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Dinslaken-Eppinghoven
Steinmetze arbeiten in luftiger Höhe

Dinslaken-Eppinghoven: Steinmetze arbeiten in luftiger Höhe
Roland Berns mit einem abgebrochenen Naturstein im Kirchengewölbe.
Dinslaken-Eppinghoven. Die Sankt-Johannes-Kirche in Eppinghoven wird aufwendig saniert. Dass im Erdreich menschliche Überreste gefunden wurden, stört den zeitlichen Ablauf nicht. Für Steinmetz und Restaurator Roland Berns ist der Fund kein Einzelfall. Von Hendrik Gaasterland

Die Kirche Sankt Johannes der katholischen Gemeinde in Eppinghoven gleicht zurzeit einer Großbaustelle. Seit Oktober sind mehrere Handwerksbetriebe damit beschäftigt, das Gotteshaus zu sanieren. Ein gewaltiges Gerüst, das über sechs Wochen aufgebaut wurde, füllt fast die komplette Kirche aus. Ganz oben, in der siebten Etage des Gerüsts, besprechen Architekt Thomas Serwe und der Seniorchef des Steinmetzbetriebs Berns, Hans-Gerd Berns, in rund 18 Meter Höhe die nächsten Arbeitsschritte. Die Duisburger Firma kümmert sich auf der Baustelle unter anderem um die Restaurierung der Natursteinrippen und um die des Gewölbes.

Der Architekt aus Recklinghausen hat an den bisher erledigten Arbeiten nichts auszusetzen, ist überaus zufrieden. Für Geschäftsführer Roland Berns, der in Dinslaken lebt, sind derartige Aufträge zum Alltag geworden. Das Familienunternehmen existiert in der sechsten Generation, beschäftigt auf mehreren Baustellen in ganz Nordrhein-Westfalen im Winter rund 20 Mitarbeiter, in den Sommermonaten um die 30 Menschen. "Mit einem Steinmetz verbinden die meisten Leute nur Grabsteine, vielleicht fehlt es deshalb auch an Nachwuchs. Es wissen die wenigsten, dass wir aber auch moderne Ausstattungen und Restaurierungen machen. Berns ist früh in den Baubereich gegangen, was uns jetzt zugute kommt - zumal das Grabsteingeschäft rückläufig ist", erzählt der 40-Jährige, der mit dem Familienbetrieb parallel die Duisburger Stadtmauer restauriert, aber auch schon im Duisburger Rathausturm in 84 Meter Höhe, an der Salvatorkirche oder über sechs Jahre lang an den Gebäuden des Museums Folkwang in Essen arbeitete: "Wir haben uns nicht nur das kaufmännische, sondern auch das technische Know-how mit permanenten Weiterbildungen in den vergangenen Jahrzehnten erarbeitet."

Architekt Thomas Serwe (links) und Hans-Gerd Berns, Seniorchef des Steinmetzbetriebs Berns aus Duisburg, besprechen in rund 18 Meter Höhe unter der Kirchendecke die nächsten Arbeitsschritte. FOTO: Martin Büttner

Dass in einem Nebenraum der Sankt-Johannes-Kirche bei der Verlegung von Elektroleitungen im Erdreich zunächst ein Unterkiefer und gestern auch ein menschlicher Schädel entdeckt wurde, erlebt Roland Berns auch nicht zum ersten Mal. "Das kommt auf solchen Baustellen schon einmal vor", sagt der Geschäftsführer und Architekt Thomas Serwe erklärt, dass bald eine archäologische Ausgrabung stattfinden wird. Am weiteren Ablauf stört der Fund jedoch nicht: "Der Plan ist, dass die Kirche Ende April wieder in normalen Betrieb genommen wird. Dann ist ein halbes Jahr vorbei, und wir werden das auch schaffen."

Die letzte Sanierung erhielt das unter Denkmalschutz stehende Gebäude vor rund 30 Jahren. Der Architekt verspricht, dass die jetzige für das nächste halbe Jahrhundert halten wird. Für den neuen Anstrich wählte er eine mineralische Farbe, die nur noch abgeschliffen werden kann. Es ist ein gebrochener, warmer, monochromer Weißton, der besser als die vorherige mittelalterliche Kirchenbemalung von der Architekturtheorie zum Gebäude passen soll. Im Gewölbe, das für Thomas Serwe früher wie ein "dunkles Loch aussah", werden ab April hinter Glas mehrere LED-Strahler die oktogonförmige Kuppel zu einer Laterne indirekt beleuchten: "Mit Farbe und Licht sollen die architektonischen Grundformen der Kirche herausgestellt werden. In der Laterne geht bei Sonnenlicht die Dimmung der Strahler herunter. Ist es draußen bewölkt, wird sie erhöht, damit sie immer gleichmäßig hell ist", erklärt der Architekt seine Vorstellungen.

Ein Blick in die Johannes-Kirche: Über mehr als sechs Wochen wurde ein siebenstöckiges Baustellengerüst errichtet, das die Kirche fast komplett ausfüllt.
Quelle: RP
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