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Flohmarkt
Fliegender Handelsplatz am Bergparkweiher

Flohmarkt in Dinslaken: Fliegender Handelsplatz am Bergparkweiher
Die international tätige Künstlerin Jule Osten vor dem bunten Treiben des von ihr kuratierten Parkmarkts in Lohberg. FOTO: Markus Joosten
Dinslaken. Alte Spielsachen, Kleidung und dazwischen Zeugnisse von bergmännischer Kultur, Musik und ganz individuelle Liebhabereien. Dass mancher schon auf einem Flohmarkt verkannte Kunst zwischen Krempel gefunden hat, gehört zu den wahren Geschichten, die sich um solche fliegenden Handelsplätze ranken. Dass aber der Flohmarkt selbst als Kunststück betrachtet wird, brachte erst die zeitgenössische soziale Kunst hervor.

Also zurück zum bunten Treiben rund um die alten Sachen, das am Tag der Deutschen Einheit schon zu Beginn um 12 Uhr die Besucher in Scharen zum Wasserturm am Bergparkweiher in Lohberg lockte. Die Bremer Künstlerin Jule Osten hat für den Verein Parkwerk - selbst ein soziales Kunstprojekt - den ersten Parkmarkt - kuratiert. "Ein Theaterstück, in dem jedes Mal die Rollen umbesetzt werden", wie Osten es selbst beschreibt, inszeniert nach einem Skript, mit dem sie schon bis nach Detroit öffentliche Plätze mit Leben gefüllt hat. Anbieter und Besucher sprachen weniger über solch kunsttheoretische Ansätze. Sie ließen sich dagegen von der lockeren, entspannten Atmosphäre verzaubern. So zum Beispiel Kornelia Bleckmann aus Voerde-Friedrichsfeld. Für eine Kuchenspende statt der woanders üblichen Standmiete hat sie ihren vor dem Wasserturm aufgebaut und kommt ins Schwärmen: "Eine tolle Idee, ein nettes Publikum und so eine schöne Landschaft", sagt sie.

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Was die Lohberger so alles zu Hause hatten: bayrische Bierkrüge mit König Ludwig. Ganz Typisches dagegen bietet Jörn Beckmann an: die heilige Barbara auf Kohle, eine Messinglore, Medaillen und Teller mit Bergbaumotiven. "Was in 45 Berufsjahren halt zusammenkommt." Sein Vater war Bergmann und hat alles, was damit zu tun hatte, gesammelt. "Zwei komplette Räume füllte die Sammlung, dies hier sind die Reste." Bis auf das, was sein Sohn selbst aus persönlicher Erinnerung heraus behält. "Er war auf Osterfeld, ich war auf Osterfeld. Alles, was damit zu tun hat, behalte ich." Die einen sammeln Erinnerungen ihres Arbeitslebens. "Andere halt Briefmarken", sagt Bernd Wilhelm. Er selbst sammelt Keramik-Schädel. Warum? "Das ist eine echt gute Frage. Man wurde irgendwie mal angetitscht." 30 bis 40 Stück, schätzt er, hat er noch zu Hause. Aber die, die vor ihm auf dem Tisch liegen, bietet er nun zum Kauf an: Tassen, Nippesfiguren, sogar ein überlebensgroßes Exemplar als elektrische Lampe.

Raphael Beck sorgt mit seinem Duopartner für Livemusik, Susanne Gülzau, die stellvertretende Vorsitzende vom Parkwerk, quiltet mit anderen Frauen den Schriftzug ihres Vereins. Das Buffet mit türkischen Spezialitäten und den Kuchenspenden ist eröffnet. Zugreifen oder doch vorher noch eine Runde drehen, bevor der Markt leergekauft ist? Auf dem Tisch vor Bernd Wilhelm herrscht gähnende Leere. "Wo sind die Schädel hin?" - "Alle weg. Jemand, der seine Sammlung gerade erst aufbaut, hat sie alle komplett genommen." bes

Quelle: RP
 
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