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Dinslaken
Syrischer Muslim begleitet als Herold Sankt Martin

Dinslaken: Syrischer Muslim begleitet als Herold Sankt Martin
Der Heilige Martin zog mit Gefolge durch die Innenstadt. Am Burgtheater traf er auf den Bettler. FOTO: Jochen Emde
Dinslaken. Es gab einen großen Umzug durch die City zum Burgtheater. Dort lauschten hunderte Kinder der Martinsgeschichte.

In das rot-weiße Leinengewand geschlüpft, die schwarzen Lederstiefel übergezogen und zuletzt den schweren Eisenhelm aufgesetzt - dann sind die beiden Herolde bereit und warten auf ihren Sankt Martin. Für einen von ihnen stellt der Martinsumzug durch die Dinslakener Innenstadt am Samstagnachmittag eine echte Premiere dar.

Denn der 18-jährige Muhammad Al Mahmoud kommt aus Syrien, lebt erst seit einem Jahr in Dinslaken und kannte bis vor Kurzem nicht einmal die deutsche Tradition des Martinsumzuges. Das sollte sich allerdings schnell ändern, als Susanne Gerstenberg ihn fragte, ob er nicht Lust auf diese besondere Aufgabe habe. Sie selbst begleitet als Herold bereits im dritten Jahr Sankt Martin und freut sich über eine starke Hand.

Ein bisschen aufgeregt sei er aber schon, gibt Muhammad zu. "Ich muss schließlich das Pferd halten." Dabei habe er bisher noch keine Erfahrungen mit den großen Tieren gesammelt. Dass er trotzdem seiner Rolle gerecht wird, hat er jedoch schon bei einem vorherigen Umzug bewiesen. "Wir hatten Spaß", erzählt der 18-Jährige und lächelt dabei.

Endlich steht auch Sankt Martin vor der Haustür. Thomas Bierwald sitzt mit seinem roten Mantel seit 2008 auf dem Pferd, einen Nachfolger hat er auch schon. "Nächstes Jahr bin ich dran", sagt sein zehnjähriger Sohn Nick stolz. "Aber erst einmal als Herold." Bis dahin kümmert er sich um das Pferd Tosca, das ebenfalls schon seit fünf Jahren dabei ist.

"Hoffentlich hält Tosca heute durch", wünscht sich Nick. Durchhalten meint in diesem Fall: keine Äpfel hinterlassen, die er wegkehren muss. Das schafft sie zwar nicht, böse ist ihr deshalb aber keiner. Mit ihrem geflochtenen Zopf, den roten Ohrenschützern und ihrem freundlichen Gemüt macht sie sich bei allen beliebt.

"Elias, willst du sie mal streicheln?" Verschüchtert berührt der kleine Elias das Tier, klammert sich danach aber lieber an seiner knallgelben Laterne fest. Streicheln ist später nicht erlaubt, dafür staunen die Kinder beim Anblick Sankt Martins auf dem Pferd aber umso mehr.

Sobald der Umzug sich in Bewegung setzt, fängt es leicht an zu nieseln. Die Profis haben Plastiktüten für die Fliegenpilz-, Einhorn- oder Drachenlaternen dabei, die anderen werden eben nass. Schlechte Laune verbreitet sich aber nicht, stattdessen folgen sie lieber den verschiedenen Spielmannszügen, singen laut "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne" und winken den Menschen am Straßenrand zu.

Im Burgtheater genießen Sankt Martin, Tosca und die beiden Herolde schließlich ein letztes Mal ihren großen Auftritt. Ronny Schneider und Klaus Lasse lesen die Martinslegende vor, die doch eigentlich eine christliche ist. Für den muslimischen Herold Muhammad kein Problem: "Alle Religionen sind doch gleich - wir haben alle den gleichen Gott."

(schur)
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