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Voerde
Swing und Klassik ganz leger

Voerde: Swing und Klassik ganz leger
Die Young People Bigband unter der Leitung von Marcel Oppenberg. FOTO: Heiko Kempken
Voerde. Bei den Voerder Schlossabenden begeisterten die Young People Bigband und das Ensemble Amadée das Publikum. Von Corinna Meinold

Es sei nicht der Abend, der am besten besucht sei, aber gerüchteweise derjenige mit den besten Gästen, verrieten Dirk Elfgen und Dirk Wennmann, Veranstalter der Voerder Schlossabende, am Donnerstag mit Blick auf die gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Plätze und das Thema des Abends: Klassik.

Die kam in einem neuen, leichteren Gewand daher - unter dem Motto "Big Swing meets Classic léger" traf mit dem Ensemble Amadée poppig inszenierte Klassik auf die Swing- und Jazzperlen im Stile Glenn Millers von der niederrheinischen Young People Bigband unter Leitung von Marcel Oppenberg. Classic léger bedeute, "locker, amüsant, aber immer musikalisch anspruchsvoll", erklärte Dirk Elfgen - und versprach damit nicht zu viel.

In ihren aufwendigen Kostümen, die stets in einem farblichen Kontrast zu ihren weißen Geigen stehen, schafften die Violinistinnen Julia Graeber und Kathi Adam den Spagat zwischen Klassik und Unterhaltungsmusik. Werke wie Beethovens "An die Freude", Mozarts "Kleine Nachtmusik" oder Smetanas "Die Moldau" bekommen einen modernen Sound, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren. Im Gegenteil: Vielmehr erhalten die Stücke eine weitere klangliche Dimension.

Das trifft auch auf die Filmmelodien zu. "Time of my life" aus "Dirty Dancing" hört sich im ersten Augenblick ungewohnt an, das Ensemble Amadée verleiht dem Stück aber ein tolles akustisches Gewand, das auch beim Publikum gut ankommt.

Den Violinistinnen gelingt nicht nur die Balance zwischen unterschiedlichen Musikstilen, sondern auch zwischen unterschiedlichen Stimmungen. Ihr Spiel ist immer ausdrucksstark, die saubere Technik und perfekte Intonation mit Spielfreude und Emotionen verbunden. Gefühlvoll und berührend erklingt zum Ende des ersten Sets "My heart will go on" - ein Titel, den sie auf Kreuzfahrtschiffen nie spielen dürfen, wie Julia Graeber verrät. Aber in Voerde gibt es ja keine Eisberge. Höchstens graue Wolken, doch die verziehen sich immer mehr. Und als die Young People Bigband aufspielt, kommt sogar die Sonne heraus. Sehr zur Freude von Band-Leader Marcel Oppenberg - denn als die Bigband auf dem Weihnachtsmarkt am Schloss spielte, konnten die Musiker "kaum aus dem Schal gucken".

Am Donnerstag mussten sie nicht frieren, heizten dafür mit einer "One Note Samba" ein. Die Bigband begeisterte nicht nur mit lässigem, satten Swingsound und grandiosen Soli, sondern hatte sich mit Steffi Rude auch gesangliche Unterstützung mitgebracht. Die Sängerin beeindruckte etwa bei "Skyfall" und bewies ein sicheres Gespür für die richtige Liedauswahl zu ihrer Stimme. Auch das Ensemble Amadée hatte mit der Wiener Sopranistin Viktoria Car eine starke Stimme dabei, die mit "Panis angelicus", "Ich hätt' getanzt heut Nacht" und "Barcarole" überzeugte und ihre ganze stimmliche Bandbreite zeigte. Nach der Pause legten die Künstler noch eine Schippe drauf. Die Atmosphäre war noch stimmungsvoller als in der ersten Hälfte. Das Publikum klatschte und sang bei "Funicolare" mit und ließ sich bei "Train" ebenso mitreißen wie von bekannten Bigband-Melodien aus der Feder von Count Basie und Glenn Miller. "In the Mood" ist für die Young People Bigband die traditionelle Schlussnummer bei Konzerten und war auch an dem Abend der fulminante Rausschmeißer. Viel Applaus für einen lässigen Abend mit Musikgenuss auf hohem Niveau.

Quelle: RP
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