfeld gibt. FOTO: Archiv
Dinslaken-Hiesfeld. Ralf Wind, der neue Geschäftsführer des TV Jahn Hiesfeld, setzt den Kickern mit neuen Verträgen die Pistole auf die Brust. Doch die Mannschaft wehrt sich und erwägt sogar einen Boykott für das Pokalspiel am Sonntag in Repelen. Von Hendrik Gaasterland

Während die Fußballer des TV Jahn Hiesfeld am Dienstag im neunten Vorbereitungsspiel ihren achten Sieg einfuhren, spielte Ralf Wind direkt nebenan auf der Tennisanlage in Seelenruhe zunächst ein Einzel und dann ein Doppel.

Der Geschäftsführer des Hauptvorstandes hatte zuvor dem in der vergangenen Woche zurückgetretenen Fußball-Abteilungsleiter Thomas Bökelmann Briefe an die Spieler in die Hand gedrückt, die bei der schlechten Stimmung hinter den Hiesfelder Kulissen - wenn es um das Finanzielle geht, nicht um das Sportliche - das Fass zum Überlaufen brachten. Die Mannschaft erwägt sogar einen Boykott für das Niederrheinpokalspiel am Sonntag in Repelen. Die Situation soll nur noch schwer zu kitten sein, ist aus dem Team zu hören. Ob heute trainiert wird, stand am freien Tag gestern nicht fest.

Die Trainingskiebitze staunten schon zu Beginn der Vorbereitung für diese Saison nicht schlecht, als eine Übungseinheit seitens der Mannschaft boykottiert wurde und komplett ausfiel. Damals ging es noch um ausstehende Zahlungen aus der vergangenen Saison. Es soll sich um eine Gesamtsumme zwischen 15 000 und 20 000 Euro handeln. Auch Spieler, die den Verein im Sommer verließen, warten noch auf ihr Geld. Geschäftsführer Wind sagt aber, dass alle vertraglichen Verpflichtungen fristgerecht erfüllt wurden. Das teilte er den Betroffenen per Post mit. Auf telefonische Nachfrage betonte gestern noch einmal, dass es keine offenen Rechnungen mehr gäbe.

Eine Stellungnahme zu den verteilten Briefen wollte der Geschäftsführer aber nicht abgeben. Es handele sich um vereinsinterne und vertrauliche Angelegenheiten, die nicht an die Öffentlichkeit gehören. Der RP-Redaktion ist aber bekannt, dass der Hauptverein mindestens 15 Spielern den Status des Vertragsamateurs wegnehmen will. Damit würde die Berufsgenossenschaftsabsicherung wegfallen und der Verein jede Menge Geld sparen. Deshalb ließ Wind neue Verträge verteilen, die in den Umschlägen steckten. Außerdem wurden völlig unübliche Bedingungen in den Verträgen verankert. Zum Beispiel sollen gesperrte Spieler nach einer Roten Karte kein Gehalt mehr bekommen. "Entweder man akzeptiert die neuen Verträge oder der alte wird aufgelöst. Das ist die Vorstellung von Herrn Wind. Es ist doch damit klar, dass der Hauptvorstand uns auflösen will", sagt ein Insider, der nicht genannt werden möchte.

Von einem Rückzug aus der Oberliga, über den gestern in diversen Netzwerken spekuliert wurde, wollte der Geschäftsführer auf Anfrage nichts wissen. Dies würde der Verein schon selbst mitteilen. Dass die Mannschaft einen Boykott erwägt, war ihm am Nachmittag auch noch neu. Das konnte er sagen, obwohl der Vorstand doch angeblich "mit den Spielern in Kontakt steht". Wann der Verein das nächste Gespräch mit den Kickern sucht, ließ Wind unbeantwortet.

Klaus Kohaupt, Technischer Leiter der Fußball-Abteilung, würde es sich wünschen, dass die Mannschaft am Sonntag im Pokal antritt und dann eine Einigung gefunden wird.

Doch danach sieht es momentan wahrlich nicht aus. Wind scheint seiner rigorosen Linie treu zu bleiben und nach dem Rückzug der Handballabteilung auch auf Oberliga-Fußball in Hiesfeld verzichten zu können. "Das Heft des Handelns hat nicht die Fußballabteilung, sondern der Hauptvorstand in der Hand", sagte gestern Harald Plank. Für ihn müsste ein Rückzug eine besonders bittere Pille sein. Er führte als Manager und Sponsor den TV Jahn aus der Bezirksliga bis in die Oberliga, wo die "Veilchen" zu einer guten Adresse wurden. Bis ins Finale des Niederrheinpokals gegen den MSV Duisburg schaffte es die Mannschaft noch vor einem Jahr. Über 100 000 Euro flossen dadurch in die Vereinskasse. Geld, mit dem die Oberliga-Truppe fast eine ganze Saison lang ohne Sponsoren hätte bezahlt werden können. "Umso abenteuerlicher ist es, warum Herr Wind mit den neuen Verträgen kurz vor dem Saisonstart für eine derartige Unruhe sorgt. Das kann keiner nachvollziehen und deshalb werden die Verträge auch nicht unterschrieben", ist aus dem Mannschaftskreis zu hören.

Eine ungeschlagene Vorbereitung scheint bald völlig wertlos zu werden.

Quelle: RP
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