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Voerde
Strickoma bringt Kindern das Handarbeiten bei

Voerde. Weben, Knüpfen, Bommel wickeln - Brigitte Ettmann zeigt Mädchen und Jungen, wie es funktioniert. Von Birgit Gargitter

Der Entdeckung einer Schatzkiste sei es zu verdanken, dass sich Brigitte Ettmann inzwischen seit Jahren den Kindergartenkindern und der Handarbeit widmet. Alles fing aber ganz anders an: In Leipzig geboren, kam Brigitte Ettmann als Kind mit ihren Eltern über Umwege nach Voerde. Während ihres ganzen Lebens als Sekretärin, Ehefrau und Mutter in Voerde ließ sie ihre Heimatstadt Leipzig nicht los, schon zu DDR-Zeiten fuhr sie immer wieder hin und besuchte dort Verwandte und Freunde.

"Die Sehnsucht nach Leipzig hat mich nie verlassen und nach dem Tod meines Mannes und meiner Pensionierung entschloss ich mich einfach, für ein Jahr nach Leipzig zu gehen." Ihr Leben sei damals ein weißes Blatt gewesen, das gefüllt werden musste. In Leipzig besorgte sie sich eine kleine Wohnung, sprach in einer Freiwilligenagentur vor und wurde in einen Kindergarten vermittelt. Aus dem einen Jahr wurden schnell zwei. Sie half ehrenamtlich einige Stunden wöchentlich in einem Kindergarten aus und dort nahm schließlich auch alles seinen Lauf.

Eines Tages bemerkte Brigitte Ettmann ein Kind, Miriam, das irgendwie unterfordert wirkte und ihr kam die Idee, es mit Handarbeiten zu beschäftigen. Eine ganze Schatzkiste an Zubehör fand sie auf ihre Anfrage versteckt im Kindergarten. Das Mädchen war begeistert und nicht nur sie, denn so nach und nach fanden weitere Kinder, darunter auch Jungen, Spaß an dem neuen Spiel.

Immer mehr Kinder kamen hinzu, nicht nur aus den untereren Jahrgängen, auch die Vorschulkinder werkelten nur zu gerne mit der ganzen Wolle, wickelten Bommel, stickten, webten, übten sich im Fingerstricken und Knüpfen. "Miriam war die erste, die den Stein ins Rollen brachte, vier Jahre alt und sehr reif für ihr Alter", erzählt Brigitte Ettmann. "Pädagogisch mag das alles vielleicht nicht ganz sinnvoll gewesen zu sein, aber die Kinder hatten ihren Spaß daran."

Sogar Wettstricken beim Fingerstricken untereinander wurden ausgeführt, aus dem Moment heraus, nur so aus Spaß. "Zwei Kinder, ein Mädchen, ein Junge, waren mit dem Fingerstricken zugange. Es war heiß damals, aber die beiden strickten um die Wette."

Achteinhalb Meter lang war schließlich das Siegerstück. Zwei Kinder hielten jeweils ein gestricktes Band fest, die anderen beiden liefen los. Der Junge war wirklich geknickt, als es nur um wenige Zentimeter nicht reichte", erzählt Brigitte Ettmann lachend. Als "unsere Strickoma" sei sie damals von den Kindern bezeichnet worden. Der Name war Programm.

Die Runde weitete sich aus, schließlich interessierten sich auch andere Frauen für die ehrenamtliche Tätigkeit als "Strick-Oma", Brigitte Ettmann lernte sie an. Und blieb schließlich neun Jahre in Leipzig, schrieb ein Buch "Handarbeitsspaß mit Kindern", die zweite Auflage soll 2017 erscheinen. Inzwischen lebt Brigitte Ettmann wieder in Voerde, doch das Handarbeiten mit Kindern gibt sie nicht auf. Im Gegenteil, sie will auch andere Frauen dafür begeistern.

Quelle: RP
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