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Dinslaken
TalentAward Ruhr für Jörg Knüfken

Dinslaken: TalentAward Ruhr für Jörg Knüfken
Jörg Knüfken engagiert sich für benachteiligte Jugendliche und bemüht sich, diesen zu schulischen Erfolgen zu verhelfen. Bislang profitierten etwa 200 Jugendliche, die als unbeschulbar galten, von Knüfkens Methoden. FOTO: Initiativkreis Ruhr
Dinslaken. Der 49-jährige Diplom-Sozialpädagoge und Buchautor arbeitet an verschiedenen Hauptschulen im Kreis Wesel und setzt sich dafür ein, benachteiligte Jugendliche zu unterstützen und zu fördern. In Dinslaken startete er damit 2010.

Nachwuchsförderer im Rampenlicht: Mit dem Talent-Award Ruhr haben das Unternehmensbündnis Initiativkreis Ruhr und seine Bildungsinitiative TalentMetropole Ruhr gestern im Thyssenkrupp-Quartier in Essen fünf beeindruckende Beispiele für Talentförderung ausgezeichnet. Der vor 600 Gästen verliehene Preis würdigt Menschen, die sich herausragend für die Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses im Ruhrgebiet einsetzen. Er ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert. Zu den fünf Preisträgern gehört Jörg Knüfken, der für sein Engagement an Hauptschulen im Kreis Wesel ausgezeichnet wurde. Weitere Preisträger sind Anja Höhle (32 Jahre), Serap Tanis (51), Cordula Hiller-Kitzmann (50) sowie die fünf Hagener Berufskollegs.

Knüfken setzt sich seit 2010 dafür ein, benachteiligte Hauptschüler mit dem von ihm gegründeten Verein "Freischreiber" zum schulischen Erfolgen zu verhelfen. Grundlage ist dabei die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihrer Biografie - dies geschieht über das Schreiben von Tagebüchern. "Wenn gar nichts geht, dann zeige ich eben nur Filme", das dachte sich jörg Knüfken, als er 2010 an einer Hauptschule in Dinslaken die Betreuung eine Gruppe extrem verhaltensauffälliger Jugendlicher übernahm. Doch nur Filme zeigen, das musste er bislang nie. Zwei Jahre später schafften es 13 der 14 von betreuten Schülerinnen und Schüler, die als "unbeschulbar" galten und keine Perspektive für ihr Leben hatten, den Hauptschulabschluss. Was war geschehen? Knüfken war es gelungen, einen persönlichen Zugang zu den Jugendlichen zu gewinnen, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen und ihre Talente herauszukitzeln.

Die pädagogische Methode hatte der Vater zweier Kinder aus den USA importiert: autobiografisches Schreiben. "Wenn damit amerikanische Ghetto-Kinder ihr Leben in den Griff bekommen, warum dann nicht auch verhaltensauffällige Hauptschüler in Dinslaken?", dachte sich Knüfken damals. "Freedom Writers" nennt sich das in den 90er Jahren von einer amerikanischen Lehrerin entwickelte Konzept: Durch das Schreiben von Tagebüchern und andere Methoden setzen sich Jugendliche mit ihrer Biografie auseinander und verändern damit ihr Leben - positiv. Nach und nach fassten die Schülerinnen und Schüler aus Dinslaken Vertrauen zu Knüfken. Sie merkten, dass er echtes Interesse an ihnen hat und erlaubten ihm, ihre Tagebücher einzusehen - mit Geschichten voller negativer Erfahrungen und familiärer Probleme. Mit diesem Wissen gelang es dem Pädagogen, ein immer engeres Band zu den Jugendlichen zu knüpfen und sie zu motivieren, an ihre Potenziale zu glauben und ihre Talente zu entwickeln.

Aus dem außergewöhnlichen Projekt an der Hauptschule in Dinslaken ist längst mehr geworden. Knüfken hat 2013 gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern ein Buch darüber veröffentlicht mit dem Titel "Das Wunder bleibt aus" und ist mit ihnen auf Lesereise gegangen. Mehr als ein Jahr lang, quer durch Deutschland. Die Schüler sind zu Multiplikatoren des Projekts geworden. Um seine Erfahrungen weiterzutragen und neben Jugendlichen auch Lehrer und Schulsozialarbeiter zu erreichen, gründete Knüfken 2014 mit mehreren Mitstreitern den Verein "Schreibmodus", der seit Sommer 2016 "Freischreiber" heißt.

Etwa 200 Jugendliche, denen das Etikett "schwer beschulbar" anheftete, haben bisher von Knüfkens Erfahrungen und Methoden des erfahrungsorientierten Lernens profitiert. So wie Dilara G. Nach der Grundschule hatte sie eine Gymnasialempfehlung erhalten, doch bereits in der Unterstufe begann ihre Abschulung auf die Realschule und später auf die Hauptschule. Dort fand sie den Weg in eine Arbeitsgemeinschaft ihrer Schule mit Jörg Knüfken und seinem Konzept. Durch die Erlebnisse in der Gruppe und im Laufe selbstreflexiver Phasen macht es bei ihr "Klick". "Ich habe plötzlich gemerkt, dass ich das alles ja für mich mache", erzählt Dilara. Sie machte den Hauptschulabschluss, später das Fachabitur und will bald ein Studium beginnen.

Ein schöner Erfolg, aber von solchen Geschichten müsse es mehr geben, findet Knüfken. Er möchte am liebsten die ganze Schullandschaft umkrempeln - mindestens aber jedem Jugendlichen gerecht werden, damit er das Beste aus seinem Leben machen kann.

Quelle: RP
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