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Voerde/Dinslaken
Steag-Krise reißt in Dinslaken Millionenloch

Voerde/Dinslaken: Steag-Krise reißt in Dinslaken Millionenloch
Zwei der vier Blöcke werden 2017 vom Netz genommen. FOTO: Lars Fröhlich
Voerde/Dinslaken. Bundesnetzagentur stimmt RWE-Antrag auf Stilllegung zweier Blöcke in Voerde zu. Von Michael Turek

Der Himmel über dem Kraftwerk in Möllen scheint seit Montag noch düsterer zu sein, als er schon seit einigen Monaten ist, nachdem bekannt wurde, dass RWE zwei Blöcke stilllegen wird. Die nächste Hiobsbotschaft folgte mit der Steag-Ankündigung, in den nächsten Jahren 800 bis 1000 Arbeitsplätze abbauen und auch auf eine Ausschüttung verzichten zu wollen. Es ist zu befürchten, dass damit das Aus der anderen beiden Blöcke eingeläutet ist. Noch, so heißt es, seien bei der Steag keine Entscheidungen über Stilllegungen getroffen worden.

RWE hat zum Ende des ersten Quartals 2017 die Stilllegung der zwei Blöcke des Kraftwerks "Voerde" bei der Bundesnetzagentur beantragt. Und sie hat die in Frage kommenden Blöcke als nicht systemrelevant eingestuft. Sie können also wie geplant zum 31. März 2017 vom Netz genommen werden, weil sie keine Rolle für die Versorgungssicherheit spielen. Und nun die Steag, die bekanntlich vor einigen Jahren von einem Stadtwerke-Konsortium übernommen wurde. Zu diesem Konsortium gehören auch die Stadtwerke Dinslaken, die sechs Prozent der Anteile halten. Wie Wolfgang Kammann, Pressesprecher der Stadtwerke, gestern auf Anfrage erklärte, habe man sich wie die anderen Konsortialpartner, die über die Kommunale Beteiligungsgesellschaft (KSBG) die Mehrheit an der Steag halten, darauf eingestellt, dass man in den kommenden Jahren keine Ausschüttung von der Steag erhalten werde. Voraussichtlich ab 2020 werde die Steag wieder eine Dividende zahlen.

Bei den Stadtwerken Dinslaken geht man davon aus, dass die Gewinnabführung so ausfalle, dass die Finanzverbindlichkeiten der kommunalen Eigentümer abgedeckt werden. Um die Steag zu übernehmen, hatten die beteiligten Stadtwerke Kredite aufgenommen.

Seit 2012 hat die Steag in der Regel 80 Millionen Euro an die KSBG, ausgeschüttet. Die Konsortionalpartner erhielten hiervon 31 Millionen Euro. Die Stadtwerke Dinslaken haben in den vergangenen vier Jahren insgesamt 6,72 Millionen Euro erhalten. Allein im vergangenen Jahr waren es 1,86 Millionen Euro. "Für 2016 wurde eine Reduzierung dieser Ausschüttung auf 40 Prozent eingeplant", so Kammann.

Das bedeutet rund eine Million Euro weniger. Diesen Ausfall werden die Stadtwerke Dinslaken kurz- und mittelfristig durch Kostensenkungen und Einsparungen auffangen. "Hierbei wird eine verstärkte Ausrichtung auf den Einsatz von erneuerbare Energien fokussiert", so Kammann, der betont, dass die kommunalen Haushalte aufgrund der gewählten Konstruktion bei der Übernahme der Steag nicht betroffen waren und auch künftig nicht betroffen sein werden. An der geplanten Ausschüttung der Stadtwerke Dinslaken werde sich nichts ändern, fügte er hinzu.

Voerdes Bürgermeister Dirk Haarmann bedauert die Entwicklung. Es liege nun an der Steag zu entscheiden, was mit den kleineren Blöcken des Kraftwerks West passiere. Sollten auch sie vom Netz genommen werden, werde er massiv den Rückbau des Kraftwerks fordern, um die Chance zu haben, auf dem Areal Neues zu entwickeln.

Die rund 300 Mitarbeiter am Kraftwerkstandort Möllen sind Steag-Beschäftigte. Den Betrieb der Blöcke A und B des Kraftwerks Voerde, die RWE zum 31. März 2017 stilllegen wird, sichern 110 Mitarbeiter. Um die Blöcke 1 und 2 des Kraftwerks "West" kümmern sich 70 Mitarbeiter.

Quelle: RP
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