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Dinslaken
"Sturzflug" an der Emschermündung

Dinslaken: "Sturzflug" an der Emschermündung
Rund 200 Kinder sind am Mittwochvormittag zum Stück des Theaterkollektivs Orka gekommen. FOTO: Robin Kunte
Dinslaken. 200 Kinder besuchten die Ruhrtriennale. Das Theaterstück des belgischen Kollektivs Orka erzählt die Geschichte eines Tüftlers, der den Müll mit seiner selbstgebastelten Filtermaschine aus dem Rhein saugt und alphabetisch sortiert. Von Robin Kunte

Aufgeregt drängen sich die Schüler vor den Kleinbus auf der Wiese. Ganz vorne steht Niko, Sonnenbrille im Haar, rotes T-Shirt, und fragt: "Wer will mitfahren?" Locker fünfzig Finger schießen in die Höhe, Sitzplätze gibt es nur eine Hand voll. Der Rest muss laufen - vom Deich an der Emschermündung bis zur Bühne irgendwo im Hinterland des Rheins. Quer über ein Kleefeld.

Rund 200 Schüler aus Dinslaken und Umgebung sind an diesem sonnigen Vormittag zum Stapp gekommen, um das Theaterstück "Sturzflug" zu erleben, das im Rahmen der Ruhrtriennale in Dinslaken aufgeführt wird. Erleben ist in diesem Fall keine schnell geschriebene Floskel, sondern das passende Wort. Ein gewöhnliches Bühnenspiel ist der Auftritt des belgischen Kollektiv Orka nicht. Das macht der Auftakt deutlich: Busfahrt und Marsch übers Feld sind Teil der Geschichte. Niko, der Typ mit der Sonnenbrille, gehört zu den Protagonisten des Stücks.

Nicht alltäglich ist auch das Bühnenbild: Das Camp mitten in den Rheinauen ist eine verrückte Mischung aus Schrottplatz und Erfinderwerkstatt. Zusammengeflickte Silos und alte Rohre stehen und liegen herum, ein Treibhaus dient als Wohnung. Eine Maschine der Marke Eigenbau spuckt lauter Fundstücke aus dem Rhein aus.

Eine der Schulklassen ist die 5a der Realschule Hiesfeld. 26 Jungs und Mädchen hat Lehrerin Ilka Löffert im Schlepptau. Statt Mathe und Englisch steht ein Theatervormittag auf dem Lehrplan. Keine schlechte Abwechslung, findet die 9-Jährige Nebila auf der Busfahrt in Richtung Emschermündung. "Wir sind alle voll aufgeregt", sagt das Mädchen. Freundin Leyla ergänzt: "Das wird bestimmt Spaß machen." Vorbereiten konnte sich die Klasse nicht auf den Theaterbesuch. Erst ein paar Tage vorher hatte Lehrerin Ilka Löffert die Karten gewonnen. "Das war also alles recht spontan. Wir wussten selbst nicht, was da genau auf uns zukommt", sagt Löffert.

"Sturzflug" ist ein Familienstück. Die belgischen Schauspieler machen in ihrer Heimat vor allem Jugendtheater, für die Auftritte in Dinslaken haben sie eigens die deutsche Sprache gelernt. Ihr Akzent ist charmant und einnehmend. Die Geschichte ist eine von Freundschaft und Ehrlichkeit. Jeder der Protagonisten hat sein eigenes Lügengebäude errichtet, das sich am Ende auflöst. Für alle gibt es letztlich eine zweite Chance. Da ist Daniel, der Tüftler, der den Müll mit seiner selbstgebastelten Filtermaschine aus dem Rhein saugt und alphabetisch sortiert. Da ist der Schäfer Mandus, der seit Jahren den Fluss entlang wandert und vergeblich den Ring seiner Mutter sucht. Da ist das Mädchen Vera, angespült aus dem Rhein - und eben Niko, Paketbote von Beruf. Gut möglich, dass die jungen Zuschauer nicht alle Zusammenhänge und jede Anspielung verstehen. Schlimm ist das aber nicht. Die Situationskomik der Darsteller bringt die Schüler immer wieder zum Lachen, oft werden sie direkt von ihnen angesprochen. Die 90 Minuten auf den Sitzbänken vergehen buchstäblich im Flug. Der Höhepunkt: Als sich Bote Niko plötzlich aus einem kleinen Paket herauszwängt. Das versteckte Loch im Boden wollen später alle ganz genau unter die Lupe nehmen.

Lehrerin Ilka Löffer ist zufrieden mit dem Ausflug zur Ruhrtriennale: "Es ist gut, den Kindern auch mal eine andere Form von Theater zu vermitteln, als nur die Klassiker." Ihre Schützlinge sehen es genauso. "Ich fand es witzig", sagt zum Beispiel Noah. "Und weil ich heute Geburtstag habe, war das ein schönes Geschenk."

Quelle: RP
 
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