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IS-Anhänger aus Dinslaken
Staatsanwalt fordert Haft für Nils D.

IS-Terrormiliz: Prozess gegen Nils D. startet
IS-Terrormiliz: Prozess gegen Nils D. startet FOTO: dpa, fg lof
Düsseldorf. Die Bundesanwaltschaft hat für den geständigen IS-Anhänger Nils D. aus Dinslaken vier Jahre und neun Monate Haft beantragt. Der 25-Jährige habe dem IS die Treue geschworen und im sogenannten Sturmtrupp "bis an die Zähne bewaffnet" gedient.

"Er konnte die Schreie der Gefolterten Tag und Nacht hören und konnte die Folter auch sehen." Doch dies habe D. kalt gelassen. Nach öffentlichen Enthauptungen und Erschießungen sei er ungerührt an abgeschlagenen Köpfen vorbei zum Essen gegangen. Die Leiche eines Folteropfers habe er auf einer Müllkippe vergraben, anstatt sie gemäß den Regeln des Islam der Familie zu übergeben.

Noch nach seiner Rückkehr nach Deutschland habe der 25-Jährige "beunruhigende Lobpreisungen" des IS kundgetan, gab die Bundesanwaltschaft an. Die Gefahr einer erneuten Hinwendung sei keinesfalls gebannt: Gestanden habe er schließlich erst, als die Ermittler eine erdrückende Beweislast gegen ihn zusammengetragen hätten.

Umfassendes Geständnis abgelegt

Andererseits sei sein umfassendes Geständnis eine "Goldgrube" für die Ermittler: D. hat der Bundesanwaltschaft zufolge Straftaten und Strukturen aufgedeckt sowie mindestens zwölf Personen belastet. Gegen fünf von ihnen seien dadurch bereits Haftbefehle beantragt oder in Planung. Zudem sei er in der IS-Hierarchie eher am unteren Ende einzuordnen. Der 25-Jährige war vor gut einem Jahr nach seiner Rückkehr nach Deutschland festgenommen worden.

Die Vertreter der Behörde gaben an, dass der IS für Hunderte Autobombenanschläge und äußerste Brutalität verantwortlich sei. Außerdem verbreite er seine Gräueltaten an Zivilisten medienwirksam. "Frauen und Kinder werden von ihm als Kriegsbeute versklavt, verschleppt und vergewaltigt." 

Angeklagter distanziert sich vom IS

"Ich hoffe, sie haben gemerkt, dass ich mich vom IS distanziere und mit diesen Leuten nichts mehr zu tun haben will", sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort. "Die schneiden Babys die Kehle durch und lassen die Eltern dabei zuschauen. Da läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Ich komme aus einer christlichen Familie, die hätten mit meiner Tochter das Gleiche gemacht."

Nils D. habe statt eines Lippenbekenntnisses der Reue mit einem ehrlichen Geständnis Taten sprechen lassen und sich dabei auch selbst belastet, sagte sein Verteidiger. Er habe bereits weit früher den Entschluss gefasst, diesem "Verbrecherhaufen" den Rücken zu kehren.
"Da kann man aber nicht sagen: "Ich bin dann mal weg". Deserteure werden getötet. Fertig."

Mitglied der Geheimpolizei

Der Angeklagte habe als Mitglied der Geheimpolizei des IS dessen "Kerngeschäft" verrichtet, nämlich die Bevölkerung einzuschüchtern. Bewaffnet mit Kalaschnikow, Handgranaten und Sprengstoffgürtel habe er mit seinen Komplizen Häuser umstellt und vermeintliche Spione den Foltergefängnissen zugeführt.      

In Dinslaken wurde der Hauptschüler alias "Abu Ibrahim" schon mit 15 Vater. Noch während der Ausbildung kündigte ihm sein Arbeitgeber. Er fiel durch Drogenkonsum und Diebstähle auf. Über seinen Cousin Philip B., der sich später bei einem Autobombenanschlag in die Luft sprengte, geriet er in salafistische Kreise. Der Bundesanwaltschaft zufolge hat er wegen Drogen- und Eigentumsdelikten bereits neun Eintragungen im Vorstrafenregister.

Mitglied der "Lohberger Brigade"

D. wurde Mitglied der "Lohberger Brigade", einer Salafistengruppe, die sich aus Dinslaken-Lohberg nach Syrien absetzte. Während seiner Zeit als Terrorist in Syrien hat er unter Bewährung gestanden. Das Urteil gegen ihn will das Gericht in einer Woche verkünden. 

(lukra/lnw)
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