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Dinslaken-Hiesfeld
Stadt plant wieder mit Notgruppen in den Kitas

Dinslaken-Hiesfeld: Stadt plant wieder mit Notgruppen in den Kitas
Gurbet Celik holt ihre Tochter Viyan aus der Kindertagesstätte an der Riemenschneiderstraße ab und fordert für die Erzieherinnen mehr Geld. FOTO: büttner
Dinslaken-Hiesfeld. Sind weitere Kita-Streiks gerechtfertigt oder nicht? Die Meinungen von Eltern fallen unterschiedlich aus. Wie beim ersten Streik vor den Ferien will die Stadt dafür sorgen, dass einige Kinder betreut werden. Von Hendrik Gaasterland

Einige Eltern hatten aus dem Radio und aus der Zeitung am Montagmorgen davon erfahren: Wenn am Donnerstag weitere Verhandlungen scheitern, dann drohen auch in Dinslakener Kitas ab September wieder Streiks. Die Eltern von der städtischen Kindertageseinrichtung an der Riemenschneiderstraße in Hiesfeld reagierten auf die Nachricht mit unterschiedlichen Meinungen.

Mutter Gurbet Celik kann es "voll und ganz" nachvollziehen, dass die Erzieherinnen und Sozialarbeiter eine zweite Streikwelle ankündigen, wenn bei der anstehenden Verhandlungsrunde keine Einigung getroffen wird. Beim ersten Streik blieb Tochter Viyan drei Wochen zu Hause. Weil die Mutter aber momentan nicht berufstätig ist, war dies kein Problem. "Viyan hat nur ihre Freunde vermisst. Ansonsten haben wir unter dem Streik nicht gelitten", berichtet Gurbet Celik, die höhere Löhne und Gehälter für das Personal fordert: "Als zweifache Mutter weiß ich, was die Erzieherinnen leisten und wie hart ihr Job sein kann. Wenn man sieht, wie überfüllt die Gruppen sind, dann finde ich, dass die Leute mehr verdienen sollten."

Kay Kühnen zeigt dagegen kein Verständnis. Er kann nicht verstehen, warum die Erzieherinnen bereits einmal gestreikt haben und nun beim jüngsten Schlichtungsversuch auch noch ein durchschnittliches Gehaltsplus von 3,2 Prozent ablehnten. Im Gegensatz zu Gurbet Celik sind der Dinslakener und seine Frau beide berufstätig und mussten zusehen, wie ihre zwei Töchter während des Streiks in der Kita zu Hause betreut werden konnten. "Ich bin selbst Krankenpfleger und werde meiner Meinung nach auch nicht gut bezahlt. Aber was wäre denn, wenn ich jetzt auch einfach zu Hause bleiben würde, um mehr Geld einzufordern? Bei mir würden vielleicht deswegen Menschen sterben, also geht das nicht. Deshalb finde ich das Verhalten der Erzieherinnen nicht in Ordnung - und ihre Gehaltsvorstellungen sind auch nicht angemessen. Eine Steigerung von 3,2 Prozent wäre doch okay."

Beim ersten Streik im Mai und Juni, der vier Wochen andauerte, beteiligten sich in Dinslaken so viele Erzieherinnen an der Aktion, dass die Stadt zwei Notgruppen einrichtete. "Am Anfang haben sich die Eltern noch ruhig verhalten, aber mit zunehmender Streikdauer wurde der Unmut immer größer", erinnert sich Horst Dickhäuser von der Pressestelle der Stadt. Er wartet die Entwicklung der nächsten Tage ab: "Wir lassen die Verhandlungsrunde am Donnerstag jetzt auf uns zukommen, und falls es wieder zu Streiks kommen sollte, dann werden wir uns darum bemühen, auch erneut Notgruppen anzubieten", sagt Dickhäuser.

Die Kinder, bei denen die Dringlichkeit der Betreuung auf Grund von beruflichen und zeitlichen Gründen der Eltern am höchsten erscheint, werden dann als erstes den Notgruppen zugewiesen.

Für einen Vater, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sind Notgruppen und Streiks keine Dauerlösung. "Streiks werden ja immer auf dem Rücken anderer ausgetragen. Einerseits sollen Menschen angemessen bezahlt werden, wenn sie gute Arbeit leisten. Aber es kann auch nicht sein, dass Familien bei langen Streiks vor große Probleme gestellt werden."

Quelle: RP
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