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Dinslaken
Stoßstange im Rhein wird geschweißt

Dinslaken. Für den Abriss des alten Brückenpfeilers wird weiter am Unfallschutz gearbeitet. Der erste Querriegel sitzt. Von Fritz Schubert

Als Hochwasser im Frühjahr die Reste des rechtsrheinischen Brückenpfeilers zudeckte, hatten Voreilige schon gedacht, der Abriss mitten im Rhein sei geschafft. Nun ist der Wasserstand niedrig und das noch zu bewältigende Stück Arbeit klar ersichtlich. Dennoch gewinnen Zaungäste die falschen Eindrücke. Ob denn da überhaupt noch gearbeitet werde, gab unlängst ein RP-Leser zu bedenken. Durchaus nicht grundlos, denn man musste schon genau hinsehen, um zu erkennen, welch schweißtreibende Arbeit auf der spektakulären Baustelle im Mittelpunkt stand und auch noch weiter stehen wird: Der Unfallschutz wird komplettiert, indem Querriegel vor die ins Flussbett gerammten Stahlrohre (Dalben) geschweißt werden. Damit konnte erst bei vergleichsweise niedrigem Wasserstand begonnen werden.

Je tiefer die Bagger innerhalb des Spundwand-Sechsecks dem Pfeilerrest und seiner Kiesumgebung zu Leibe rücken, desto instabiler und anfälliger wird das Kästchen. Sicherheit für den Ernstfall, die Havarie eines zu Tal rauschenden Schubverbandes, soll besagte Stoßstange bieten, die insgesamt aus fünf jeweils gut 30 Meter langen Stahlkästen besteht, die waagerecht vor jenen zwölf Dalben angebracht werden, die dem Strom die Stirn bieten. Das Anschweißen des ersten an der tiefsten Stelle ist gerade geschafft und hat drei Wochen gedauert.

Franz-Josef Scheuer vom Landesbetrieb Straßen und Klaus Brantin, Bauleiter der Firma Jaeger Umwelt und Verkehr (Bernburg) sind darüber recht froh. Nach witterungs- und hochwasserbedingten Verzögerungen im Frühjahr sei man doch jetzt seit Mai sehr gut vorangekommen, sagen sie und verweisen auf die Hauptschwierigkeit: das Verschweißen. Scheuer spricht von einem Vollanschluss der dicken Stahlplatten. "Mit einer Heftnaht geht das nicht", sagt der Ingenieur. "Das muss was aushalten, sich bei einem Anprall verformen, aber nicht kaputtgehen. Wie ein Netz, in das man einen Ball wirft."

17 Millimeter breit sind die Schweißnähte. Je Dalben kommen fast sieben Meter Nahtlänge zusammen. Mal zwölf Dalben, mal fünf Etagen ... "Das dauert eben", sagt Scheuer und visiert mit Glück Ende September als Fertigstellungstermin für den Anprallschutz an. Parallel arbeiten sich ein Minibagger und ein 30-Tonnen-Bagger im Kasten in die Tiefe, während ein dritter Bagger vom angedockten Frachter aus das Material herausholt. Zurzeit ist der Boden im Kasten etwa einen Meter unter der aktuellen Wasserlinie, und damit noch 1,50 bis zwei Meter über der Rheinsohle. Mindestens sieben Meter tiefer als jetzt wird noch zu graben zu sein. Allerdings muss zwischendurch der Spundwand-Kasten von innen verstärkt werden. Mit einem Betonring (180 Kubikmeter) und stählernen Querstreben. Sicher werden einige Hochwasser die Arbeiten noch ausbremsen, doch ist Scheuer zuversichtlich, dass der Pfeiler Mitte kommenden Jahres weg ist.

Wenn die Baustelle aufgeräumt ist, wird die Berufschifffahrt endlich den Platz haben, den sie heutzutage braucht. Der rechtsrheinische Alt-Pfeiler ist in der Kurve am Knotenpunkt Wesel (Häfen, Kanaleinfahrt etc.) ein echtes Hindernis geworden. Die Aussicht auf Demontage war mit ausschlaggebend dafür, dass sich die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am Großprojekt Rheinquerung beteiligt und eine neue Brücke bekam. Ohne Pfeiler im Strom.

Was auf dem Abschnitt zwischen Rotterdam und Duisburg los ist, weiß Klaus Brantin gut zu beschreiben. Der Abrissexperte der Firma Jaeger war mal am Mittellandkanal tätig und vom dortigen Verkehr schon sehr beeindruckt. "Aber das ist ja gar nichts gegen das hier", sagt er und macht auf einige Bergfahrer vor der Brücke aufmerksam, die ihre Maschinen gedrosselt haben und anschließend hintereinander Wesel passieren.

Bei Gegenverkehr an der aktuellen Baustelle, die das Fahrwasser des Rheins noch etwas mehr einschränkt, ist es nicht klug, einen langsameren Frachter zu überholen. Irgendwann wird dies ein Ende haben.

Quelle: RP
 
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